Detektivarbeit führt zum Erfolg

Gelöstes Rätsel führt Künstlerin zu ihrem Werk

Solch eine beglückende Wiederbegegnung wie mit dem Kupferrelief, dessen Herkunft lange unklar war, wünscht sich Schöpferin Heidrun Radeloff auch für andere Arbeiten. Vielleicht weiß ja jemand, was aus dem Brunnen im Kulturpark geworden ist?
Susanne Schulz Susanne Schulz
Endlich Gewissheit über die Herkunft des Reliefs erhielten Museumsleiter Rolf Voß (links)  und Wolfgang Kern, der Vorsitzende des Museumsvereins, von der Künstlerin Heidrun „Ugi“ Radeloff.
Endlich Gewissheit über die Herkunft des Reliefs erhielten Museumsleiter Rolf Voß (links) und Wolfgang Kern, der Vorsitzende des Museumsvereins, von der Künstlerin Heidrun „Ugi“ Radeloff.
Auch diesen Brunnen im Kulturpark hat Heidrun Radeloff geschaffen – und wüsste gern, was daraus geworden ist.
Auch diesen Brunnen im Kulturpark hat Heidrun Radeloff geschaffen – und wüsste gern, was daraus geworden ist.
Metallkünstlerin Heidrun Radeloff hat die Bearbeitungstechnik bestens in Erinnerung.
Metallkünstlerin Heidrun Radeloff hat die Bearbeitungstechnik bestens in Erinnerung.
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Neubrandenburg.

Mit dem Stoßseufzer „Jetzt ist die Sache richtig rund!“ bringt Wolfgang Kern all die Mühen der vergangenen anderthalb Jahre auf den Punkt, die dem Vorsitzenden des Neubrandenburger Museumsvereins glatt das Große Detektiv-Diplom einbringen konnten. Denn nach unzähligen verfolgten Spuren führte eine schließlich recht unverhofft zum Erfolg bei der Suche nach dem Schöpfer eines kunstvollen Kupferreliefs, das einst im Dienstleistungskombinat (DLK) in der Oststadt hing, dann ein Schattendasein im Museumsdepot fristete und nun im Gebäude der Neubrandenburger Stadtwerke hängt.

Nun steht eine zierliche Frau vor dem großformatigen Kunstwerk und beschreibt, wie die Formen vor mehr als 40 Jahren aus einem Kitt-Bett auf die Kupferplatte übertragen wurden. „Ich konnte gar nicht fassen, dass es dieses Relief noch gibt“, sagt Heidrun Radeloff. Denn viele andere Arbeiten aus dem öffentlichen Raum seien wohl unwiederbringlich verschwunden.

Goldschmied-Lehre beim Zentrum Bildende Kunst

Verschwunden schien auch jegliche Information über die Entstehung des DLK-Reliefs. Auf der Suche nach Kunstwerken für den Unternehmenssitz der Stadtwerke hatte deren Geschäftsführer die Kupferplatte im Museumsdepot entdeckt. „Sein unvoreingenommener Blick hat diese Arbeit ans Licht geholt“, freut sich Museumsleiter Rolf Voß, der daraufhin den Vereinsvorsitzenden Kern um Recherchen gebeten hatte. Der forschte und fragte, hoffte und verzagte und gelangte schließlich zu der Überzeugung, gescheitert zu sein.

Nur einen Tag später kam im Gespräch mit Ruth Crepon, der langjährigen Leiterin der Kunstsammlung, kam die Rede auf das Relief. Perplex über den Ausruf „Das ist doch von der Ugi!“, fand sich Kern endlich auf der richtigen Spur: Ugi erwies sich als Spitzname von Heidrun Radeloff, die in den 70ern unter ihrem damaligen Namen Grigorzik nach Goldschmiede-Lehre und Metallgestaltungsstudium in der Metallwerkstatt des Zentrums Bildende Kunst in Neubrandenburg arbeitete. „Wir hatten dort alle Möglichkeiten und konnten viel experimentieren“, erzählt die Künstlerin, die inzwischen in Stralsund lebt. Unter drei Kandidaten für den DLK-Auftrag hatte die Werkstatt damals die Ausschreibung für sich entschieden. Wogender Dampf als Symbol für die Chemische Reinigung sowie Handwerkszeug der Schuster, Uhrmacher und Foto-/Optik-Experten sind auf dem Motiv zu finden, das den Stadtwerken nun als Dauerleihgabe überlassen wurde.

„Das ist eine Erfolgsgeschichte, die ich mir für andere Arbeiten auch wünschte“, bekennt die Künstlerin. Gern würde sie zum Beispiel erfahren, was aus dem Brunnen geworden ist, den sie damals für den Kulturpark gestaltete. Das Objekt mit fünf sprudelnden Blüten stand einst nahe der Villa, die damals das Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft beherbergte; auf Ugi Radeloffs SchwarzWeiß-Foto ist im Hintergrund das Gasthaus „Zur Lohmühle“ zu sehen. Gibt es auch für dieses Rätsel jemanden, der Aufschluss werden kann?

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