KAMPF UM EINE KAPELLE

Gemeinde will die schiefe Kirche von Klempenow nicht aufgeben

Der Kirchenverbund Hohenmocker-Daberkow will seine schiefe Kirche retten. Damit folgt die Kirchengemeinde nicht den Empfehlungen des Kirchenkreisrates.
Die Kirche steht auf einer Torflinse, die wiederum mit den aktuellen klimatischen Bedingungen nicht ganz so gut zurechtkommt.
Die Kirche steht auf einer Torflinse, die wiederum mit den aktuellen klimatischen Bedingungen nicht ganz so gut zurechtkommt. Die Folge: Das hintere Mauerwerk sackt ab. Foto: Archiv
Klempenow.

Nachdem lange Ärger und vor allem Enttäuschung die Gefühle von Pastor Christian Bauer beherrscht haben, bestimmt immer stärker die Zuversicht seine Seelenlage. Bauer ist Pfarrer des Kirchenverbundes Hohenmocker-Daberkow, wozu auch die Kirchengemeinde Klempenow gehört. Die ereilte im September eine schlimme Botschaft: Der Kirchenkreisrat des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises hatte mitgeteilt, dass er keine Möglichkeit sieht, die Sanierung des Kirchleins in Klempenow zu unterstützen und empfahl sogar, diese aufzugeben. Das Gremium sah angesichts der enormen Kosten, die dafür aufgebracht werden müssten, keine Chance der Unterstützung. Ein Gutachten beziffert die Kosten für eine Rettung der Kirche auf mindestens 700.000 Euro.

Die Kirche neigt sich sichtbar in Richtung Landesstraße, das hintere Mauerwerk sackt ab. Seit Ende 2017 gilt deshalb für das Gotteshaus: „Betreten verboten“. Ein Gutachter hatte herausgearbeitet, dass die Kapelle in der Nähe des Flussbettes der Tollense auf einer Torflinse steht, die von den aktuellen klimatischen Entwicklungen stark beeinflusst wird. Der Baugrund ist in Bewegung. Mal waren die letzten Jahre zu nass, mal viel zu trocken (Nordkurier berichtete).

Teil des historischen Ensembles um Burg Klempenow

„Dabei hatten wir in der Situation Schützenhilfe erwartet. Dass nicht viel Geld kommt, was uns klar“, sagte Bauer, „dass aber gar nichts kommt, ist ein schlechtes Signal nach außen.“ Die Gemeinde habe indes überhaupt keine Lust, das feine Kirchlein, dessen letzte Sanierung 2000 beendet wurde, aufzugeben. Die Basis rührt sich. Hier und da stellen Christen schon Spendentöpfchen auf und machen in Flyern auf die Situation aufmerksam.

Die Kirche müsse auch künftig Teil des historischen Ensembles um Burg Klempenow bleiben. Werde sie herausgenommen, werde im Gesamtbild eine große Wunde entstehen. Das wolle niemand in der Kirchengemeinde. „Die Kirche gehört uns, wir entscheiden, was damit passiert. Ich kann weder als Pastor noch persönlich damit leben, sie aufzugeben. Ich habe Hoffnung, dass wir bessere Lösungen finden werden“, sagt Pfarrer Bauer. Und weiß dabei einen starken Kirchengemeinderat und einen aktiven Förderverein neben sich.

180 Kilo schwere Glocke soll hängen bleiben

Bauer hat seine Fühler schon mal ausgestreckt und fachmännischen Rat gesucht. Ein Fachmann war sogar vor Ort, um die Kapelle selbst in Augenschein zu nehmen. Er kam zum Schluss, so Bauer, dass die Summe für die Sanierung gar nicht so sehr im Millionenbereich anzusiedeln sei. Das mache allen Mut.

Auf jeden Fall werde jetzt nicht mehr der Kirchturm abgenommen, wie vom Kirchenkreisrat als Sicherungsmaßnahme angedacht und empfohlen wurde. Und auch die 180 Kilogramm schwere Glocke bleibt hängen, sagt der Kirchenmann. Wenn Kirchen aus Sicherheitsgründen aufgeben werden müssten, dann gehöre die Klempenower keinesfalls dazu. „Da fallen mir eher andere ein“, zeigt sich Bauer tatenlustig.

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