Kooperation mit den Stadtwerken

Geteiltes Auto braucht Starthilfe

In anderen Städten wird Carsharing von Tausenden Menschen genutzt. In Neubrandenburg allerdings ist die gemeinschaftliche Nutzung von Autos noch ein zartes Pflänzchen. Dass sich das bald ändert, ist nicht nur im Sinne des Anbieters.

Stell dir vor, du kommst mit dem Zug verspätet am Bahnhof an und dein letzter Anschluss-Bus ist weg. Stell dir vor, du hast kein Auto, willst aber ein Regal im Möbelhaus kaufen. Es gibt viele Gründe, Carsharing zu nutzen, also ein Auto mit anderen zu teilen.

Allerdings: Was in anderen Städten längst ein Erfolgsmodell ist, spricht sich in Neubrandenburg offensichtlich nur sehr langsam rum. Der Autovermieter City-Car bietet Carsharing bereits seit 2012 in Greifswald und Neubrandenburg an. Während die Flotte aber in der Hansestadt schon auf rund zehn Fahrzeuge gewachsen ist, kam man hier über zwei Autos, die am Bahnhof auf ihre Nutzer warten, noch nicht hinaus. Lediglich zwölf eigene Kunden konnte das Unternehmen in Neubrandenburg gewinnen, dazu kommen Nutzer, die die Autos beispielsweise über das Buchungssystem der Bahn oder über die Bundeswehr buchen.

Kooperation im Interesse beider Seiten

„Um das Angebot der Bevölkerung näher zu bringen, braucht man Multiplikatoren“, weiß Geschäftsführer Thomas Leuckfeld – und die hat er in der Stadt und den Stadtwerken mit ihren Verkehrsbetrieben gefunden.

Scheinbar war nicht viel Überredungskunst nötig, denn die Kooperation liegt im Interesse beider Seiten. Die Stadt ist nicht erst seit dem Mobilitätsforum im Frühjahr auf der Suche nach der Fortbewegung der Zukunft. Ein Fahr-Rat, der sich vor allem mit dem Thema Fahrrad befassen soll, ist bereits gegründet. Im November solle ein Gremium folgen, das sich vor allem dem Bahnhof als Knotenpunkt in Sachen Mobilität widmet, kündigte Bürgermeister Silvio Witt (parteilos) bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages an. Carsharing sei ein „kleiner Baustein in der Mobilität“, den die Stadtwerke mit ihren Möglichkeiten begleiten können, meinte Geschäftsführer Ingo Meyer, der das Angebot nicht als Konkurrenz, sondern als gute Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr sieht.

So soll das Carsharing beispielsweise in den Stadtbussen und auf Flyern mit beworben werden. Mit Start der Kooperation am 1. Oktober führt City-Car ein neues Tarifsystem ein, beispielsweise entfällt der monatliche Grundpreis und die Anmeldegebühr für Neukunden reduziert sich auf 20 Euro, wovon 10 Euro Startguthaben sind. Wer sich im Internet registriert hat, kann seine Kundenkarte nicht nur bei dem Vermieter, sondern auch in den neu.sw-Kundenbüros in der Turmstraße oder am Busbahnhof abholen.

Vielleicht, so die Hoffnung, könne manche Familie damit wenigstens aufs zweite oder dritte Auto verzichten. „Ich muss kein Auto haben, aber über eins verfügen können“, zeichnet Thomas Leuckfeld seine Vision und hofft, dass bald an vielen Stellen in Neubrandenburg Carsharing-Autos stationiert sind.

Anke Brauns

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