TAG DES OFFENEN DENKMALS

Glocken-Premiere für die alte Rathausuhr

Mit dem Umbau des Rathauses wurde das historische Uhrwerk durch ein Funk-Exemplar ersetzt und lag seitdem 15 Jahre auf dem Dachboden. Zwei Hobbybastler haben sich der Rarität angenommen.
Gemeinsam mit ihren Ehefrauen haben Dr. Wolfgang Höhne (links) und Stefan Haak die über 150 Jahre alte Rathausuhr wi
Gemeinsam mit ihren Ehefrauen haben Dr. Wolfgang Höhne (links) und Stefan Haak die über 150 Jahre alte Rathausuhr wieder funktionstüchtig gemacht. Am Sonntag kann sie von 14 bis 16 Uhr in der Vereinsetage besichtigt werden. ZVG
In dieser Woche haben Mitglieder des Heimatvereins die St. Georg Kapelle auf dem städtischen Friedhof gründlich gereinigt, damit die Besucher zum Tag des offenen Denkmals einen Blick hinein werfen können.
In dieser Woche haben Mitglieder des Heimatvereins die St. Georg Kapelle auf dem städtischen Friedhof gründlich gereinigt, damit die Besucher zum Tag des offenen Denkmals einen Blick hinein werfen können. Tobias Holtz
Zur Restaurierung musste das Uhrwerk komplett in Einzelteile zerlegt werden.
Zur Restaurierung musste das Uhrwerk komplett in Einzelteile zerlegt werden. Tobias Holtz
Am 30. Mai 1982 fand in der kleinen Kapelle der letzte Gottesdienst statt.
Am 30. Mai 1982 fand in der kleinen Kapelle der letzte Gottesdienst statt. Tobias Holtz
Altentreptow ·

Über 100 Arbeitsstunden haben Stefan Haak und Dr. Wolfgang Höhne vom Treptower Kultur- und Heimatverein gemeinsam mit ihren Ehefrauen in den vergangenen Monaten investiert, um die historische Rathausuhr wieder zum Laufen zu bringen. Obwohl das Uhrwerk vermutlich noch aus der Zeit der Einweihung des heutigen vierten Rathauses um 1868/69 stammt, wies es bis auf das verbogene Blech eines Windflügels erstaunlicherweise funktionstechnisch keine Schäden auf. „Aber für die Restaurierung mussten wir es trotzdem einmal komplett zerlegen. Allein das gründliche Reinigen und Aufpolieren der Einzelteile nahm schon viel Zeit in Anspruch“, erinnert sich Höhne an die Anfänge des Projekts.

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Hilfe aus Nordrhein-Westfalen

Doch ohne fachmännische Unterstützung hätten es selbst die beiden versierten Hobby-Bastler, die im Vorjahr schon der alten Kirchturmuhr von St. Petri neues Leben einhauchten, nicht geschafft. Denn das Läutewerk der Rathausuhr war nicht mehr auffindbar. Mit der Firma M. Burmeister aus dem nordrhein-westfälischen Eslohe konnten die Altentreptower aber einen Partner gewinnen, der auf mechanische Turmuhren spezialisiert ist. Für das Viertelstunden- und Stundenschlagwerk mussten zwei Glocken unterschiedlicher Tonhöhe neu gegossen werden. Bei den Hämmern konnte auf historische Bauteile zurückgegriffen werden. Auch den fehlenden großen Zeiger für das Ziffernblatt und die Pendelfeder haben die Experten möglichst originalgetreu nachgebaut. Die abhanden gekommene Pendelstange aus Holz und die Feinstellung der Linse stellten Haak und Höhne hingegen in Eigenleistung her.

Uhr läuft wieder tadellos

Die ganze Mühe hat sich auf jeden Fall gelohnt. Einmal aufgezogen, verrichten Zahnräder und Co. zuverlässig ihren Dienst. „Die Uhr läuft wieder tadellos“, freut sich Höhne über das Ergebnis. Doch wie muss man so ein technisches Wunderwerk überhaupt einstellen, damit es im richtigen Takt schlägt? Eine Drehschraube am Pendel regelt das. Damit wird die Linse am Pendel nach oben oder unten bewegt. Ist sie weiter oben, geht die Uhr schneller, weiter unten langsamer. Also alles eine Frage der Physik und des Fingerspitzengefühls, bereits der Bruchteil einer Drehung kann hier genügen. Zuletzt lag die Zeitdifferenz in einer Stunde bei etwa vier Sekunden, das summiert sich mit der Zeit natürlich, weiß Höhne. „Das lässt sich aber noch genauer einstellen. Sie soll ja in Zukunft nicht dauerhaft, sondern nur zu Vorführungszwecken laufen.“

Besichtigung zum Tag des Offenen Denkmals

Um die historische Rathausuhr in der oberen Vereinsetage der roten Schule gebührend präsentieren zu können, fehlte bis vor einiger Zeit allerdings noch ein geeigneter Rahmen. „Wir hatten dafür auf eine Finanzspritze von der Sparkassenstiftung gehofft, was sich leider nicht erfüllt hat. Trotzdem konnten wir dank weiterer Spenden, die bei uns eingegangen sind und Geldern aus der Vereinskasse das erforderliche Gestell von der Altentreptower Metallbaufirma Kunkel doch noch anfertigen lassen“, erklärt der Vereinsvorsitzende Detlef Klage. Insgesamt hätte die Realisierung des Projekts rund 1900 Euro gekostet. Zum morgigen Tag des Offenen Denkmals gibt es erstmals die Gelegenheit, das Schmuckstück in der Zeit von 14 bis 16 Uhr zu besichtigen. „Das neue Läutewerk wird jedenfalls nicht zu überhören sein“, meint Höhne augenzwinkernd.

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