MORDFALL TORGELOW

Getötete Leonie: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Awo-Mitarbeiterin

Im Prozess um die getötete Leonie aus Torgelow sagte eine Mitarbeiterin der Jugendnotfallhilfe ausführlich aus. Die Staatsanwaltschaft wird nun auch gegen sie ermitteln.
Gerald Bahr Gerald Bahr
Andreas Becker Andreas Becker
Oliver E., der leibliche Vater von Leonie. Am Dienstag sagte eine Awo-Mitarbeiterin, die für das Jugendamt tätig ist, vor Gericht aus.
Oliver E., der leibliche Vater von Leonie. Am Dienstag sagte eine Awo-Mitarbeiterin, die für das Jugendamt tätig ist, vor Gericht aus. Archivbild Andreas Becker
Neubrandenburg.

Für eine Awo-Mitarbeiterin, die für das Jugendamt tätig ist, begann der Mordprozess im Fall Leonie aus Torgelow am Dienstag mit einer Hiobsbotschaft. Auch gegen sie werde jetzt ermittelt, und zwar wegen Verletzung der Fürsorgepflicht.

Sie war in Leonies Todesnacht im Januar dieses Jahres in der Wohnung in Torgelow, verließ den Tatort nach Aussage von Polizisten aber wieder, ohne sich die kleinen Jungen Noah-Joel und Jonathan anzuschauen. Und das, obwohl auch Noah-Joel – ebenso wie die kurz zuvor verstorbene Leonie – heftige und sichtbare Verletzungen aufwies.

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Stiefvater als sehr aggressiv beschrieben

David H. wurde ihr gegenüber zwischenzeitlich laut und aggressiv, sagte sie am Dienstag vor Gericht. Er habe sich aber beruhigt, nachdem ihm zugeredet wurde. So aufbrausend beschrieben ihn auch schon Polizisten und die Rettungskräfte. Die Awo-Mitarbeiterin war laut ihrer Aussage nicht in der Wohnung, um ihm und der Mutter Janine Z. die noch lebenden Kinder im Auftrag des Jugendamtes wegzunehmen.

Ihre Annahme sei gewesen, sicherzustellen, dass die Kinder nach einem Unfall versorgt werden können, nicht eine Familie zu zerreißen. Dass H. sehr aggressiv und aufgebracht war, sei für sie aber nach dem Tod seines Kindes – zu diesem Zeitpunkt wusste sie noch nicht, dass er nicht der leibliche Vater ist -, durchaus nachvollziehbar.

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Mutter und Kinder nicht einmal gesprochen

Ein totes Mädchen, Polizei und Rettungskräfte in der Wohnung, eine Notfallseelsorgerin – bei dem Trubel habe die Awo-Mitarbeiterin nicht die Mutter und die beiden lebenden Kinder, die sich zusammen im Schlafzimmer der Wohnung befanden, untersucht beziehungsweise mit ihnen gesprochen.

„Ich verließ mich auf die Aussage der Notfallseelsorgerin, dass die Mutter mit ihren Kindern im Bett liegt und sich um sie kümmert”, sagte sie am Dienstag. Sie betonte mehrmals, dass sie bei dem Todesfall der kleinen Leonie von einem Unfall ausging, wie es auch im Notruf hieß.

Der Austausch mit der Polizei und der Notfallseelsorge war gut und ausführlich, betonte sie. Erst nach Absprache habe sie die Wohnung in der Todesnacht verlassen. Es gab noch einen weiteren Fall, den sie für das Jugendamt bearbeiten müsste, sie sei im Notfall aber erreichbar, sagte sie.

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Lebte Leonie beim Notruf noch?

David H. ist wegen Mordes durch Unterlassen und Misshandlung in mehreren Fällen angeklagt. Er sagte in den Vernehmungen zuvor jedoch aus, dass Leonie an den Folgen eines Treppensturzes gestorben sei. Daran gibt es erhebliche Zweifel durch Aussagen von Polizisten, einem Notarzt und Rettungssanitätern sowie der Spurensicherung. Ebenfalls fragwürdig ist, ob Leonie überhaupt noch lebte, als H. den Notruf wählte. Ohnehin soll der Angeklagte erst viel zu spät Hilfe gerufen haben – um die Tat zu verdecken, so ein Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Die Mutter von Leonie sagte am Montag unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus, dass H. auch sie daran gehindert habe, Hilfe zu holen. Allerdings wird in einem anderen Verfahren auch gegen sie wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen ermittelt.

Video-Kommentar: ▶ Was wusste die Mutter von Leonie?

 

 

 

 

 

 

 

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