Die Station für „Extrem-Frühchen” in Neubrandenburg soll weggespart werden.
Die Station für „Extrem-Frühchen” in Neubrandenburg soll weggespart werden. NK
Gesundheitswesen

Hoffnung für Frühchen-Station in Neubrandenburg

Es ist ein erster Hoffnungsschimmer für die Eltern in der Seenplatte, Vorpommern und der Uckermark: Die Gesundheitsministerin deutet eine Lösung für die „Extrem-Frühchen” an.
Schwerin

Der Schock bei Väter, Müttern, Ärzten und Pfleger sitzt noch tief – doch hinter den Kulissen laufen intensive Gespräche, um die angekündigte Schließung der Spezial-Station für Frühchen am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum doch noch zu verhindern. Zumindest vorerst. Konkret: Gesundheitsministerin Stefanie Drese sagte am Montagnachmittag dem Nordkurier, dass sie eine Ausnahmegenehmigung für das Jahr 2023 in Neubrandenburg anstrebe, damit Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht von unter 1.250 Gramm auch im kommenden Jahr dort behandelt werden könnten.

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In der vergangenen Woche hatten die Landesverbände der Krankenkassen und der Ersatzkassen dem Klinikum eine Behandlung von „Extrem-Frühchen”, also Neugeborenen mit einem Gewicht von unter 1250 Gramm, ein Behandlungsverbot ab dem 1. Januar 2023 erteilt. Zu wenige Fälle seien 2022 in dem sogenannten Perinatalzentrum Level 1 der Klinik behandelt worden.

Mindestmengen unterschritten

Laut AOK Nordost, der größten Krankenkasse des Landes, seien es im Jahr 2021 sieben Frühchen mit diesem Gewicht gewesen. Damit seien die neu festgelegten Mindestmengen deutlich unterschritten. Nach den neuen gesetzlichen Vorgaben müssten es mindestens 20 sein, ab 2024 sogar 25 Fälle im Jahr.

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Drese zeigte sich vom Vorpreschen der AOK "überrascht, vor allem auch deshalb, da das Gesundheitsministerium einen Antrag des Bonhoeffer-Klinikums zur Erteilung einer Ausnahmegenehmigung den Landesverbänden der Krankenkassen und Ersatzkassen in Mecklenburg-Vorpommern Kassen übersandt und um eine zügige Stellungnahme gebeten hat”. Diese Stellungnahme aber liege noch nicht vor. Sobald dies passiert ist, wird Drese mit den Kassen sprechen, „um das gesetzlich erforderliche Einvernehmen über eine Ausnahmegenehmigung zu erreichen”. Für Dienstag ist im Landtag eine kurzfristige Sondersitzung des zuständigen Sozialausschusses einberufen worden.

Riesiges Einzugsgebiet

Neubrandenburgs Kinderklinik-Chef Sven Armbrust hatte bereits vor Tagen sein Unverständnis über die Entscheidung der Kassen geäußert und immer wieder betont, dass die Behandlungsqualität von Frühchen unter 1250 Gramm in Neubrandenburg sogar über dem Bundesdurchschnitt liegt. Das Klinikum an der Seenplatte hat ein riesiges Einzugsgebiet. Schon jetzt würden selbst aus der Uckermark Babys nach Neubrandenburg gebracht, sagte Armbrust. Falle Neubrandenburg weg, blieben im Land nur noch Rostock, Schwerin und Greifswald für die Behandlung der Extrem-Frühchen, deren Transport als sehr riskant gelte.

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Der AfD-Bundestagsabgeordnete Enrico Komning aus Neubrandenburg bezeichnete die drohende Schließung der Station als „Schlag ins Gesicht von Patienten und Ärzten”. Bei der Teilschließung der Frühchen-Station gehe es weniger um Qualitätssicherung, sondern in Wahrheit nur um Kosteneinsparung, sagte Komning. Zumal gerade in Neubrandenburg ein Zusammenhang zwischen Todesfällen bei Frühchen und der verhältnismäßig geringen Fallzahl nicht gegeben sei.

 

 

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