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Begegnung beim Vier-Tore-Fest

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Glasperlenspiel im Interview

Carolin Niemczyk und Daniel Grunenberg: Zusammen sind sie das Duo „Glasperlenspiel“.
Carolin Niemczyk und Daniel Grunenberg: Zusammen sind sie das Duo „Glasperlenspiel“.
Charlott Resske

Ihre aktuelle Single „Nie vergessen“ stürmt die deutschen Charts und ist oft im Radio zu hören. Ein echter Ohrwurm. Vor ihrem Auftritt beim Vier-Tore-Fest nehmen sich Carolin Niemczyk und Daniel Grunenberg, bekannt als Duo „Glasperlenspiel“, Zeit für ein Interview mit Charlott Resske.

Seit ihr 2011 angefangen habt, ist viel passiert. Heute spielt ihr vor vielen Menschen. Bei Facebook habt ihr beinahe 90000 Fans. Könnt ihr euch noch an euren allerersten Auftritt erinnern?

Carolin: Oh.. (Beide gucken sich an, lachen und schwelgen in Erinnerungen). Nachdem ich eine Demo-CD in Daniels Briefkasten geworfen habe, bin ich mit 13 Jahren in seine Band gekommen. Seitdem machen wir gemeinsam Musik. Das erste Mal, dass wir dann zusammen aufgetreten sind, war bei einem Stadtfest. Und ich war so mega-aufgeregt, weil ich ganz neu in der Band war.

Daniel: So was ähnliches wie das Vier-Tore-Fest war also auch unser Anfang. Nur etwas kleiner. Und wir haben viel früher gespielt, nicht als Hauptakt am Abend. Um 12 Uhr mittags. (lacht) 

Euer Weg vom Newcomer-Status bis in die Top 10 der deutschen Charts war recht kurz. Wie war das möglich und was habt ihr für euren Erfolg getan?

Daniel: Wir haben kontinuierlich daran gearbeitet. Eigene Songs geschrieben, an etlichen Wettbewerben teilgenommen und alle Auftritte mitgenommen. Wir wollten, dass die Menschen auf uns aufmerksam werden. 2010 war es dann so weit und die Labels entdeckten uns tatsächlich. So kam eins zum anderen. Und dann ging alles wirklich sehr schnell. Nachdem wir 2011 beim Bundesvision Songcontest spielten, ging es steil bergauf. Eigene Touren gespielt, ausverkaufte Häuser. Einfach toll.

Zwei Jungs aus Neubrandenburg werden dieses Jahr beim Bundesvision Songcontest Mecklenburg-Vorpommern vertreten. Welche Chancen bietet so eine Plattform?

Carolin: Der Wettbewerb war für uns das Sprungbrett zum Erfolg. Durch so eine große TV-Show werden viele auf einen aufmerksam. Wir haben dort den vierten Platz gemacht und ihn gefeiert wie den ersten. Wir hätten niemals mit so einer guten Platzierung gerechnet. Newcomer-Wettbewerbe bieten gute Möglichkeiten für junge Bands.

Ihr habt euer Duo nach Hermann Hesses Buch „Das Glasperlenspiel“ benannt. Gibt es da einen besonderen Hintergrund?

Daniel: Die Namensgebung war ein Teil des Entwicklungsprozesses, als Caro und ich angefangen haben uns als Duo zusammen zu tun. Die anderen Bandmitglieder wollten studieren.

Carolin: Wir sagen immer, die wollten was Bodenständiges. Nur wir zwei sind geblieben.

Daniel: Genau. Und dann waren wir auf der Suche nach etwas, was uns auszeichnet, was die anderen nicht haben. Da sind wir auf die Idee gekommen, ein eigenes Instrument zu bauen. Das ist dann so eine Art elektronisches Glockenspiel geworden. Dafür brauchten wir noch einen Namen. Da sind wir auf Hesses Buch gestoßen. Wir fanden den Titel schön und passend für unser Instrument. Das Buch war aber auch insgesamt sehr inspirierend. Da gibt es zum Beispiel ein Zitat: „Mit dem Glasperlenspiel ist alles möglich.“ Mit unserem Glasperlenspiel wollen wir auch alles möglich machen.

Ihr produziert als Duo eure Lieder. Wie viel Carolin und viel weil Daniel steckt tatsächlich in den Songs? Gibt es eine Rollenverteilung?

