Der Angeklagte (links) hat vor Gericht nun doch noch ein Geständnis abgelegt.
Der Angeklagte (links) hat vor Gericht nun doch noch ein Geständnis abgelegt. Thomas Beigang
Junger Syrer vor Gericht

Im „Spatenprozess“ kommt der Angeklagte erst spät zur Einsicht

Die wahre Ursache für den Angriff mit einer eher ungewöhnlichen Waffe bleibt auch nach mehreren Prozesstagen am Neubrandenburger Landgericht im Nebel. Aber es gibt ein Urteil.
Neubrandenburg

Vorweggenommen: Die Verhandlung, in der zwei junge syrische Männer, ein Gartengerät, verletzte Ehrgefühle und am Rande vielleicht eine junge Neubrandenburgerin eine Rolle spielen, ist am Donnerstag endlich zu Ende gegangen. Wer weiß, wenn der Angeklagte am Ende nicht doch ein glaubhaftes Geständnis abgeliefert hätte, wäre die Angelegenheit vielleicht noch einen Prozesstag länger ohne Urteil geblieben. Nun hat die Kammer des Neubrandenburger Landgerichts unter Vorsitz von Richter Klaus Kabisch aber einen Spruch abliefern können: Wegen vorsätzlicher Körperverletzung muss der 23-jährige Angeklagte für ein Jahr und sechs Monate hinter Gitter.

Durch die Seitenscheibe eines Autos

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft dem jungen Mann sogar versuchten Totschlag vorgeworfen. Das kam Richter Kabisch schon zu Beginn als ein zu harter Vorwurf vor. Eventuell, diktierte er ins Protokoll, käme bei einer Verurteilung auch „nur“ ein Schuldspruch wegen gefährlicher Körperverletzung in Betracht.

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Dabei klang schon martialisch, was dem schon wegen Körperverletzung vorbestraften 23-Jährigen vorgeworfen wurde. Am 27. Dezember, also vor gut einem halben Jahr, soll er im Reitbahnweg, einem Neubrandenburger Plattenbauviertel, das Opfer mit einem Spaten angegriffen haben. Er stieß das Gartengerät durch die Seitenscheibe des Autos und versuchte, dabei den Kopf des anderen zu treffen.

Nicht der erste Vorfall zwischen beiden Beteiligten

Nur mit viel Mühe sei es dem im Auto Sitzenden gelungen, mit fast heiler Haut davonzukommen, hieß es vor Gericht. Der Angeklagte bestritt das alles temperamentvoll und berief sich auf Notwehr, weil der andere ihn mit Pfefferspray angreifen wollte – bis zu seinem späten Geständnis.

Warum das alles, bleibt im Nebel verborgen. Vielleicht spielte Eifersucht wegen einer gemeinsamen Bekannten eine Rolle, zudem soll es schon früher Stress und körperliche Auseinandersetzungen zwischen den beiden Streithähnen auf dem Neubrandenburger Marktplatz gegeben haben. Wie auch immer, jetzt jedenfalls herrscht Ruhe für eine Weile. Denn beide werden sich längere Zeit nicht sehen.

 

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