Stadtentwicklung

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Große Pläne für kleine Wiekhäuser in Neubrandenburg

Die Nutzung der Wiekhäuser ist nicht ganz unproblematisch, heißt es im Neubrandenburger Rathaus. Denn Nebenfunktionen wie Müllentsorgung oder Parken sind nicht leicht zu gewährleisten.    
Die Nutzung der Wiekhäuser ist nicht ganz unproblematisch, heißt es im Neubrandenburger Rathaus. Denn Nebenfunktionen wie Müllentsorgung oder Parken sind nicht leicht zu gewährleisten.
Jörg Franze

Die 23 Wiekhäuser in der Neubrandenburger Stadtmauer weisen zum Teil erheblichen Sanierungsbedarf auf. Für die Stadt allein eine zu große Aufgabe.

Wie an einer Perlenkette sind sie teilweise aufgereiht, die Wiekhäuser in Neubrandenburgs Stadtmauer. Doch so manche Perle hat mit den Jahren mächtig an Glanz verloren. Allein in der 5. Ringstraße zwischen Boulevard und Friedländer Tor sind gleich zwei dieser „Sorgenkinder“ zu entdecken. Die Häuser 52 und 55 machen einen bedauernswerten Eindruck. Abgeplatzter Putz und schief stehende Balken fallen ins Auge.

Nicht das einzige Problem, das die Stadt in ihrer neuen Wiekhaus-Konzeption aufführt, die jetzt den Stadtvertretern vorgestellt wurde. Und vor allem ein Sanierungskonzept sein soll, um dem Verfall und zunehmenden Leerstand zu begegnen. Von derzeit 23 Wiekhäusern seien fünf nicht mehr vermietet. Und bevor man wieder neue Interessenten finden könne, müssten die Gebäude erst einmal in einen vernünftigen Zustand versetzt werden.

Fördermittel sollen helfen

Aber zumindest für zwei der leeren Kandidaten deutet sich Abhilfe an, erklärte Frank Renner, Fachbereichsleiter für Stadtplanung im Neubrandenburger Rathaus. Mit Hilfe von Fördermitteln will die Stadt die Häuser 13 und 52 auf Vordermann bringen. Und es gebe bereits Interessenten, deutete Renner an. Einmal sei eine gastronomische Nutzung, an anderer Stelle eine gewerbliche im Gespräch.

Mit der Aufgabe, den Verfall zu stoppen und die Häuser wieder aufzupolieren, sei die Stadtkasse allein aber überfordert, machte Renner deutlich. Die vom Rathaus vorgelegte Konzeption soll deshalb vor allem eine Orientierungshilfe für private Interessenten bilden: Wo gibt es Möglichkeiten, Wiekhäuser zu nutzen? Was darf dort gemacht werden? Und wie kann man sicherstellen, dass ein ausreichender Teil der Häuser öffentlich zugänglich bleibt? Zudem sei klar, dass die Stadt das denkmalgeschützte Ensemble nicht veräußern wolle, sondern Investoren einzelne Objekte nur im Zuge des Erbbaurechts an die Hand bekommen würden. Das Konzept liefere dafür den Rahmen.

Auch Neubauten sind möglich

Man habe keine Vorgaben für einzelne Häuser definieren wollen, sondern hat Zonen ausgewiesen – für vorwiegend touristische, gewerbliche, wohnliche oder gastronomische Nutzung. „Das bedeutet nicht, dass in einem Bereich nichts anderes möglich ist. Aber wir werden nicht jede Nutzungsform an jedem Standort garantieren können“, so Renner. Denn die Bauart der Häuser, Denkmalschutzkriterien und der fehlende Platz für wichtige Nebenfunktionen wie Müllentsorgung oder Parken würden bestimmte Grenzen setzen.

An einigen Stellen, vorrangig im südlichen Bereich der Stadtmauer, sieht das Konzept sogar Plätze vor, an denen einstmals Wiekhäuser standen und wieder neu, zum Beispiel als Wohnhaus, gebaut werden könnten. Aber natürlich werde dies nicht ohne Vorgaben in Bezug auf Höhe oder zu verwendende Materialien gehen, machte Frank Renner deutlich.

Man wolle bei Sanierung oder Neubau aber zumeist erst dann aktiv werden, wenn es Ideen und potenzielle Nutzer gebe, ergänzte OB-Stellvertreter Peter Modemann. Doch wie starr insbesondere die Denkmalschutz-Zwänge ausgelegt werden müssen, war eines der Themen, bei denen einige Stadtvertreter noch Diskussionsbedarf sehen. Um private Geldgeber zu gewinnen, die je nach Sanierungsstau 150.000 bis 300.000 Euro in ein Wiekhaus investieren, müsse man Möglichkeiten zur Entwicklung bieten, hieß es.