Carolin: Ich bin für den textlichen Part zuständig. Der typische Mädchenpart. (Grinst etwas verlegen) Daniel produziert die Lieder. Damit kann ich gar nichts anfangen, weil’s mir viel zu technisch ist. Wenn wir dann die Songs schreiben, habe ich schon ein Thema, eine Strophe oder ein Refrain. Am Klavier oder an der Akustikgitarre arbeiten wir die Lieder dann gemeinsam aus. Es steckt also immer ganz viel Carolin und ganz viel Daniel in den Songs.

Euer aktuelles Album „Grenzenlos“ ist sehr erfolgreich. Doch was hat es mit dem Namen auf sich? Welche Grenzen habt ihr hinter euch gelassen?

Daniel: Das war genau der Gedanke, warum wir auch das Album so genannt haben. Zum zweiten Album wollten wir noch einen Tick weiter gehen und uns selber gar keine Grenzen setzen mit Musikrichtungen. Deshalb haben wir mit vielen verschiedenen Leuten zusammen gearbeitet. HipHopper waren dabei, aber auch viele Dubstup- oder Minimal-Produzenten. Die waren für unser Genre ja gar nicht üblich. So wollten wir das gesunde Update erreichen. Mit dem Album wollen wir ein bisschen mehr träumen. Nur so können höhere Ziele angestrebt werden und sich schließlich neue Türen öffnen.  

In eurer Jugend habt ihr in der Kirchen-Pop-Band „Crazy Flowers“ aber auch über kirchliche Themen gesungen. Sind eure Songs heute immer noch mit dem christlichen Glauben zu verbinden?

Caro: Das stimmt. Wir sind damals oft in der Kirche aufgetreten und haben kirchliche Lieder gespielt. Die christlichen Werte sind uns auch heute noch sehr wichtig. Ehrlichkeit, Freundschaft, Familie – vieles ist von der Zeit hängen geblieben und wurde uns auf unseren Weg mitgegeben.

Früher haben Schülerbands Lieder von den Red Hot Chili Peppers oder Nirvana gecovert. Heute hingegen singen Jugendliche oft auf Deutsch. Was denkt ihr: Was macht den Reiz der deutschen Sprache aus?

Daniel: (Daniel und Carolin fangen an laut zu lachen) Ganz einfach: Als wir angefangen haben selber Songs zu schreiben, war unser Englisch viel zu schlecht. Deutsch war und ist die Sprache in der wir uns sehr gut ausdrücken können. Die deutsche Sprache ist auch eine coole Sprache und man sollte sich trauen sie zu singen, ohne das es gleich nach Schlager klingt. Das ist der Anreiz dabei – kreativ sein.

Welche Musik befindet sich eigentlich auf euern MP3-Playern?

Caro: Ich höre auch viel deutschsprachige Musik. Ich mag beispielsweise total gerne das Album „Stadtaffe“ von Peter Fox. Das ist wirklich richtig cool. Gestern haben wir vor Jennifer Rostock gespielt. Die Musik von ihr ist auch super.

Daniel: Ich habe tatsächlich gerade das aktuelle Album von Elli Goulding auf meinem iPhone – das sind ja heute keine MP3-Player mehr (lacht). Das ist ein super Album und eine großartige Künstlerin. Allgemein haben uns viele Bands aus Großbritannien inspiriert.

Ihr seid beide in einer Kleinstadt aufgewachsen. Sucht ihr heute eher die Weite in Großstädten oder sind euch kleinere Städte – ähnlich wie Neubrandenburg – immer noch lieber?

Caro: Wir nehmen beides mit und das ist toll. Unsere Plattenfirma ist in Berlin und deshalb haben wir dort jetzt ein kleines Zuhause. Dennoch ist unsere Heimat bei uns am Bodensee. Dort ist es sehr dörflich. Wir genießen die Idylle um Kraft zu tanken. Beide Welten sind wichtig.

Ist das euer erster Besuch in Mecklenburg-Vorpommern?

Carolin: Wir waren hier schon mal. Sehr schöne Gegend.

Und in Neubrandenburg?

Daniel: Hier haben wir noch nie gespielt. Wir sind sehr gespannt auf die Neubrandenburger. Die Leute hier sollen sehr offen sein und Spaß an Live-Musik haben. Das Vier-Tore-Fest ist sicherlich sowieso ein Highlight für die Leute. Schön, dass wir dabei sind.