Der Neubrandenburger Bäcker Thomas Gesche hat mit Umsatzeinbußen zu kämpfen. Für Strom muss er im kommend
Der Neubrandenburger Bäcker Thomas Gesche hat mit Umsatzeinbußen zu kämpfen. Für Strom muss er im kommenden Jahr viermal so viel zahlen wie noch in diesem. Pablo Himmelpach
Preis-Explosion

Hohe Energiekosten – Bäcker und Fleischer fordern Hilfe

Bäckereien und Metzgereien in Neubrandenburg leiden unter den hohen Energiekosten. Die Inhaber warnen vor Filial-Schließungen – und fordern Unterstützung durch die Politik.
Neubrandenburg

Kleine Bäckereien leiden unter den hohen Energiekosten. Kürzlich schlug der Landesinnungsmeister Matthias Grenzer Alarm und warnte vor Schließungen und dem Verlust von Arbeitsplätzen. Neubrandenburg.

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Auch Thomas Gesche, Inhaber der Neubrandenburger Bäckerei Gesche, ist besorgt. „Meine Stromrechnung wird im kommenden Jahr viermal so hoch sein wie in diesem. Wir haben mittlerweile Angst, Mitarbeiter entlassen zu müssen“, sagt er. Grund dafür sei neben den gestiegenen Energie- und Rohstoffpreisen auch die Mindestlohn-Erhöhung im Oktober.

Bäcker sieht sich den Stromanbeitern ausgeliefert

Mit dem Ziel, die gestiegenen Kosten aufzufangen, habe er die Preise für seine Waren bereits erhöht – seine Umsätze brachen dennoch ein. „Wir haben mit Einbußen zu kämpfen“, sagt Gesche. Er fühle sich in dieser Situation allein gelassen und sieht sich den Preisen der Stromanbieter ausgeliefert. Vom Staat wünscht er sich Unterstützung – auch im Hinblick auf den drohenden Mangel an Gas. „Wir brauchen eine Priorisierung zugunsten der Betriebe“, fordert der Bäcker.

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Die Preise für Kuchen, Brötchen und Brote musste auch Frank Kadatz von der gleichnamigen Bäckerei in Neubrandenburg erhöhen. Doch auch wenn seine Kunden bislang dafür Verständnis hatten – dass die das noch lange mitmachen, bezweifelt er. „Die normalen Bürger müssen anfangen zu sparen. Und wir befürchten, dass sie ihre Brötchen im Supermarkt kaufen werden“, sagt der Bäcker.

Öfen werden früher abgeschaltet

Sparen muss indes auch sein Betrieb. Kadatz erwägt, Produkte, die besonders hochpreisige Materialien enthalten, künftig aus dem Angebot zu nehmen – wie etwa einige Torten. Zudem weise er seine Mitarbeiter an, energiesparend zu arbeiten, indem sie die Öfen früher abschalten. „Unsere Mitarbeiter müssen da genauso drauf achten, wie bei sich zu Hause“, sagt der Bäcker. Auch er blickt mit Sorge in die Zukunft. „Wir stellen uns die Frage, ob wir im nächsten Jahr einige Standorte schließen müssen“, sagt Kadatz.

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Doch nicht nur die Bäcker haben in der aktuellen Situation zu kämpfen. Die hohen Energiepreise treffen auch die Metzgereien hart. „Wir sind allein gelassen und keiner bietet uns Hilfe an“, poltert Bernd Stirnemann aus Burg Stargard. Die ständige Kühlung und Erhitzung des Fleisches benötige große Mengen an Energie. Zwar hat Stirnemann noch Verträge mit Stromanbietern bis zum nächsten Jahr laufen, doch geht er davon aus, dass es danach teuer wird. Für ihn eine Situation, in der der Staat eingreifen müsste. „Der Staat muss die Energiepreise regulieren, damit unsere Konten nicht geplündert werden“, sagt Stirnemann.

Fleischer fordert Konzepte zur Entlastung

Enttäuscht sei er auch von der Handelskammer, die ihm zufolge den Betrieben zu wenig Unterstützung anbiete. Von der erwarte er Konzepte zur Lösung der aktuellen Situation. „Man darf nicht vergessen, dass das Handwerk eine tragende Säule unserer Gesellschaft ist. Die Verantwortlichen müssen jetzt in die Puschen kommen“, fordert Stirnemann.

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