Im Alter sind viele auf Hilfe angewiesen. Die lässt sich oftmals nicht mehr aus der eigenen Rente bezahlen.
Im Alter sind viele auf Hilfe angewiesen. Die lässt sich oftmals nicht mehr aus der eigenen Rente bezahlen. Mascha Brichta
Landkreis Seenplatte

Immer mehr Rentner können sich Pflege nicht mehr leisten

Die Rente reicht bei vielen längst nicht mehr für Pflege aus. Pflege-Anbieter prognostizieren sogar eine baldige Zuspitzung des Problem.
Seenplatte

Immer mehr Menschen in der Region können sich Pflege im Alter nicht mehr leisten. Wie das Sozialamt des Landkreises Seenplatte kürzlich offenlegte, ist die Zahl der Menschen, die im Rentenalter finanziell unterstützt werden müssen, in den letzten zwei Jahren um knapp 100 Senioren gestiegen. Als Grund nannte die Verwaltung die steigenden Entgelte von Pflegeeinrichtungen. Die Pflege wird also immer teurer.

In eine ähnliche Kerbe schlug der Kreisseniorenbeirat Mecklenburgische Seenplatte im Sozialausschuss des Kreistages. „Wir werden weniger, wir werden älter, wir werden ärmer“, so sein Fazit.

Laut Dietmar Lehmann aus der Pflegeeinrichtung der 24h-Seniorservice GmbH in Neustrelitz steht die Entwicklung sogar erst am Anfang. Sobald im nächsten Jahr alle Pflegeanbieter Tariflohn von rund 3000 Euro brutto zahlen müssen, wird das Angebot nach seiner Einschätzung noch viel teurer. Seine Firma bezahle das den Mitarbeitern zwar schon, viele andere Anbieter aber nicht. „Die Leute müssen gut verdienen, sonst verlassen sie die Pflege.“ Am Ende müssten die Kosten auf den Kunden umgelegt werden.

Renten steigen – doch Pflege-Kosten steigen mehr

Doch bei denen sei letztlich nicht mehr zu holen. „Der Rentner kann nicht mehr bezahlen – er ist an seiner Belastungsgrenze“, so Lehmann. Schon jetzt koste ein Pflegeplatz hierzulande mindestens 1300 Euro bis 1500 Euro Eigenanteil im Monat. „Das ist nicht wenig.“ Doch in anderen Bundesländern sei es teurer. Zwar hätten sich die Renten zuletzt in die richtige Richtung entwickelt. Ein ostdeutsches Rentnerehepaar stehe gar nicht so schlecht da. Schließlich habe die Frau anders als im Westen viel gearbeitet. Dennoch steige der Rentenbeitrag nicht annähernd so stark wie die Kosten für den Pflegebetrieb.

Deshalb muss aus Lehmanns Sicht schnell eine Pflegereform her. Möglicherweise müsse mehr Steuergeld in die Pflege und weniger an andere Institutionen fließen. An Geld mangele es nicht. „Man hat das auf dem Schirm, aber bislang wurde hauptsächlich geredet.“ Die künftige Regierung werde das Problem aber angehen, glaubt Lehmann. „Das haben sie erkannt.“ Schließlich müsse gehandelt werden, sonst „explodiert“ das System.

 

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