Steuergeld

Großer Stein in Altentreptow wird zum Skandal in TV-Show

In einer neuen TV-Sendung wurde Altentreptow für die Hebung des Großen Steins scharf angegangen. Denn die Stadt würde nach Meinung von RTL überhaupt nicht daran denken, ihr Alleinstellungsmerkmal zu vermarkten.
Moderatorin Ilka Bessin.
Moderatorin Ilka Bessin. Henning Kaiser
Wenn es nach RTL geht, müsste es am Großen Stein einen festen Imbiss und eine separate Bushaltestelle für Tour
Wenn es nach RTL geht, müsste es am Großen Stein einen festen Imbiss und eine separate Bushaltestelle für Touristen geben, wie diese Bildmontage des Senders zeigt. Screenshot/TVNOW
Für 1 Euro pro Stück versuchte RTL-Außenreporter Thorsten Bär den Großen Stein im Miniaturformat al
Für 1 Euro pro Stück versuchte RTL-Außenreporter Thorsten Bär den Großen Stein im Miniaturformat als Souvenir zu verscherbeln. Screenshot/TVNOW
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Screenshot_2021-11-18-09-05-34-031_com.android.chrome.jpg Screenshot/TVNOW
Altentreptow

Keine Frage, der Große Stein von Altentreptow macht seinem Namen alle Ehre und ist gleich in mehrerer Hinsicht ein Findling der Superlative: 465 Tonnen schwer, Ausmaße wie ein Haus und mehr als eine Viertel Million Euro teuer. Doch so eindrucksvoll er auch sein mag, so umstritten bleiben die hohen Kosten für seine Hebung, die maßgeblich vom ehemaligen Bürgermeister Volker Bartl forciert wurde.

Der Privatsender RTL hat sich nun zum wiederholten Male auf den Eiszeit-Giganten gestürzt und Altentreptow an den Pranger gestellt. Produziert wurde der TV-Beitrag für die neue Verbraucher-Show „Echt jetzt?!“, die Ilka Bessin, vor allem bekannt durch ihre Bühnenrolle als Cindy aus Marzahn, moderiert. Gleich in der ersten Folge, die in dieser Woche lief, bekamen Verwaltung und Stadtvertreter in der Rubrik „Ach du liebes Amt!“ ordentlich ihr Fett weg.

„Der verlorene Hinkelstein von Obelix“

Altentreptow wurde als nahezu ausgestorbene Stadt dargestellt, die vom erhofften Touristendomizil meilenweit entfernt ist. „Denn außer dem verlorenen Hinkelstein von Obelix gibt es hier einfach nichts weiter zu sehen“, witzelte Bessins Comedy-Kollege und Außenreporter Thorsten Bär in die Kamera, während Drohnenaufnahmen den menschenleeren Klosterberg zeigten. Wohl nicht ganz zufällig tauchte dann noch Michaela Skott vom Bund der Steuerzahler am Riesenfindling auf, die das Projekt ebenfalls scharf kritisierte. Sie könne nicht nachvollziehen, warum die Stadt für den Stein jede Menge Steuergelder verschwendet hat, sich jetzt aber nicht darum bemühen würde, das sogenannte Alleinstellungsmerkmal entsprechend zu vermarkten. Die 263  700 Euro für die Hebung hätten ihrer Meinung nach lieber in vernünftige Bürgersteige, Fahrradwege, neue Spielplätze oder Kultur- und Freizeitangebote investiert werden soll. All das würde in und um Altentreptow fehlen. Deswegen seien die Kosten auch in keinster Weise gerechtfertigt. „Wenn wenigstens das Areal rund um den Stein einladend gestaltet wäre. Aber auch hier tut sich ja augenscheinlich nichts“, argumentierte Skott.

Stein im Miniformat als Souvenir angeboten

Damit das ausgegebene Geld wieder in die Stadtkasse kommt, versuchte Thorsten Bär einigen Passanten den Stein im Miniaturformat als Souvenir für einen Euro aufzuschwatzen. „Und das kommt wirklich der Stadt zugute?“, wollte eine ältere Dame wissen. „Aber selbstverständlich, sonst kümmert sich ja niemand darum“, log ihr der Außenreporter dreist ins Gesicht, worauf die ahnungslose Seniorin ihr Portemonnaie zückte.

Auch andere Besucher des Klosterbergs beteiligten sich an der „Spendensammlung“ des Senders. Ob die in der Show zu sehenden Leute ihr Geld anschließend wiederbekommen haben, war nicht zu ermitteln.

Stadt beklagt einseitige Darstellung in TV-Show

Im Rathaus ist von dem Souvenirerlös jedenfalls nichts angekommen. „Uns war überhaupt nicht bekannt, dass RTL hier für eine neue Sendung dreht. Es gab auch im Vorfeld keine Interviewanfragen, sonst hätte ich mich natürlich dazu positioniert“, macht Bürgermeisterin Claudia Ellgoth auf Nordkurier-Anfrage deutlich, dass sie die Stadt in ein schlechtes Licht gerückt sieht. Man bemühe sich schon lange um die Neugestaltung des Klosterbergs und treibe die Vermarktung der Stadt auf unterschiedlichste Weise voran.

