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Haustier in Not – Das kann teuer werden

Dramatische Pferderettung in Lychen: Die Feuerwehr der Kleinstadt musste im Dezember 2012 ein Pferd namens Prinzessin aus einem Teich ziehen, nachdem es ins Eis eingebrochen war. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Pferde gerettet werden müssen. Im April befreite die Wehr ein eingeklemmtes Ross in Grapzow bei Altentreptow.

Die Muskelkraft von 30 Feuerwehrleuten war nötig, um „Beneto“ vor dem Ertrinken zu retten. Der Hengst war seiner Besitzerin ausgebüxt und auf seiner ...

Die Muskelkraft von 30 Feuerwehrleuten war nötig, um „Beneto“ vor dem Ertrinken zu retten. Der Hengst war seiner Besitzerin ausgebüxt und auf seiner Flucht im Uferschlamm eines Sees eingesunken. Das Wasser stand ihm bis zum Hals. Mit ihren Maschinen kamen die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr aus Fünfseen bei Waren nicht an das Tier heran. Die Retter schlangen deshalb Feuerwehrschläuche um Brust und Bauch des Hengstes und zogen ihn mit vereinten Kräften aus dem Schlick. Rund 400 Euro kostete der schweißtreibende Einsatz laut Bürgermeister Eberhard Lindenau.

Retter rücken zu 3000 Tier-Einsätzen aus

Pferde aus dem Schlamm ziehen, verirrte Kätzchen von Bäumen retten, ausgebüxte Hunde und Kühe einfangen: Das gehört zum Alltag der Feuerwehrleute. „Priorität hat die Rettung von Menschen. Aber dann kommen auch schon die Tiere“, sagt Hauptbrandmeister Dietmar Ehrenholz, Gemeindewehrführer in Fünfseen. Mit Äxten haben seine Männer auch schon im Eis eingefrorene Schwäne befreit.

Zu Einsätzen mit Tieren wurden die Freiwillligen und Berufsfeuerwehren in Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr rund 3000 Mal gerufen. Die Wehren in Brandenburg rückten rund 1500Mal zur Tierrettung aus.

Dackel in sieben Meter Tiefe freigeschaufelt

Auch der in einem Dachsbau gefangene Dackel „Fox“ verdankte seine Rettung der Feuerwehr: Zusammen mit Kameraden des Technischen Hilfswerkes schaufelten die Brandschützer den Dackel bei Großziethen (Dahme-Spreewald) aus einem sieben Meter tiefen Bau frei. Der mehrstündige Einsatz kostete mehrere tausend Euro. Auf eine Rechnung für die Besitzerin des Hundes verzichteten die Retter.

Das Frauchen von Dackel „Fox“ musste dafür aber eine unbekannte Summe an eine karitative Einrichtung spenden. Normalerweise sind die Halter von Tieren in Brandenburg für die Kosten der Rettung verantwortlich. Hilfeleistungen bei Wildtieren bezahlen dagegen die Steuerzahler.

Für die Rettung des im Schlamm eingesunkenen Hengstes „Beneto“ hat die Gemeinde Fünfseen die Kosten übernommen. „Es waren ja nur Diesel- und Materialkosten. Die Halterin hat keine Schuld gehabt. Das kann passieren“, erklärt der Bürgermeister Eberhard Lindenau die Entscheidung. Anders sehe es dagegen aus, wenn die Halter die Notlage ihres Tieres vorsätzlich oder fahrlässig herbeiführen. Dann könne man den Verursacher zur Kasse bitten.

Eine einheitliche Regelung, ob generell Herrchen, Frauchen oder der Steuerzahler für die mitunter teuren Rettungseinsätze bei Tieren aufkommt, gibt es in Mecklenburg-Vorpommern nicht. Die Frage nach der Kostenübernahme und Höhe der Einsatzgebühren regeln die Städte und Gemeinden in ihren jeweiligen Satzungen. In der Hansestadt Greifswald beispielsweise wird je nach Einzelfall entschieden. „In den meisten Fällen gibt es keinen Gebührenschuldner und damit keine Kostenerstattung“, teilt eine Stadtsprecherin dazu mit. In den vergangenen Jahren seien deshalb auch keine Gebührenbescheide nach Tierrettungen verschickt worden.

Katze auf dem Baum kann schnell 250 Euro kosten

Klar positioniert hat sich dagegen die Stadt Neubrandenburg: „Alle Einsätze sind kostenpflichtig und werden vom Besitzer der Tiere getragen“, teilt eine Sprecherin der Stadtverwaltung dazu mit. Die Rettung eines in Not geratenen Haustieres durch Spezialisten der Berufsfeuerwehr kann in der Viertorestadt durchaus teuer werden.

Wer die professionellen Katastrophenhelfer ruft, weil das Kätzchen nach der Klettertour auf einen Baum den Rückweg nicht mehr findet, ist schnell einmal mehrere hundert Euro los. Der Einsatz einer Drehleiter kostet pro Stunde 150Euro – dazu kommen noch einmal 100 Euro für die Zwei-Mann-Besatzung.

Gleich die Feuerwehr zu rufen, sollten sich die Tierhalter also gut überlegen. Gerade, wenn Stubentiger auf einem Baum hocken. „Die meisten Katzen kommen von alleine herunter, wenn sie Hunger haben“, sagt Neubrandenburgs Feuerwehrchef Frank Bühring. Das Geld für den Drehleitereinsatz könne man sich meistens sparen. Die Katzenhalter müssen nur Geduld haben – und vielleicht ein Leckerli.