Bevor er als Leihgabe ans Agroneum in Alt Schwerin geht, fuhr am Samstag, 7. Mai, ein 1939 erbauter Traktor Lanz-Bulldog der H
Bevor er als Leihgabe ans Agroneum in Alt Schwerin geht, fuhr am Samstag, 7. Mai, ein 1939 erbauter Traktor Lanz-Bulldog der Hochschule Neubrandenburg durch die Inennstadt und das Treptower Tor. Mirko Hertrich
Mit dem über 80 Jahre alten Lanz Bulldog machte die Hochschule auf ihren Hochschulinformationstag aufmerksam, der zeitgle
Mit dem über 80 Jahre alten Lanz Bulldog machte die Hochschule auf ihren Hochschulinformationstag aufmerksam, der zeitgleich stattfand. Mirko Hertrich
Wissenschaft

▶ Hochschule Neubrandenburg lockt neue Studenten mit einem Traktor

Studierende und Professoren der Neubrandenburger Hochschule haben bei Seminaren und mithilfe von Experten einen alten Lanz-Bulldog wieder fit gemacht – mit einem klaren Ziel.
Neubrandenburg

Die Aufmerksamkeit der Passanten war dem über 80 Jahre alten Gefährt sicher. Mit einem lauten Tuckern des Motors und eingehüllt in eine dicke Abgaswolke setzte sich der 1939 erbaute Lanz-Bulldog der Hochschule Neubrandenburg begleitet von vielen neugierigen Blicken am Sonnabendvormittag in Bewegung, um nach einem Zwischenstopp auf dem Marktplatz wieder in Richtung Hochschule zu fahren. Im Schlepptau ein Anhänger, auf dem Studierende der Agrarwissenschaft Platz genommen hatten.

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Mit der Traktor-Ausfahrt warb die Hochschule in der Stadt für ihren diesjährigen Hochschulinformationstag (HIT), bei dem sie sich Studieninteressierten präsentierte. „Damit kriegt man mehr Aufmerksamkeit als mit einem Pappaufsteller”, freute sich André Meyers. Der ehemalige Student der Hochschule kümmert sich ehrenamtlich darum, dass der alte Traktor wieder in Schuss gebracht wurde. Über einen ehemaligen Professor sei der historische Traktor 2003 in Besitz der Hochschule gekommen, wie die Professorin für Landtechnik, Sandra Rose, am Fachbereich Agrarwirtschaft und Lebensmittelwissenschaften erläuterte.

Traktor eignet sich sogar wieder zum Pflügen

Nach intensiver Beschäftigung mit der Technik, einer Bestandsaufnahme in Kooperation mit dem Phantechnikum Wismar und dem sächsischen Restaurator „Lanzarzt Kleine“ haben Professor Gerhard Flick und sie gemeinsam mit mehreren Studierendengenerationen das „Kultobjekt“ unter anderem in Seminaren wieder einsatzbereit gemacht. Er könnte sogar wieder zum Pflügen eingesetzt werden. „Dafür sei der Oldtimer aber mittlerweile viel zu wertvoll”, scherzte Sandra Rose. Heute gelten die Traktoren nämlich als Liebhaberobjekte und Geldanlage. Lanz Bulldog war die Verkaufsbezeichnung für Ackerschlepper, die ab 1921 bis 1957 von der Heinrich Lanz AG (1956 von John Deere übernommen) in Mannheim hergestellt wurden. Der Name wurde vom Aussehen der ersten Bulldog-Motoren hergeleitet, da diese von vorne Ähnlichkeit mit dem Gesicht einer Bulldogge hatte. 1921 wurde der erste Rohölschlepper HL12 in Leipzig vorgestellt. Er gilt als der „Ur“-Bulldog. Der Erfolg des Gefährts liegt in seiner Einfachheit und Robustheit.

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Am Sonntag (8. Mai) um 11 Uhr wird der Lanz-Bulldog dann offiziell an das Agroneum in Alt Schwerin als Leihgabe übergeben; gesteuert und fahrend durch Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus. Grundlage hierfür ist ein Kooperationsvertrag, der am 12. April zwischen der Hochschule und der MuSeEn gGmbH geschlossen wurde. In einem kooperativen Miteinander sollen einerseits Studierende intensiver mit dem Museum zusammenarbeiten beispielsweise beim Seminar historische Landtechnik, andererseits hat das Museum einen fahrbereiten „Wahrer der Historie”, teilte das Landwirtschaftsministerium mit. Für Schauzwecke und auch für Lehre und Forschung soll das alte Gefährt in jedem Fall öfter wieder nach Neubrandenburg kommen.

Fahrt kostet Zeit und Nerven

Nach Alt Schwerin soll der Traktor auf einem Auflieger gebracht werden. „Wir sind die Strecke von Rühlow auch schon mal gefahren”, erinnerte sich André Meyers, der nach eigenen Worten regelmäßig beim dortigen Deschfest dabei ist. Allerdings nimmt die Fahrt bei einer Geschwindigkeit von 10 bis 15 Kilometern pro Stunde ziemlich viel Zeit und Nerven in Anspruch. „Danach hat man erst mal für ein paar Wochen keine Lust mehr auf Trakorfahren.”

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