Ausschnitt aus einem Video, dass die illegale Party in Neubrandenburg zeigt. Rund 100 junge Leute sollen dort gefeiert haben.
Ausschnitt aus einem Video, dass die illegale Party in Neubrandenburg zeigt. Rund 100 junge Leute sollen dort gefeiert haben. privat
Die Containerhalle in der Ihlenfelder Vorstadt wurde am Wochenende zur Diskothek.
Die Containerhalle in der Ihlenfelder Vorstadt wurde am Wochenende zur Diskothek. Lisa Gutzat
Von Polizei beendet

▶ Illegale Party – jetzt spricht der Veranstalter

Trotz schärferer Corona-Maßnahmen hält die illegale Partyszene in und um Neubrandenburg nicht still. Heftige Bußgelder vermiesen den Veranstaltern aber mittlerweile die Feierlaune.
Neubrandenburg

Bunte Lichter flackern, Sekundenbruchteile lang werden die Gesichter der Feiernden erhellt. Die tiefen Bässe der Techno-Musik bringen die ansonsten verlassene Halle zum Beben. Winkende Arme und laute Zwischenrufe lassen den Raum zur Diskothek werden – ganz vorne der DJ, der mit seiner Musik die Party schmeißt, die in Zeiten von Corona-Beschränkungen aber illegal ist. 70 bis 100 Menschen feiern ausgelassen. Bis die Polizei vor der Tür steht.

„Einmal so wie früher feiern”

So ähnlich war die Szenerie am Wochenende zuvor in Neubrandenburg. „Wir konnten in diesem Moment einmal das ganze Corona-Theater vergessen, haben uns einfach getroffen, wollten wieder tanzen, Spaß haben und quatschen – so wie früher“, sagt ein Partygast, der die Veranstaltung von Anfang bis zum Ende miterlebte.

 

Die illegale Party in der Ihlenfelder Vorstadt wurde allerdings nach einem Zeugenhinweis entdeckt und aufgelöst. Die Polizei nahm die Personalien des Veranstalters und aller Gäste auf, 91 Personen waren es insgesamt.

Veranstalter gibt anonym Auskunft

Tage später weist im Gewerbegebiet nur wenig auf die Ekstase vom Wochenende hin. Die Aufschrift „Imbiß, Ersatzteile, Zubehör“ ist schon lange verblasst. Das flache Gebäude steht verlassen inmitten von Bauzäunen. Isoliermatten versperren die Sicht hinein. Mit Plastikbechern gefüllte blaue Müllsäcke häufen sich vor dem Eingang und scheinen das letzte verbliebene Zeugnis der Partynacht zu sein.

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Das Gebäude habe er schon seit Langem gepachtet, sagt der Veranstalter, den wir Karl nennen. Unter der Voraussetzung, anonym zu bleiben, sprach er erneut mit dem Nordkurier. Es ist nicht die erste Party, die der junge Mann mit seiner 15-köpfigen Mannschaft organisierte – und auch nicht die erste, mit der er aufflog. Mehrere hundert junge Menschen waren es im Juni trotz akuter Waldbrandgefahr in einem Waldstück bei Gatsch Eck, die dort feierten. Und im August beendeten die Ordnungshüter dann einen sogenannten Rave in Krickow.

Angeblich sollen Polizisten Verständnis geäußert haben

Weder die Polizeieinsätze noch die niedrigen Temperaturen oder die vierte Corona-Welle würden ihn davon abhalten, weiterhin regelmäßig solche Partys zu organisieren. „Die Polizisten waren am Sonnabend sehr entspannt, hatten Verständnis für die Feierlaune der jungen Leute und wollten die Party nur ungern auflösen“, behauptet Karl mit Blick auf das vergangene Wochenende.

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In einem Schreiben, das in den sozialen Netzwerken kursiert, wird der Veranstalter jedoch deutlicher. „Wir haben als Jugendliche so viel Zustimmung und Beistand bekommen, nur nicht vom Staat“, wird darin geklagt. Man bekomme eine Strafe, nur weil man jung sei und seine Freiheit ausleben wolle. Dem Nordkurier sagt Karl, dass doch schließlich jeder Gast getestet geworden sei.

Gäste sehen ihr Treiben unkritisch

Den Teilnehmern der Partys reicht das. „Natürlich würde ich wieder zu einer dieser Partys gehen. Die 3G-Regel wird streng kontrolliert und ich habe kein schlechtes Gewissen wegen der Corona-Pandemie“, schrieb eine junge Frau dem Nordkurier.

Der Zweifel an der Brisanz der aktuellen Corona-Lage, wie ihn auch die Veranstalter äußern, gefällt längst nicht jedem in der Szene. Nach Nordkurier-Informationen halten sich unter anderem viele DJs aus der Region von den Partys längst fern. „Wird Zeit, dass das Ganze ein Ende nimmt. Er macht die ohnehin schon nicht stark ausgeprägte Subkultur kaputt“, schreibt einer dem Nordkurier.

Langfristig zurück in die Legalität

Für ein Ende könnten vorerst zumindest die Bußgelder sorgen. Nach Angaben der Polizei wurden die Ordnungswidrigkeiten – auch Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz sollen dabei gewesen sein – an die Stadt Neubrandenburg weitergeleitet.

Karl selbst räumt ein, dass er bereits Bußgeldbescheide erhalten habe. Vierstellige Summen soll er bezahlen. Durch die Einnahmen ließe sich das kaum decken. Für Getränke nehmen die Veranstalter kein Geld mehr, fordern lediglich Spenden der Besucher an. So seien zuletzt mehrere Hundert Euro zusammengekommen. Langfristig will der junge Mann, der in der Veranstaltungsbranche groß wurde, zurück in die Legalität. Nur scheint das derzeit nicht so einfach.

In der Ihlenfelder ist erst mal Party-Pause

„Wir wollten mit der Stadt Neubrandenburg eine legale Lösung finden, mit ihr auf einen Nenner kommen“, sagt er. Doch von Seiten der Stadt sei „völliges Desinteresse“ zurückgekommen. Zumindest vorerst sollen in der Ihlenfelder Vorstadt aber keine Partys mehr stattfinden, kündigt der Organisator an. Ob stattdessen woanders eine Fete steigt, sei ungewiss.

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