SCHLIEßUNG

Job-Angebote für bald arbeitslose Mitarbeiter von Majorel-Callcentern

Die Majorel-Callcenter in Stralsund, Neubrandenburg und Schwerin machen dicht, daran ist wohl nicht mehr zu rütteln. Aber für zwei Drittel der 1000 Mitarbeiter gibt es eine Chance, der Arbeitslosigkeit zu entkommen.
dpa
Das Majorel-Callcenter auf dem Datzeberg in Neubrandenburg (Archivbild).
Das Majorel-Callcenter auf dem Datzeberg in Neubrandenburg (Archivbild). Tim Prahle
Schwerin ·

Für zwei Drittel der rund 1000 Beschäftigten in den zum Jahresende schließenden Majorel-Callcentern in Stralsund, Neubrandenburg und Schwerin könnten sich Anschlussbeschäftigungen ergeben. In der Branche gebe es eine Nachfrage nach qualifizierten Servicemitarbeitern, sagte Agrarminister Till Backhaus (SPD) am Donnerstag im Schweriner Landtag.

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Gespräche mit der Bertelsmann-Tochter Majorel, die im November die Schließung von drei ihrer vier Center im Nordosten angekündigt hatte, zur Fortführung hätten nicht zum Erfolg geführt, Sozialplan-Verhandlungen liefen.

Firmen melden Bedarf für Mitarbeiter an

Doch hätten in Schwerin drei Unternehmen Bedarf an 180 Mitarbeitern angemeldet, in Neubrandenburg fünf Firmen an 150. Für den Standort Stralsund gebe es Verhandlungen zur vollständigen Übernahme des Callcenters, aber auch Angebote anderer Center-Betreiber für 300 Beschäftigte, erklärte Backhaus. Er vertrat Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU), der die Debatte für Vorgespräche zum Corona-Gipfel verlassen hatte.

Der Linke-Abgeordnete Henning Foerster würdigte die Bemühungen des Wirtschaftsministeriums zur Rettung der Arbeitsplätze, zog aber in Zweifel, dass nun gleichwertige und sichere Arbeitsplätze zur Verfügung stünden. Es handele sich lediglich um pauschale Angebote, sagte er unter Hinweis auf Angaben eines Betriebsrates.

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Ausnutzen staatlicher Zuschüsse

Foerster verwies auf die weiterhin schwierige Situation in der Branche, die trotz leichter Verbesserungen mit Monatslöhnen unter 2000 Euro immer noch zum Niedriglohnsektor zähle. Wie Redner anderer Fraktionen, kritisierte auch Foerster die Praxis, Callcenter mit Hilfe staatlicher Zuschüsse aufzubauen, nach Ablauf der Bindungsfrist aber zu schließen und im Ausland wieder mit öffentlichem Geld neue aufzubauen.

Majorel, früher Arvato, hatte die Schließungen damit begründet, dass die betroffenen Standorte seit längerem rote Zahlen schrieben. Daher solle der Geschäftsbetrieb dort zum 31. Dezember 2021 eingestellt werden. Das Callcenter in Rostock mit 450 Mitarbeitern bleibt Majorel zufolge bestehen.

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Kommentare (2)

Von den den 1000 Arbeitsplätzen geht vielleicht ein Viertel wieder in Arbeit der Rest geht zum Amt. Und in Schwerin klopfen sie sich auf die Schultern. Politik ist ein schmutziges Geschäft.

Die Callcenter-Branche ist seit Jahren unterbesetzt. Mit Corona kam mehr Arbeitsvolumen und Aufträge hinzu. Majorel-Mitarbeiter sollten wegen Arbeitgeberwechsel nicht ewig warten, denn durch die Coronamaßnahmen verursachte Arbeitslosigkeit anderer Branchen füllt sich der Callcenter-Sektor. Die Corona-Verbote dauern noch paar Jahre.