ES WIRD IMMER MEHR

Große Wut über Müll am Tollensesee

Dreck, Scherben, Brandspuren und geklautes Inventar. Was sich am Wochenende wieder alles an den Ufern des Tollsensesees angesammelt hat, geht über die berühmte Hutschnur. Selbst die Abfall-Experten sind nahe dran, die Flinte ins Korn zu werfen.
Thomas Beigang Thomas Beigang
An allen Ecken und Enden am Brodaer Strand häufen sich die Müllberge.
An allen Ecken und Enden am Brodaer Strand häufen sich die Müllberge. Thomas Beigang
Der verdreckte und zugemüllte „Seebalkon“ am Ufer des Tollensesees.
Der verdreckte und zugemüllte „Seebalkon“ am Ufer des Tollensesees. Dieter Stegemann
Neubrandenburg.

Viele ärgern sich nur und sind wütend – einige wenige müssen alles ausbaden. Am zeitigen Montagvormittag sind Bruno Franz Walker und Ewald Wisniewski in Broda am Strand unterwegs und zeigen sich angesichts der Müllmengen, die sie beseitigen müssen, nur entsetzt. Die Sache mit dem herumliegenden Müll werde ja grundsätzlich immer schwerer zu bewältigen, sagt Walker, der in seinem Leben schon viele Müllberge beräumt hat. „Aber das hier und heute ist die Krönung“. Die Männer haben erst wenige Meter Strand und Rasen beräumt – und schon stapeln sich auf ihrem Müllfahrzeug die vollen Säcke. „Wir müssen noch bis zum Augustabad und auch noch an den Reitbahnsee“, sagen die Fachleute für Müll und Dreck grimmig. Aber schon jetzt ist abzusehen, das Fahrzeug schafft nicht alles. So heißt es, zwischendurch zurück in den Betrieb und abladen. Der Chef der beiden, Ricardo Stange vom gleichnamigen Neubrandenburger Unternehmen, bestätigt die Tendenz: „Es wird tatsächlich immer schlimmer, die Mitarbeiter übertreiben nicht.“ Stange hat gerade erfahren, der Kulturpark, auch hier stapelt sich Müll, muss noch einen Tag länger in dem Zustand verharren: „Meine Leute schaffen es nicht, die sind mit dem Müll an den Seen völlig ausgelastet.“

Gerücht spricht von Abiturienten am Strand

Walker und Wisniewski zeigen in Broda noch, bevor sie alles in den Säcken verschwinden lassen, auf einen Spielplatz. Selbst hier Reste von Lagerfeuern und, wo eigentlich kleine Kinder spielen, jede Menge Flaschenscherben. Auch Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt zeigt sich fassungslos und schreibt bei Facebook: „Warum es Menschen Freude macht, Dinge zu zerstören oder anzuzünden und Müll fallen zu lassen, bleibt mir ein Rätsel.“

Am vergangenen Wochenende sollen besonders viele Abiturienten an den Neubrandenburger Stränden gefeiert haben, die in der vergangenen Woche ihren letzten Schultag absolvierten. Das sehe hier aber nicht so aus, als ob sich kluge Leute am Strand aufgehalten hätten, wundern sich die beiden Mitarbeiter der Firma Stange. Jetzt im Frühling zieht die kleine Aufräum- und Putzkolonne zwei Mal in der Woche an den Ufern entlang, um sauber zu machen. „Zu wenig“, denkt ihr Chef Ricardo Stange – bei dem schönen Wetter der vergangenen Tage und Woche und den vielen Besuchern der Strände. Erst in der Saison steht die tägliche Tour im Vertrag mit der Stadt. Stehen lassen müssen Walker und Wisniewski am Brodaer Strand zwei demolierte Einkaufswagen und ein kaputtes Fahrrad, das sie im Müll finden mussten – die drei Dinge werden bei der zweiten Tour aufgeladen.

Kritik wird im Internet laut am städtischen Ordnungsamt. Wenn die Behörde hier so einfallsreich wäre, wie bei der Ahndung von Falschparken in der Innenstadt, könnte das Problem sicher um einiges eingedämmt werden, heißt es.

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Kommentare (1)

Es wird aber auch immer schwieriger, einen Papierkorb/Mülleimer zu finden. Und wenn, dann quellen die meist über. Das ist sicher nur ein Detail und löst nicht das Gesamtproblem.