NAMENSDISKUSSION VERDOPPELT

Jetzt geht es um Brücke und Rathausvorplatz

In dem Buch „Der Name der Brücke” schlagen Neubrandenburgs Stadtvertreter ein neues Kapitel auf. Für eine Würdigung der friedlichen Revolution, die als Brückenname kaum Zustimmung findet, kommt nun auch der Rathausvorplatz ins Spiel.
Susanne Schulz Susanne Schulz
Die Debatte um den Brückennamen weitet sich aus zur Diskussion um die Würdigung von Schauplätzen der Wende in Neubrandenburg.
Die Debatte um den Brückennamen weitet sich aus zur Diskussion um die Würdigung von Schauplätzen der Wende in Neubrandenburg.
Der Marktplatz war im Wende-Herbst 1989 Schauplatz von Kundgebungen.
Der Marktplatz war im Wende-Herbst 1989 Schauplatz von Kundgebungen. xxxxxxxxx
Neubrandenburg.

Aus eins mach zwei: Nicht nur über eine Umbenennung der Brücke zur Demminer Straße wird jetzt in Neubrandenburg diskutiert, sondern auch über einen alternativen Ort für den von Oberbürgermeister Silvio Witt favorisierten Titel „Brücke der friedlichen Revolution von 1989“. Statt der Brücke besser den Platz vor dem Rathaus zur Würdigung des Wende-Herbstes zu benennen, schlagen CDU und FDP jetzt in einem Änderungsantrag für die Stadtvertretung vor.

Schon seit Witts Vorschlag öffentlich wurde, hatten viele Neubrandenburger moniert, dass die Brücke doch kein unmittelbarer Schauplatz der Wende-Demonstrationen gewesen sei. Auch in den Ausschüssen der Stadtvertretung erntete die Idee fast durchweg Ablehnung. „Unbegreiflich“ findet daher Marco Messner (CDU), Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses, dass die Beschlussvorlage nicht längst zurückgezogen wurde, sondern am 16. Mai noch die Stadtvertretung beschäftigen soll. „Erst die Diskussion um eine Benennung zum Reformationsjubiläum, jetzt die friedliche Revolution – man sollte die Brücke einfach mal in Ruhe lassen“, findet er.

Witts Vorschlag wiederum verweist auf den verbindenden Charakter einer Brücke, der symbolhaft sei für die friedliche Revolution. Zudem sei das in den vergangenen Jahren erneuerte Bauwerk noch namenlos – seine Vorgängerkonstruktion war als „Brücke 10. Jahrestag“ einst dem zehnjährigen Bestehen der DDR gewidmet.

In Neubrandenburg fehle bisher ein Symbol für die friedliche Revolution, heißt es weiter in dem Vorschlag, der die zugegebenermaßen nicht besonders auffällige Gedenkplatte im Boden vor der Johanniskirche großzügig übergeht. Dem Rathausvorplatz diese Rolle zu übertragen, findet indessen auch nicht sofort einhellige Zustimmung. „Die Demonstranten standen doch nicht vorm Rathaus“, gibt Nicolas Mantseris (Grüne) zu bedenken und regt an, bei solchen Erwägungen mit den Akteuren und Augenzeugen von 1989 ins Gespräch zu kommen. Gerade sie dürften nicht „entmündigt“ werden bei der Frage, wo den IHR Ort sei, findet auch Roman Oppermann (SPD).

Im Rathaus als damaligem Sitz der SED-Bezirksleitung und des Rats des Bezirkes habe aber „das politische Herz“ der Macht von Staat und Partei geschlagen, sagt Schwanke. Und Dieter Stegemann (CDU) billigt dem Gebäude „den größten Wandel“ zu „von der Diktatur zum Ort der Demokratie“. Die Demonstrationen von der Johannis- zur katholischen Kirche hätten denn auch bewusst hier vorbei geführt, erinnert Jan Kuhnert (Die Linke).

Sein Einwand, der vorgeschlagene Name sei „fast länger als die Brücke“, gilt indessen für einen anderen Ort kaum weniger. Nicolas Mantseris lässt beim lächelnd vorgetragenen Vorstoß „Wie wär’s, wenn wir den Ring umbenennen?“ einigermaßen offen, ob er das scherzhaft meint. Einem womöglich ernst gemeinten Plädoyer für die Umbenennung des Marktplatzes weist Dieter Stegemann gleich vorsorglich zurück: „Eine Stadt ohne Marktplatz geht nicht.“

Während Nordkurier-Leser für die Brücke Demminer Straße unter anderem den Namen „Brücke der nationalen Einheit“ oder als konsequent geografischen Hinweis „Nordbrücke“ ins Spiel bringen, müssen über den Ursprungsbeschluss und den Änderungsvorschlag nun die Stadtvertreter befinden.

Zudem beginnt am 24. April um 18 Uhr in der Hochschule eine Veranstaltungsreihe zum Wende-Jubiläum in Kooperation mit der Stadt Neubrandenburg. Den Auftaktvortrag „Das demokratische Versprechen. Was es beinhaltet – und was aus ihm geworden ist“ hält Prof. Dr. Rainer Mausfeld von der Universität Kiel; erwünscht ist ein Dialog mit Einwohnern der Stadt Neubrandenburg und des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte sowie mit Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitern der Hochschule.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Neubrandenburg

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Kommentare (6)

Da Neubrandenburg anscheinend die allerwichtigste Stadt im Herbst 1989 gewesen sein muss, benennt Neubrandenburg um.

Mit so einem Quatsch vertreiben sich die Stadt Vertreter ihre Langeweile.

Johannes Chemnitzer Platz

kommt davon wenn man nen komiker vorn an der spitze der stadt neubrandenburg hat...
kümmert euch um was gescheites hundeauslauf flächen hundeklos radwege papierkörbe ect.

Und eine Bahnhofstoilette, wie es früher mal war

Ich weiß zwar nicht wo der Oberbürgermeister 1989 war aber wenn ein Ort erinnern soll dann vor der st. Johannes Kirche. Im Grunde kann man davon ausgehen dass Neubrandenburg keine Bedeutung in der wendezeit hatte. Orte Leipzig Dresden Halle Berlin waren bedeutet dass dieses kleine Städtchen. Darum verstehe ich nicht was das ganze Gedöns in der Neubrandenburger Stadtverwaltung soll, Neubrandenburg braucht sein Gedenkort nicht. Unsere Stadtverwaltung soll sich lieber um die aktuellen Probleme kümmern. schon allein die mehrkosten der rathaussanierung bergen genug gesprächsbedarf.