EXPERTIN WARNT

Giftige Champignons wachsen zahlreich in der Seenplatte

Der feuchte Herbst beschert den Pilzsammlern eine hervorragende Ausbeute. Doch Vorsicht: Es sprießen auch Exemplare, die einem wahrlich nicht gut bekommen.
Petra Bonin zeigt zwei Exemplare des giftigen Karbolchampignons.
Petra Bonin zeigt zwei Exemplare des giftigen Karbolchampignons. Thomas Beigang
Der Karbolchampignon kann bei Verzehr heftige Verdauungs-störungen verbunden mit Übelkeit und Erbrechen erzeugen.
Der Karbolchampignon kann bei Verzehr heftige Verdauungs-störungen verbunden mit Übelkeit und Erbrechen erzeugen. NK-Archiv
Neubrandenburg.

Wer jetzt am Wochenende in die Pilze geht, sollte ein ganz genaues Auge auf seine Ausbeute werfen. Die Pilzsachverständige beim Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, Petra Bonin, warnte vor einem Massenvorkommen an Karbolchampignons, auch Gift-Egerling genannt, in den hiesigen Gefilden.

Petra Bonin musste nach eigenen Angaben zu Beginn der Woche mehrfach im Neubrandenburger Klinikum Pilze begutachten, welche Leute gegessen hatten: „Das waren aber keine Speisepilze.“ Eine Ursache für die Vergiftungen der Leute, welche der Expertin zufolge alle ohne größere Schäden abliefen, waren Karbolchampignons.

Die Champignons wachsen überall

Die Sachverständige möchte die Bevölkerung nun vor diesen Pilzen warnen. Sie wachsen an Heckenrändern, auf Wiesen, an Spielplätzen, in Gärten und „oft auch dort, wo bisher nie Pilze waren“. „Der Karbolchampignon stellt keine Ansprüche an den Boden, und weil es gut geregnet hat, wächst er eben überall“, sagte Petra Bonin. Er wächst in Hexenringen von zwei bis fünf Metern, oft Hunderte von Fruchtkörpern, die sogar übereinander wachsen. „Die essbaren Wiesen-, Stadt-, Schaf- oder Anischampignons würden nie in diesen Massen und so konzentriert vorkommen“, sagte die Fachfrau.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal: Die „Karbolis“ haben rosa bis kaffeebraune Lamellen, die Hüte sind oft reinweiß, sie haben allerdings nicht immer den typischen Karbolgeruch nach Filzstift oder Desinfektionsmittel. „Aber das untrügliche Zeichen ist die Chromgelbfärbung des Stieles im Schnitt, der auch häufig ganz unten in der Basis ein wenig ‚abgeknickt‘ ist“, führte Petra Bonin an. Wenn man auf dem Hut mit dem Messer ein paar „Kratzer“ mache, werden diese chromgelb. Dabei handele es sich um eine chemische Reaktion, nach deren Abschluss sich die Stelle braun verfärbt.

Häufig heftiger Durchfall und Erbrechen

Die Symptome der Vergiftung sind den Angaben zufolge heftige Magen-Darm-Probleme, die „nach oben und besonders nach unten“ ihre Auswirkungen haben, wie die Pilzexpertin erläuterte. Der Karbolchampignon erzeuge aber nicht bei allen Personen heftige Verdauungsstörungen verbunden mit Übelkeit und Erbrechen. „Alkohol kann diese Reaktionen noch verstärken.“ Wer sich unsicher über seinen Fund ist, sollte eine Pilzberatung aufsuchen.

Die Sprecherin des Dietrich-Bonhoeffer-Klinkums, Anke Brauns, bestätigte dem Nordkurier, dass in diesem Herbst bisher mehrere Menschen mit Pilzvergiftungen hätten behandelt werden müssen, einer der betroffenen Patienten sei stationär aufgenommen worden, habe aber inzwischen wieder entlassen werden können.

Wer den Verdacht einer Pilzvergiftung hat, sollte umgehend einen Arzt aufsuchen und von der Pilzmahlzeit so viele Putzreste wie möglich mitbringen, damit die Arten der gegessenen Pilze durch einen Pilzsachverständigen bestimmt werden können, riet die Sprecherin. „Wie sich eine Pilzvergiftung äußert, kann man nicht generell sagen, die Symptomatik ist je nach Pilzart verschieden.“ Häufig würden aber zunächst Beschwerden ähnlich denen eines Magen-Darm-Infektes auftreten.

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