So sah es in der Küche der ausgehobenen Wohnung in Neubrandenburg aus.
So sah es in der Küche der ausgehobenen Wohnung in Neubrandenburg aus. Polizei/ZVG
Polizei

Für viele gestohlene Gegenstände werden noch Besitzer gesucht

Ein riesengroßes Lager vermeintlichen Diebesguts auszuheben, ist zweifellos ein Erfolg. Die richtige und akribische Auswertung danach erweist sich für die Polizei aber als Mammutaufgabe.
Neubrandenburg

Das dauert seine Zeit. Noch immer ist die Polizei in der Kreisstadt Neubrandenburg damit beschäftigt, ein riesengroßes Lager vermeintlichen Diebesguts zu sortieren, das Mitte Februar aufgeflogen ist. Das sei beileibe kein Pappenstiel, erklärt eine Sprecherin der Polizei, fast 100 Gegenstände danach zu sichten, ob die mit irgendwelchen angezeigten Diebstählen in Verbindung zu bringen sind. Gut möglich auch, dass gar nicht alle betroffenen Opfer angezeigt haben, bestohlen worden zu sein. Selbst hartgesottene Ermittler in Neubrandenburg können sich kaum erinnern, in der Vergangenheit so ein riesengroßes Lager von verdächtigem Diebesgut ausgehoben zu haben.

Auch zwei Motorräder und ein Quad in der Wohnung

Dass die allermeisten Gegenstände, die in der kleinen Wohnung eines polizeibekannten Neubrandenburgers entdeckt worden sind, aus dunklen Quellen stammen, daran hegen die Ermittler keinen Zweifel. Sage und schreibe 91 Gegenstände mussten aus der Wohnung auf dem Datzberg, einem der großen Plattenbauviertel der Kreisstadt, nach unten geschleppt und abtransportiert werden. Darunter elf Fahrräder, zwölf Laptops, 43 Mobiltelefone, zwei Motorräder, ein Roller – und sogar ein Quad. Wie der verdächtige 25-jährige Mieter das schwere Gerät in die Wohnung transportiert hat – das ist eines der noch ungelösten Rätsel dieses Falles.

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Zum Abtransport der großen Menge waren mehrere Funkstreifenwagenbesatzungen im Einsatz. Allein die Menge dieses sichergestellten „Materials“ nimmt jetzt einen großen Teil der Platzes in den Asservaten-Kammern der Neubrandenburger Polizei in Beschlag. Wenngleich manches schon den Weg zu den wahren Eigentümern zurück finden konnte. Am Dienstag zum Beispiel konnte eine Frau ihr viel zu lange vermisstes Fahrrad wieder in Besitz nehmen. Den Diebstahl hatte sie seinerzeit angezeigt und konnte jetzt von der Polizei aus dem Neubrandenburger Hauptrevier über die „Rückkehr“ informiert werden.

Wohnungsmieter rief selbst die Polizei

Mit Fahrrädern und dessen unrechtmäßigem Besitz hatte der verdächtige Mieter schon früher zu tun. So kam ihm die Polizei vor zwei Jahren auf die Schliche, als bei ihm ein einige Monate zuvor in der Hansestadt Stralsund gestohlenes Zweirad entdeckt wurde. Übrigens – auch zur Aufklärung dieser Straftat leistete der junge Mann selbst den entscheidenden Beitrag. Denn weil Nachbarn den Höllenlärm in der Wohnung beklagten, rückte die Polizei an. Und sah sich bei der Gelegenheit auch das Fahrrad etwas genauer an – Treffer.

Weil der Neubrandenburger aus dem Schaden nicht klug wurde, fiel ihm eine ähnliche Aktion auch jetzt wieder auf die Füße: Denn er selbst hatte diesmal die Polizei gerufen, wie der Nordkurier erfuhr. In der Rettungsstelle ging an jenem Tag ein Anruf ein, dass sich in der Wohnung offenbar jemand in einer hilflosen Lage befand. Der Anrufer war der Verdächtige selbst, der, so heißt es, „auf Droge war“. Als die Polizisten und Rettungskräfte dann in der Wohnung des vermeintlich hilflosen Mannes ankamen, entdeckten sie den ganzen Berg an mutmaßlichem Diebesgut.

„Wenn wir hoffentlich bald wissen, was und wo gestohlen wurde, können wir den Verdächtigen damit konfrontieren“, so die Sprecherin der Neubrandenburger Polizei. Der komme jetzt nicht mehr davon.

 

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