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Für Dorf-Politik reichen zwei Finger

Gemeindevertreter Hartmut Anner arbeitet jetzt papierlos.
Gemeindevertreter Hartmut Anner arbeitet jetzt papierlos.
Anett Seidel

Die Brunner Gemeinde­vertreter arbeiten wie die Mitglieder des Bundestages – papierlos. Dafür ist das iPad ständig präsent. Warum soll nicht auch in der kleinen Gemeinde funktionieren, was in der großen Bundeshauptstadt Berlin gang und gäbe ist?

Statt Papierberge zu wälzen, ziehen die Brunner den Finger über die Seite. Ziehen, tippen, wischen – die Brunner Gemeindevertreter haben die Funktionen des iPads verinnerlicht. Müssen sie auch, denn Papier kommt bei den ehrenamtlich Aktiven in den Dörfern der Gemeinde nicht mehr auf den Tisch. „Ja, eigentlich sind wir die Papiergeneration“, gibt der stellvertretende Bürger­meister Hartmud Anner zu. Aber auf sein iPad will er nicht mehr verzichten.

In  Brunn ist der Versuch gestartet, den sogenannten papierlosen Sitzungsdienst einzuführen. „Papier zu sparen war dabei ein Faktor, aber ein weiterer Aspekt ist auch eine komfortablere Arbeitsweise“, macht IT-Fachmann Wolfgang Werth aus dem ­Neveriner Amt deutlich. Muss derzeit jeder Gemeinde­vertreter in seinen eigenen vier Wänden noch ein Regal haben, um die Akten für seine ehrenamtliche Tätigkeit zu sortieren, bleiben den Brunnern die Ordner bald erspart. Der Bundestag und auch der Kreistag arbeiten so, weiß Werth. „Warum wollen wir das nicht auch in den Gemeinden möglich machen?“, dachte sich der Computerfachmann. Brunn machte mit. „Andere Gemeinden haben gleich abgewinkt.“

„Wir sind für alles Moderne“, bestätigt Bürgermeister Christian Schenk. Rund 8500 Euro wurden für die Technik investiert. Die Gemeinde hat die Hälfte der Kosten übernommen. Als der Probelauf startete, hat niemand erwartet, dass der papierlose Sitzungsdienst so gut angenommen wird. Nur mit der Internetverbindung haperte es in einigen Orten. Denn die Brunner wandern von Sitzung zu Sitzung an einen jeweils anderen Ort der Gemeinde. „Wir haben daraufhin noch einen mobilen Internetzugang geschaffen“, berichtet Werth.

Der Fachmann muss allerdings zugeben, dass es so ganz und gar ohne Papier doch noch nicht geht. „Das Protokoll muss auf dem Papier unterschrieben werden“, so Wolfgang Werth. Die digitale Signatur sei noch nicht eingeführt. Aber dennoch seien die Brunner mit ihrem iPad „ganz weit vorn“.