TREND AUTO-DRIFTING

Höllisches Reifen-Quietschen in Neubrandenburg

Spätabends treffen sich Auto-Freaks im Kulturpark, um dort mal richtig Gas zu geben und zu „driften”. Die Geräuschkulisse ist gruselig, das Ganze ist gefährlich.
Auf dem Parkplatz vor der Neubrandenburger Stadthalle haben sich Brems- und Schleudersspuren der driftenden Autos in den Aspha
Auf dem Parkplatz vor der Neubrandenburger Stadthalle haben sich Brems- und Schleudersspuren der driftenden Autos in den Asphalt gebrannt. NK-Montage, Fotos: Jörg Franze, ©Kalyakan -stock.adobe.com
Neubrandenburg.

Abends, so ab 22 Uhr, wird es still in der Neubrandenburger Innenstadt. Alle Geschäfte sind geschlossen, die späten Gassi-Geher kehren heim, in wenigen Fenstern brennt noch Licht. Viele Anwohner, die um diese Zeit bei offenem Fenster im Bett liegen oder fernsehen, schrecken oft aber noch mal kurz auf: wenn das wahnsinnige Reifen-Quietschen der Drifter wieder durch die Nacht hallt!

Auch am Augustabad treffen sich Raser

Es durchschneidet die Stille der Stadt mit höllischem Sound. Schleuder- und Bremsgeräusche wie aus einem Actionfilm – es klingt brachial, brutal, gefährlich. Man hört, dass die Leute, die sich da mit ihren Autos auf dem Parkplatz vor der Stadthalle im Kulturpark treffen, nicht mit 60 km/h irgendwelche harmlosen Fahrübungen veranstalten – sondern es bei hohem Tempo richtig krachen lassen. Oder besser gesagt schleudern lassen. Auch auf der Straße zum Augustabad wurden schon driftende Autos gehört und gesichtet.

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Als Driften wird das kontrollierte Übersteuern eines Fahrzeugs bezeichnet. Ziel ist, dass sich der Wagen in einer Kurve seitlich zur eigenen Längsachse bewegt und das Heck kontrolliert zur Seite ausbricht. Durch Gegensteuerung wird das Fahrzeug in der Spur gehalten – wenn alles gutgeht.

Drifting: Zwei junge Männer starben

Im bayrischen Oberaudorf verunglückten im Jahr 2017 zwei junge Männer (20 und 21) beim nächtlichen Drifting – der Fahrer verlor die Kontrolle über das Fahrzeug, es stürzte eine Böschung hinunter und in einen Fluss, beide starben. Der Parkplatz, auf dem das Unglück seinen Lauf nahm, war in der Gemeinde schon länger als Drifting-Treffpunkt bekannt.

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Dass sich die Szene regelmäßig und schon länger im Neubrandenburger Kulturpark trifft, weiß auch die Neubrandenburger Polizei. „Die Beamten fahren dort nachts regelmäßig Streife und haben auch schon Fahrer auf dem Parkplatz vor der Stadthalle angetroffen und kontrolliert”, so Polizeipressesprecherin Diana Mehlberg zum Nordkurier. „Es ist allerdings schwierig, Ihnen etwas nachzuweisen.” Da die Drifting-Aktionen immer nur einige Momente andauern, sei es bislang noch nie gelungen, die Raser auf frischer Tat zu ertappen.

Die Fahrer gefährden sich und andere

Dass die Fahrer nicht nur sich selbst, sondern auch Passanten und andere Verkehrsteilnehmer mit ihren Schleudermanövern gefährden, steht außer Frage. Zudem verursacht die Fahrweise unnötigen Lärm – was ebenfalls verboten ist. Einen speziellen Paragrafen mit Blick auf Drifting gibt es in der Straßenverkehrsordnung aber (noch) nicht.

Bei der Stadt Neubrandenburg ist das Thema nächtliches Driften ebenfalls bekannt. „Das Ordnungsamt kennt das Problem und es gab auch schon einige Bürgerbeschwerden dazu”, sagt Sprecherin Anett Seidel. „Wir können da nicht viel machen und geben Hinweise immer an die Polizei weiter.” Ähnlich wie bei illegalen Autorennen auf Neustrelitzer und Demminer Straße sei es nicht so leicht, den Verkehrs-Chaoten beizukommen.

 

 

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Kommentare (4)

Lasst die Holzköpfe sich doch gegenseitig umbringen, dann ist eine Zeit wieder Ruhe, für Videoüberwachung haben die Verantwortlichen eh keinen Arsch in der hose. Schade wenn es nur wieder Unschuldige trifft beim Unfall, na dann war eben Alkohol und Drogen strafmildernd im Spiel...

Seit wann ist das Ordnungsamt für die Drifter zuständig?

Bei ruhendem Verkehr darf das Ordungsamt Maßnahmen durchsetzen, ansonsten nur die Polizei.
Oder hat das Ordungsamt inzwischen erweiterte hoheitliche Befugnisse, so dass sie auch bei rollendem Verkehr eingreifen dürfen?
Wenn das so ist, bitte ich um Link zur amtlichen Verordnung, dann revidiere ich meine Meinung.

Grillen am Strand?
Geschwindigkeitsüberschreitung?
Gefährdung der Ordnung und Sicherheit?
Falschparken?
Im übrigen brauchen wir nicht für alles eine Verordnung, man kann es auch mal mit dem Verstand versuchen. Warum hatten wir das alles vor 1989 nicht in dieser Stadt? Warum war die Ordnung so viel besser? Warum war die Sicherheit so viel besser? Warum haben fast 50000 Deutsche die Stadt verlassen? [Anm.d.Red.: Vor 1989 soll es in Neubrandenburg keine Geschwindigkeitsüberschreitungen und Falschparker gegeben haben? Könnte der Verkehr in den vergangenen 30 Jahren vielleicht zugenommen haben? Gibt es einen demografischen Wandel? Gab es die Wende? Davon mal abgesehen: Können wir bitte mal alle beim Thema des Artikels bleiben, so wie es in unserer Netiquette festgelegt ist? https://www.nordkurier.de/content/nordkurier-netiquette.html ]

„Das Ordnungsamt kennt das Problem und es gab auch schon einige Bürgerbeschwerden dazu” Aussage der Stadt. Und nein, sowas hat es in der Tat vor 1989 nicht gegeben, dass hätte sich keiner getraut und wenn, dann hätte sich darum jemand gekümmert. Die Ordnung und Sicherheit ( das ist doch das Thema??) war bei 50% der Einwohner deutlich höher. Und am Augustabad gibt es täglich min. 100 - 500 Ordnungwiedrigkeiten, sehr viele durch Migranten, aber auch die Deutschen machen seit diesem Jahr deutlich mit. Die Polizei fährt täglich Streife, fährt vorbei und tut nichts, aber auch nichts. Ihr Artikel ist ja richtig, sie sprechen es ja auch richtig an, doch es ist nicht neu, es ist Alltag in dieser Stadt und nicht erst seit heute. Und kennen Sie den jungen Mann ( 34 Jahre ) der mit seinem E-Roller die Leute mit 50kmh am See fast tod fährt? Ein netter Kerl, aber....... [Anm.d.Red.: Ihr Kommentar enthält sehr viele Behauptungen/Gefühle, aber leider keinerlei Belege oder tatsächliche Fakten.]