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Futter vergammelt auf überfluteten Wiesen

Seit Wochen heißt es "Land unter" auf den Tollensewiesen bei Tückhude. Das Wasser ist weiter gestiegen. Den Bauern geht das Futter flöten, sie kritisieren die mangelnde Wasserregulierung am Wehr, das neu gebaut wird.

Viele Hektar Wiesen stehen bei Tückhude unter Wasser. Landwirt Manfred Deichmann befürchtet enorme Einbußen.
Gesine Prägert Viele Hektar Wiesen stehen bei Tückhude unter Wasser. Landwirt Manfred Deichmann befürchtet enorme Einbußen.

Für Naturfreunde ist es eine Idylle: Hunderte Schwäne versammeln sich nahe Tückhude auf kleinen Seen. Manfred Deichmann sitzt in seinem Jeep, schaltet in den zweiten Gang und gibt Gas. Der Motor heult auf, das Wasser spritzt meterhoch. Was Naturfreunde freut, macht den Landwirt aus Golchen wütend. Schon im Oktober wandte er sich an den Nordkurier. Grund: Seine Wiesen sind überflutet (der Nordkurier berichtete). Jetzt habe sich die Situation weiter verschlimmert. Kniehoch, zum Teil noch höher steht das Wasser in weiten Bereichen der 25 Hektar großen Fläche. „Das sind enorme Einbußen für mich“, sagt Deichmann, der das Gras als Futter verkauft. „Den letzten Wiesenschnitt konnte ich schon nicht machen und beim den nächsten wird das Futter nicht zu gebrauchen sein. Auch meine Maisfelder werden ich nicht bestellen können.“ Auf 15 000 Euro schätzt er den Schaden, der ihm durch die Wassermassen entsteht. Deichmann will eine Schadenersatzforderung an das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) stellen. Denn schuld seien seiner Meinung nach Planungsfehler bei der Instandsetzung des Wehres an der Tollense. Das Wasser wurde durch drei Rohre um das Wehr herumgeleitet. „Viel zu wenig“, sagt der Landwirt. Vor zwei Tagen nun wurden die Rohre entfernt, ein kleiner Fluss fließt jetzt am Wehr vorbei. „Das hätte man schon viel früher machen müssen“, moniert Deichmann.

Auch für die Burower Gutsmilch GmbH ist der Schaden noch größer geworden. Mehrere Hektar Fläche, auf denen das Unternehmen Futter für die Kühe erntet, stehen unter Wasser. „So richtig können wir den Schaden erst im Frühjahr abschätzen. Aber die guten Gräser sind auf jeden Fall weg, also müssen wir neu säen“, erklärt Frank Kurzhals. Nach den ersten Gesprächen vor Wochen mit dem Staatlichen Amt habe die Behörde zwar reagiert, aber eben nicht ausreichend Vorsorge getroffen. „Und die Leidtragenden sind die Landwirte“, sagt Kurzhals.

Bodo Heise, Abteilungsleiter für Naturschutz, Wasser und Boden beim StALU, bedauert, dass sich die Baumaßnahme so lange hinzieht. „Wir wollten im September fertig sein“, sagt er. Geplant war, die Wehranlage zu sanieren, doch als die Baugrube schließlich trockengelegt war, habe man festgestellt, dass der Bauzustand so schlecht sei, dass die ganze Anlage weggerissen werden musste. Dieser Tage wird der Neubau betoniert, muss dann aber erst mal einen knappen Monat aushärten, bevor die letzten Arbeiten beginnen können. „Dieses Jahr schaffen wir‘s nicht mehr“, bringt er es auf den Punkt. Zwar habe die Baumaßnahme das Abflussvermögen der Tollense verändert, die „Umleitung“ für das Wasser werde jetzt auch noch mal vergrößert. Aber der Wasserstand sei nur drei Tage lang höher gewesen als das obere Stauziel – der höchste zugelassene Wasserstand. Das viel größere Problem an der Tollense sei die immer weitere Absackung des Moorkörpers durch die frühere Melioration. „Auch wenn der Wasserspiegel im Gewässer gleich bleibt, hat der Landnutzer zunehmend ein Problem“, sagt Bodo Heise. Deshalb müsse eine langfristige Lösung für die Nutzung der Wiesen gefunden werden.

Manfred Deichmann hofft jetzt auf einen milden Winter. „Wenn es friert, können sich bei der geringen Strömung der Tollense schnell Eisschollen bilden, die den Abfluss versperren könnten.“ Neue Überflutungen würden drohen.