BETREUUNGSANGEBOT

Gegen die Vereinsamung im Alter

In Wildberg will sich im kommenden Jahr ein neues Unternehmen ansiedeln, das sich vor allem an Leute wenden, die eher unfreiwillig vom öffentlichen Leben abgeschnitten sind. In der Gemeinde gibt es 90 Bewohner, die das 70. Lebensjahr überschritten haben.
Spazieren gehen, Zuhören, Kaffee trinken: In Deutschland gibt es Menschen, die mit Rentnern Freizeit verbringen.(Symbolfo
Spazieren gehen, Zuhören, Kaffee trinken: In Deutschland gibt es Menschen, die mit Rentnern Freizeit verbringen.(Symbolfoto) Jörg Carstensen
Wildberg.

Eine frohe Botschaft hatte Wildbergs Bürgermeisterin während der letzten Sitzung der Gemeindevertreter in diesem Jahr zu verkünden: Ein neues Unternehmen will sich im Dorf ansiedeln. Und das gleich am 1. Januar nächsten Jahres. Dabei handelt es sich um die „Neue ohne Barrieren“ gGmbH, die in der Gemeinde ihre Dienste anbieten will und bereits in Rostock, Stralsund und Bad Doberan am Markt tätig ist. Wildberg wird als Pilotprojekt gestartet.

Verschiedene Betreuungsangebote

Das Unternehmen, so informierte die Bürgermeisterin, will sich um Leute kümmern, die noch in ihren Wohnungen leben, aber aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr am gesellschaftlichen teilnehmen: Weil der Partner bereits verstorben ist oder nie einer da war, weil man niemanden mehr so richtig kennt, weil unbegründete Scheu da ist, weil man aus gesundheitlichen Gründen einfach nicht mehr auf dem Haus kommt. Die Mitarbeiter wollen der Einsamkeit, in der sich viele oft ungewollt befinden, entgegenwirken. Dazu sollen verschiedene Betreuungsangebote unterbreitet werden, die sich vom Tanz über Gymnastik bis hin zur Rückenschule erstrecken. Einsamkeit gilt gerade im Alter als Auslöser vieler Krankheiten. Zum 1. März will die gGmbH eine Wohnungen in einem der Wohnblocks an der Hauptstraße mieten, die zunächst als Büro dienen soll. Geplant sei die Anmietung weiterer Wohnungen, je nachdem, wie Wildberger dieses Angebot annehmen. Ziel sei es nicht, die Leute aus ihren Wohnungen herauszuholen und sie zum Umzug zu animieren.

„Die Leute sollen ja gerade, wenn es ihnen gesundheitlich möglich ist, in ihren eigenen Wohnungen bis zum Tode leben können und nicht ins Pflegeheim gehen.“ Wer aber den Wunsch hat, in eine andere Wohnung zu ziehen, weil es für ihn leichter ist, soll es tun können. Das Anmieten weiterer Wohnungen sei eine Option der GmbH, die sich aber langsam entwickeln werde.

Die Bürgermeisterin zeigte sich sehr erfreut über diese Unternehmensansiedlung. „In Wildberg leben 90 Frauen und Männer, die das 70. Lebensjahr bereits überschritten haben“, sagt sie. Bis jetzt kümmerte sich Roswitha Steinke, und das seit 22 Jahren, um die Betreuung der Rentner in der Gemeinde und lud sie einmal wöchentlich zu unterschiedlichen Veranstaltungen ein.

Wie einst bei „Schwester Agnes“

Jetzt werde die Wildbergerin Birgit Stengel, gelernte Krankenschwester und Ergotherapeutin, dies übernehmen. Über sie sei der Kontakt zu Wildberg überhaupt erst zustande gekommen, sie sei in dem Unternehmen beschäftigt. Sie suche die Leute, die es wünschen, zu Hause auf und wolle ihnen soweit es irgend möglich sei, wieder Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen und in vielen komplizierten Lebenslagen Helfer sein. Wenn diese Art der Betreuung gut angenommen werde, so Beatrix Papke, könne das Projekt gern auch auf andere Dörfer ausgedehnt werden.

Die Gemeindevertreter begrüßten diese Firmenankunft ebenso wie die Bürgermeisterin und einer meinte gar, dass mit diesem häuslichen Betreuungsangebot jetzt wieder Gemeindeschwester Agnes belebt werde. „Schwester Agnes“ ist ein von der DEFA produzierter Fernsehfilm, der 1975 im DDR-Fernsehen ausgestrahlt wurde und sich großer Beliebtheit erfreute.

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