POLIZEI SUCHT WEITER

Hat der Neubrandenburger Wall das Unfallopfer verschlungen?

Noch kennt die Polizei nicht die Identität des Mannes, der vergangene Woche als Fußgänger auf dem Neubrandenburger Friedrich-Engels-Ring in die Windschutzscheibe eines fahrenden Autos lief und blutüberströmt schnell das Weite suchte. Was hatte er zu verbergen?
Der Gesuchte soll sich ganz offenkundig häufig und lange auf dem dicht mit Bäumen umgebenen Neubrandenburger Wall au
Der Gesuchte soll sich ganz offenkundig häufig und lange auf dem dicht mit Bäumen umgebenen Neubrandenburger Wall aufgehalten haben. Thomas Beigang
Die Polizei befragte nach dem Unfall die Zeugen und sicherte zahlreiche Spuren.
Die Polizei befragte nach dem Unfall die Zeugen und sicherte zahlreiche Spuren. Tobias Holtz
Neubrandenburg.

Spuren hat die Polizei mehr als genug. Blut des Mannes, der bei dem Unfall am Donnerstag auf dem Neubrandenburger Ring mit dem Kopf so stark gegen die Windschutzscheine prallte, dass diese zersplitterte, gerann auf der Straße und am Auto. Haare klebten am Fahrzeug, Hautfetzen auch. Alles völlig ausreichend, um die DNA des Mannes zu bestimmen und so vielleicht auch dessen Identität. Die biologischen Spuren sind längst beim Landeskriminalamt angekommen. Die Analyse kann aber dauern. Denn dort bei den Spezialisten in Rampe bei Schwerin hat anderes Vorrang, Spurenbestimmungen bei Gewaltverbrechen zum Beispiel. Die Neubrandenburger Polizei muss sich in Geduld üben. Zumal ja auch niemand weiß, ob die aufgeschlüsselte DNA etwas nutzt.

Eine knappe Woche nach dem Unfall auf dem Ring vor dem Medienhaus des Nordkurier zwischen den Abfahrten Reuterstraße und Rostocker Straße wissen die Ermittler noch nicht, wer da wie Phönix aus der Asche stieg und nach dem schlimmen Zusammenprall auf Nimmerwiedersehen verschwand. Schon einen Tag später sagte eine Sprecherin der Polizei, sie sei sich sicher, der Mann benötige medizinische Hilfe. Abfragen der Polizei in der Rettungsstelle des Klinikums oder bei anderen Notärzten halfen bei der Suche nicht weiter. Niemand mit vergleichbaren Kopfverletzungen habe sich an dem Tag oder später behandeln lassen.

Auf frischer Tat beim Diebstahl ertappt

Genau das bereitet der Polizei Kopfzerbrechen. Denn die Ermittler sind sich ziemlich sicher: Der Unbekannte ist zuvor bei dem Versuch, ein Fahrrad zu stehlen, auf frischer Tat ertappt worden und deshalb so schnell und ohne zu gucken über den viel befahrenen Ring geflüchtet. Aber – an jenem Tag hatte niemand in Neubrandenburg oder wenigstens in dem infrage kommenden Gebiet rings um den Unfallort den Diebstahl eines Fahrrads angezeigt. Noch ein Aber: Das Unfallopfer hielt bei seiner Flucht ein zerschnittenes Fahrradschloss in seinen Händen, genau wie sein Basecap fanden das später die Ermittler des Kriminaldauerdienstes auf der Straße. Vielleicht hielt der Besitzer des Rades eine Anzeige für unnötig, weil dem Fahrrad ja nichts Schlimmes passiert ist.

Oder steckt am Ende doch mehr dahinter – auch in diese Richtung überlegen die Leute bei der Neubrandenburger Kripo. Denn kann es ein läppischer Fahrraddiebstahl wert sein, Leben und Gesundheit zu riskieren, um nicht erwischt zu werden. Die Sprecherin der Neubrandenburger Polizei hat da so ihre Bedenken. Wenn da mal nicht mehr dahintersteckt und das Unfallopfer, in panischer Angst vor Entdeckung, ein so hohes Risiko eingeht. Weil er in Neubrandenburg vielleicht noch mehr auf dem Kerbholz hat.

Offenbar ist der Gesuchte regelmäßig auf dem Wall

Dass es sich bei dem Gesuchten um einen Neubrandenburger handelt, kann fast als sicher gelten. Denn der Hund, der von der Polizei bei der Suche kurz nach dem Verschwinden des Mannes auf dem Wall in die Spur geschickt wurde, hat nicht etwa aufgeben müssen, weil er die Spur des Flüchtigen verloren hat. Sondern weil, wie der Nordkurier erfuhr, offenbar viel zu viele Spuren des Mannes dort auf dem Wall existieren. Der Hund verlor schlicht und einfach die Orientierung. Das lässt den Schluss zu, heißt es in Ermittlerkreisen, der Mann halte sich ganz offenkundig häufig und lange auf dem dicht mit Bäumen umgebenen Neubrandenburger Wall auf. Jener „grünen Hölle“ zwischen Engels-Ring und kilometerlanger historischer Stadtmauer, die von den Einwohnern der Vier-Tore-Stadt so sehr geliebt wird.

So ganz jung soll der Flüchtige nicht mehr sein, heißt es jetzt bei der Polizei. Der Mann hinterm Steuer des Unfallautos, Mitglied einer bekannten Neubrandenburger Gastronomenfamilie, hat seine Personenbeschreibung noch einmal korrigiert: zwischen 35 und 40 Jahre alt vielleicht und von schlanker Gestalt. Präziser wäre tatsächlich besser, aber wer merkt sich, wer da in einer Zehntelsekunde auf die Autoscheibe fliegt und schnell verschwindet?

Die Suche geht weiter.

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