VERKLEINERUNG

Jobcenter verlässt den Friedländer Marktplatz

Seit Wochen schon halten sich Gerüchte, dass sich auch noch das Jobcenter aus Friedland zurückzieht. Nun hat sich die Behörde selbst geäußert.
Tim Prahle Tim Prahle
Wo das Jobcenter sein neues Büro eröffnet ist noch offen.
Wo das Jobcenter sein neues Büro eröffnet ist noch offen. Tim Prahle
Friedlands Amtsvorsteher Frank Nieswandt. Foto: Tim Prahle
Friedlands Amtsvorsteher Frank Nieswandt. Tim Prahle
Friedland.

Das Jobcenter Mecklenburgische Seenplatte Süd wird seine Geschäftsstelle am Friedländer Marktplatz zum 30. Juni 2020 aufgeben. Das teilte einer der Träger, die Bundesagentur für Arbeit, auf Anfrage des Nordkurier mit. Seit Wochen geistert durch Friedland bereits das Gerücht, das Jobcenter werde sich nach der AOK ebenfalls aus der Kleinstadt zurückziehen. Ganz so wollte das der Jobcenter-Pressesprecher Thomas Elsner aber nicht stehen lassen. „Es bleibt in jedem Fall ein Beratungsangebot in Friedland.“

Es müsse jedoch eine Verkleinerung der Räumlichkeiten stattfinden. Dafür gebe es zwei Gründe. Zum einen das neue Angebot „jobcenter.digital“, über das Erwerbslose auch außerhalb der Öffnungszeiten ihre Dokumente hochladen können. „Damit wird viel Zeit gespart, da wir vor allem mit Digital-Akten arbeiten“, erläutert Elsner.

Ein Grund für Schließung: abnehmende Zahl an Kunden

Der andere Grund sei die abnehmende Zahl an „Kunden“, wie es im offiziellen Duktus der Behörde heißt. Gemeint sind vor allem Bezieher von Arbeitslosengeld II, besser bekannt als Hartz IV. Der Standort Friedland umfasst einen Einzugsbereich, der etwas über die Grenzen des Amtsgebietes hinausgeht. Nach Angaben der Arbeitsagentur ist hier die Anzahl der Bezieher von 2015 bis 2018 von 1271 auf 960 Personen gesunken.

„Als wir in Friedland anfingen, waren wir sogar bei gut 2000 Beziehern“, bestätigt Elsner den eigentlich positiven Trend. Die rückgehenden Arbeitslosenzahlen seien kein reines Friedländer Phänomen, fügt er an. Aber es führe auch in der Kleinstadt zu einer geringeren Anfrage nach Sprechstunden. Viele Anliegen ließen sich auch über die zentrale Service-Nummer 0395 766 4096 klären.

Beratungsangebot in Friedland bleibt

Friedlands Amtsvorsteher Frank Nieswandt (Die Linke) wirkt dennoch nicht sonderlich beglückt. „Es ist ja nicht der Arbeitsmarkt alleine, sondern es fallen auch Menschen aus dem Raster, weil sie älter oder zwangsverrentet werden“, sagt er. Am wichtigsten sei jedoch die Nachricht, dass das Beratungsangebot in Friedland überhaupt bleibt. „Wenn die Menschen irgendwann von Galenbeck ganz nach Neubrandenburg zum Termin fahren müssen, ist das sicherlich nicht sinnvoll“, so Nieswandt. Der Chef des Jobcenters Mecklenburgische Seenplatte Süd werde sicherlich mal zur Stadtvertretersitzung im kommenden Jahr eingeladen werden müssen.

Davon erhofft sich der Amtsvorsteher und Stadtvertreter mehr Details zu den Plänen. Denn noch ist unklar, wohin die Geschäftsstelle ziehen wird und wie regelmäßig Sprechzeiten angeboten werden. Ein kleines Büro mit zwei Räumen solle es werden. Aktuell sei man noch auf der Suche, heißt es vom Jobcenter.

„Klar ist, dass es die Möglichkeit geben wird, ins persönliche Gespräch zu kommen“, wehrt Elsner ab. Auch bei der Frage, was mit den Mitarbeitern geschieht, will er beruhigen: „Es bleiben alle an Bord.“ Sie würden nur intern neu verteilt werden. Nicht auszuschließen, dass einige Mitarbeiter ab Juli kommenden Jahres dann in Neubrandenburg zu finden seien. Kommunalpolitiker wie Frank Nieswandt hoffen derweil, dass dies nicht doch die Vorboten für ein Verschwinden der gesamten Geschäftsstelle sind.

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