MILLIONENINVESTITION

Für die Fernwärme in Neubrandenburg wird Windkraft genutzt

Deutschland-Premiere: Eine neue Anlage wird in Neubrandenburg künftig Wind-Energie in Wärme umwandeln. Möglich macht das eine Kooperation.
Mirko Hertrich Mirko Hertrich
Ende 2020 soll der aktuell im Bau befindliche Kurzzeitwärmespeicher im Industrieviertel fertig sein. Die Power-to-Heat-An
Ende 2020 soll der aktuell im Bau befindliche Kurzzeitwärmespeicher im Industrieviertel fertig sein. Die Power-to-Heat-Anlage wird in einen großen Technik-Anbau direkt daneben integriert. neu.sw
Neubrandenburg.

Bei der Versorgung mit Fernwärme wird es in naher Zukunft in vielen Neubrandenburger Wohnungen klimafreundlicher zugehen. Denn bald soll – anstatt von Erdgas – vermehrt erneuerbare Energie aus Windkraftanlagen dazu genutzt werden, das Wasser zu erhitzen. Möglich machen soll dies eine Power-to-Heat-Anlage (P2H), in der am Standort in der Warliner Straße überschüssiger Strom aus Windkraftanlagen in Wärme für die Stadt umgewandelt wird.

Für die 14 Millionen Euro teure Errichtung der Anlage unmittelbar am Gas- und Dampfturbinenheizkraftwerk (GuD) haben die Stadtwerke jetzt mit dem Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz einen finanzkräftigen Partner gefunden. 50 Hertz trägt die Investitionskosten, die Stadtwerke kümmern sich um die Details der Errichtung und den Betrieb der P2H-Anlage. Es sei die deutschlandweit erste Kooperation dieser Art, teilten beide Unternehmen nach langen Verhandlungen jetzt mit. Die Anlage soll bis Ende 2023 entstehen und eine Leistung von 30 Megawatt haben.

Wärmespeicher ist im Bau

In der Warliner Straße treiben die Stadtwerke schon seit längeren mit viel Engagement und Geld die Neuausrichtung ihrer Energieproduktion hin zu einer „grünen Wärme-Wende“ voran. Sichtbarstes Zeichen dafür ist der im Bau befindliche Kurzzeitwärmespeicher. Ab Ende 2020 soll dieser 36 Meter hohe Turm mit einem Durchmesser von 30 Metern „als zentrales Element“ der Wärmewende zur Speicherung überschüssiger Wärme dienen. In dem Speicher haben rund 23 000 Kubikmeter Wasser Platz, die den Wärmebedarf der Stadt Neubrandenburg im Sommer für rund zwei Tage speichern können.

Durch die P2H-Anlage, die wie ein überdimensionierter Wasserkocher funktioniert, können rund 30 Windkraftanlagen weiterlaufen, die bei Überlast eigentlich heruntergefahren werden müssten. Künftig wird stattdessen die Leistung des gasbetriebenen Heizkraftwerks reduziert, womit laut 50 Hertz der jährliche Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid um jährlich rund 21 000 Tonnen verringert wird.

Kein Zusammenhang mit Preiserhöhung

Durch die Kooperation sei es gelungen, eine „gute Lösung“ sowohl für die lokale Wirtschaft als auch für die Verbraucher in Neubrandenburg zu entwickeln, so Dirk Biermann, Geschäftsführer Märkte und Systembetrieb bei 50 Hertz. Unternehmensangaben zufolge wird die Investition „im Regelfall“ in der lokalen Wirtschaft zu Aufträgen führen, auch bei Instandhaltung und Wartung. Der Netzbetreiber führte als weiteren Vorteil an, dass der Ertragsausfall durch das Abstellen der Windkraftanlagen bei Überlast in der sogenannten Regelzone dann nicht mehr auf die Nutzer „abgewälzt“ werde.

Die Stadtwerke unterstrichen, die von neu.sw bekannt gegebenen Preisanpassungen stünden nicht im Zusammenhang mit dem Bau der P2H-Anlage oder des Kurzzeitwärmespeichers. Mit der P2H-Anlage bestehe unter anderem eine Möglichkeit mehr, Fernwärme zu produzieren – und in diesem Fall sogar mit erneuerbaren Energien, sagte eine Sprecherin.

Die Strom-Tarife von Neu SW erhöhen sich im Netzgebiet Neubrandenburg und im Umland ab Anfang 2020 um durchschnittlich rund fünf Prozent. Als Grund führten die Stadtwerke unter anderem gestiegene Kosten für die ohnehin schon sehr hohen Netzentgelte an, welche 50 Hertz im kommenden Jahr um voraussichtlich sieben Prozent anhebt. Mecklenburg-Vorpommern hat mit die höchsten Stromkosten in Deutschland.

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