Dass sich der Sender wieder nur den Aspekt der Steuerverschwendung herausgepickt habe, sei sehr bedauerlich. Es hätte genauso darüber gesprochen werden können, wie es nach der Hebung in den nächsten Jahren weitergehen soll. „Aber vermutlich wäre das für RTL nicht unterhaltsam genug gewesen“, kritisierte Ellgoth die aus ihrer Sicht einseitige Darstellungsweise.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Altentreptow

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Kommentare (6)

Guckt sowas noch jemand? Dass die bei sowas nur polemische Kacke bringen, ist doch vorher schon klar.
Man kann zum Thema Stein / Geldverschwendung sicher geteilter Meinung sein, aber von RTL (oder extra3) seriösen Journalismus dazu zu erwarten, ist doch echt unrealistisch.

Natürlich! Ist doch das beliebteste Bildungs-TV der Vorpommern!

Ich stimme völlig zu, von so einem Sender kann man nichts anderes erwarten!!!
War der Beitrag im Zusammenhang mit dem Bund der Steuerzahler im Frühjahr schon bemerkenswert, so ist das diesmal billige Suche im Kaffeesatz, ohne sich aktuell zu informieren, zu hetzen und sogar Bürger noch zu belügen, ja zu verarschen und dann noch vor die Kamera zu locken.
"Pfui Deibel!!! " hätte wohl auch mein Vater gesagt.
Auch ich war im Frühjahr recht zwiegespalten, sehe aber inzwischen nach der Technischen Meisterleistung der Hebung gute Ideen der weiteren Gestaltung im Plan der Stadt-Mütter und - Väter mit Verbesserung der Lebensqualität der Einwohner. Weniger Hoffnung habe ich allerdings in die Touristische Vermarktung.Das liegt aber m. E. nicht an dem fehlendem Engagement der Altentreptower.

Ich stimme völlig zu, von so einem Sender kann man nichts anderes erwarten!!!
War der Beitrag im Zusammenhang mit dem Bund der Steuerzahler im Frühjahr schon bemerkenswert, so ist das diesmal billige Suche im Kaffeesatz, ohne sich aktuell zu informieren, zu hetzen und sogar Bürger noch zu belügen, ja zu verarschen und dann noch vor die Kamera zu locken.
"Pfui Deibel!!! " hätte wohl auch mein Vater gesagt.
Auch ich war im Frühjahr recht zwiegespalten, sehe aber inzwischen nach der Technischen Meisterleistung der Hebung gute Ideen der weiteren Gestaltung im Plan der Stadt-Mütter und - Väter mit Verbesserung der Lebensqualität der Einwohner. Weniger Hoffnung habe ich allerdings in die Touristische Vermarktung.Das liegt aber m. E. nicht an dem fehlendem Engagement der Altentreptower.

Was erwartet man von RTL?
Den Stein der Weisen?
Doch wohl kaum!
Sicher kann man die Frage stellen, warum in Zeiten klammer Kassen, Nullzinsen, wachsender Sozialausgaben und Milliardenschulden mancher Kommunen ausgerechnet in Altentreptow, dem geografischen Mittelpunkt der Welt ein Stein von mehr als 460 Tonnen für mehr als 260 Tsd. Euro an die Erdoberfläche gehievt werden musste, wo doch in der gesamten Region schon soviele unbewältigte Steine des Anstoßes in ganz anderer Form sichtbar unbearbeitet "herumliegen".
Aber dass RTL nun der richtige Steinmetz ist um sich der Sache anzunehmen, kann man getrost auch bezweifeln.
Und auch, dass eine Berliner Pflanze die Mentalität und die vielleicht weit in die Zukunft reichenden, stillen aber umso genialeren Pläne der Norddeutschen in Altentreptow auch nur annähernd durchschaut und versteht.
Gut Ding will eben Weile haben. Die Berliner hätten natürlich sofort einen Plan, womöglich mehrere sogar.
Vielleicht hätten sie ja einen Stolperstein der Steuerverschwendung aus dem Eiszeitkoloss gemacht und seligen Angedenkens an die verplemperten Millionen vor dem BER drapiert?
Das wäre mal was!
Nur der Klotz, der uns Steuerzahlern ob dieser Jahrhundertpeinlichkeit schwer im Magen liegt, dürfte die 460 Tonnen und die 260 Tsd. Euro von Altentreptow bei Weitem überschreiten und die Übelkeit daraus wahrscheinlich bis zur nächsten Eiszeit anhalten...
Dann gibts neue Steine.
Aber das dauert noch, denn jetzt kommt ja erstmal eine Warmzeit...

Ich will den naturgeformten Stein sehen, nicht einen Teil davon in die Tasche stecken um ihn als Staubfänger zu nutzen. Am besten mit Tafeln wieso den die Eiszeit den nicht kleingehobelt hat. Zerschlagene Kieselsteine aller Couleur habe ich genug vor dem Haus. Dazu muss ich meinen Hintern nicht bewegen.