TIERHEIM SADELKOW

Hündin Mia nach Quälerei beim Drogendealer wieder wohlauf

Ihr lautes Jaulen und Bellen verriet einen Drogendealer in Neubrandenburg. Für den Jugendlichen ging die Geschichte schlecht aus, für den misshandelten Hund war es dagegen die Rettung.
Mirko Hertrich Mirko Hertrich
Die Stafford-Terrier-Hündin Mia (links) baut im Tierheim Sadelkow langsam wieder Vertrauen zu anderen Hunden auf.
Die Stafford-Terrier-Hündin Mia (links) baut im Tierheim Sadelkow langsam wieder Vertrauen zu anderen Hunden auf. Felix Gadewolz / Ines Dix
Sadelkow.

Die Verletzungen lassen erahnen und vermuten, welche Qualen der Hund durchlebt haben muss. Als das Veterinäramt Mitte Februar zusammen mit der Polizei eine Wohnung im Neubrandenburger Reitbahnviertel aufsuchte, stießen die Mitarbeiter auf das vernachlässigte Tier, das auch Verletzungen aufwies, die möglicherweise von Tritten und Schlägen herrührten. Nun ist der Hund in besseren Händen und auf dem Weg der Genesung.

Neben dem armen Stafford-Terrier machten die Beamten dank Kommissar Zufall noch eine ganz andere Entdeckung: einen der größten Drogenfunde der jüngeren Geschichte in der Stadt. Nach dem Betreten der Wohnung bemerkten sie einen jungen Mann, der sich kauernd auf dem Balkon verstecken wollte und eine Tasche bei sich trug. Bei einem Blick in die Tasche fanden die Polizisten Drogen im Wert von 4000 Euro und 1000 Euro Bargeld. Die anschließende Durchsuchung der elterlichen Wohnung förderte weitere Betäubungsmittel, Geld und Waffen zutage – unter anderem einen Schlagstock und Munition sowie einen selbst gebauten Knallkörper.

Bein-Verletzungen und starkes Fieber

Nicht nur der 17-Jährige hat jetzt Ärger mit der Justiz. Gegen die 18-jährige Mieterin der Wohnung und Besitzerin des Hundes wurde eine Strafanzeige wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz aufgenommen. Neben der Verletzung des Tieres soll am Zustand der Wohnung deutlich erkennbar gewesen sein, dass sich die junge Frau nicht ausreichend um den Hund kümmerte. Die Amtstierärztin nahm den bellenden Vierbeiner mit, um ihn nach der tierärztlichen Behandlung im Tierheim unterzubringen.

Die Behandlung dauerte allerdings zwei Tage. Mia, wie der Hund jetzt gerufen wird, hatte eine schwere Verletzung am hinteren Bein und starkes Fieber. Tagelang hatte das Tier gejault und gebellt, bevor Anwohner aus dem Mehrfamilienhaus das Ordnungsamt und den Vermieter informierten. Daraufhin wurde schnell gehandelt, bereits am Folgetag standen die Behörden vor der Tür, um das Tier zu befreien.

Vermittlung des Listenhundes wird schwierig

Mittlerweile ist Mia gut im Tierheim des Tierschutzvereins Sadelkow angekommen. Pflegerin Dorothea Vigohl berichtet, dass die Hündin auch deutlich zu dünn war. Das Tier habe sich jedoch schnell und gut eingelebt, die Angst merke man ihr aber immer noch an. Die Hündin lebt nun zusammen mit einem weiteren Hund, welcher ihr dabei hilft, Vertrauen aufzubauen und Fuß zu fassen in ihrem neuen Hundeleben. Mia mochte zunächst das Alleinsein nicht, Laufen war sie ebenfalls nicht gewohnt. All das habe sich in kürzester Zeit aber deutlich gebessert, freut sich die Pflegerin.

Mia wird zum Glück nicht mehr zu den ehemaligen Besitzern zurückkehren müssen, dies hat das Ordnungsamt angeordnet. „Sie ist eine tolle Hündin“, schwärmt Dorothea Vigohl. Jedoch werde die Vermittlung eines solchen sogenannten Listenhundes schwierig, weil die Anforderungen an eine als gefährlich eingestufte Hunderasse sehr hoch seien und „viele dieser Aufgabe nicht gewachsen sind“.

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