NEUBAU

Hotel in der Neubrandenburger Innenstadt fällt kleiner aus

Es ist eines der am meisten diskutierten Themen in der Stadt Neubrandenburg. Nach langem Hin und Her sollen im September jetzt endlich die Pläne für einen Hotelneubau vorliegen.
Mirko Hertrich Mirko Hertrich
Die umzäunte Brache zwischen Poststraße und Stadtmauer. Im September sollen die Pläne öffentlich gemacht werden für den Bau eines Vier-Sterne-Hotels.
Die umzäunte Brache zwischen Poststraße und Stadtmauer. Im September sollen die Pläne öffentlich gemacht werden für den Bau eines Vier-Sterne-Hotels.
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Neubrandenburg.

Die Pläne für eine noble Übernachtungsstätte mit vier Sternen in der Neubrandenburger Innenstadt werden offenbar abgespeckt. Im Februar hatte Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) die Ratsfrauen und -herren noch hinter verschlossenen Türen informiert. Bei der Sitzung der Stadtvertreter am Donnerstag ließ er zumindest ein bisschen etwas öffentlich durchblicken.

Wie das Stadtoberhaupt darlegte, werden die Pläne weiter verfolgt, fallen aber etwas bescheidener aus. Witt kündigte im öffentlichen Teil der Stadtvertretung an, dass das Hotel „etwas kleiner wird und eine Wohnnutzung im hinteren Teil dazukommen soll“. Investor und Unternehmer Günther Weber habe die Stadt gebeten, das Bebauungsplanverfahren weiter voranzutreiben. Bei der Septembersitzung soll den Stadtvertretern der Entwurf- und Auslegungsbeschluss vorliegen, „damit sie darüber befinden können.“

Grundstück gehört nicht der Stadt

Angesichts der Tatsache, dass das Gelände schon lange brachliegt, fragte Ratsfrau Britta Gottschling (Linke) das Stadtoberhaupt, ob man das Areal nicht zuschütten und „bis da was passiert einen Parkplatz errichten könnte“. Dann hätte die Kommune wenigstens Einnahmen. Dem musste Witt aber eine Absage erteilen, „so charmant ihr Vorschlag für die Stadtkasse auch sein mag“. Denn das Grundstück gehöre der Stadt nicht.

Der Neubrandenburger Maschinenbau-Unternehmer Günther Weber, der das Areal in der Poststraße 2015 erwarb und dort selbst ein Hotel bauen lassen wollte, hat das Vorhaben aufgegeben. Mit ein Grund waren die archäologischen Grabungen auf dem Gelände in direkter Nähe zur ehemaligen Neubrandenburger Synagoge. Dort sind seit 2016 die Überreste von mehr als 2300  Menschen ausgegraben worden, die innerhalb von gut 200  Jahren bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts bestattet wurden. Das neue Hotel soll um das Mahnmal herum gebaut werden, das an die Synagoge erinnert, die im November 1938 den Flammen zum Opfer fiel.

Übernachtungszahlen in der Stadt gesunken

Im Februar hatte Witt dem Nordkurier versichert, im Gespräch sei immer noch eine Vier-Sterne-Anlage. Schon damals war man von den Plänen abgerückt, ein Hotel mit 120  Zimmern zu bauen, wie ursprünglich vorgesehen. Die Planungen vom Februar gingen von 90 Zimmern aus.

Seit im Dezember 2015 das Radisson-Hotel am Marktplatz dichtmachte, bietet innerhalb der Stadtmauern kein Hotel mehr seine Dienste an. Das von vielen Neubrandenburgern geliebte Haus am Marktplatz musste den Plänen für den Neubau eines Geschäftshauses in der City weichen. Daran werkeln gerade Bauarbeiter, in diesem Jahr soll der erste Teil des neuen „Marien-Carrées“ eingeweiht werden.

Mit der Schließung des Radisson-Hotels sank die Bettenzahl in Neubrandenburg von einst mehr als 1500 auf aktuell etwas über 600. Im Gegenzug stieg aber die Auslastung der Hotels im Zeitraum von 1995 bis 2017 von 35,4 auf 45,3 Prozent. Neubrandenburg ist auch nicht mehr so beliebt bei Übernachtungsgästen. Die Zahl der Übernachtungen reduzierte sich im gleichen Zeitraum um rund ein Drittel auf 105 000 im Jahr. Dennoch sieht die Stadt Bedarf für ein gehobenes Hotel, etwa für Tagungen oder auch Gäste, die geschäftlich in der Stadt sind.

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