Weil sie bei einer illegalen Party im Brodaer Holz Schäden angerichtet hatten, pflanzen junge Menschen am Wochenende 2500
Weil sie bei einer illegalen Party im Brodaer Holz Schäden angerichtet hatten, pflanzen junge Menschen am Wochenende 2500 Ahorn-Bäume. Mirko Hertrich
Techno im Wald

Jugendliche büßen für illegale Corona-Party

In Corona-Zeiten hat ein Förster 300 junge Leute beim Feiern im Brodaer Holz erwischt. Statt Bußgeldern wurde eine gemeinsame Aktion vereinbart.
Neubrandenburg

Als Ausgleich für Schäden, die bei einer illegalen Party im Neubrandenburger Forst entstanden waren, pflanzten rund ein Dutzend junger Menschen am Wochenende Setzlinge unter Anleitung von Revierförster Torsten Loop. Der hatte die jungen Leute im Sommer vergangenen Jahres auf einer Waldlichtung bei ihrer Party erwischt. Eher durch Zufall, wie er erzählt.

Lesen Sie auch: So tricksen Neubrandenburgs Party-Macher die Behörden aus

Techno-Party mit 300 Teilnehmern

Mit seinem Hund war er auf dem Rückweg vom Jagen, als er die Musik hörte. Mehr als 300 Menschen feierten zu Corona-Zeiten mitten im Wald, fernab von Zivilisation und störenden Nebengeräuschen. Das war illegal, nicht nur wegen Corona, sondern auch wegen des Waldbrandrisikos.

Für Veranstalter wie Gäste hätte das ein Bußgeld bedeutet, doch Revierförster Torsten Loop hatte die Idee, mit einer Wiederaufforstungsaktion im Brodaer Holz „etwas Gutes zu tun für den Wald“ unweit der Stelle, wo die jungen Menschen gefeiert hatten. Am Weg von Belvedere nach Gatsch Eck hat die Trockenheit zahlreiche Fichten dahingerafft, „noch bevor der Borkenkäfer kam“, sodass eine wenig schön anzuschauende kahle Fläche entstand. „Diese bepflanzen wir mit 2500 Ahorn-Setzlingen“, erläutert Torsten Loop, der zusammen mit dem Leiter des Forstamts Neubrandenburg, Harald Menning, die Aktion begleitet.

Lesen Sie auch: Illegale Partys in Neubrandenburg – jetzt spricht ein Veranstalter

Baumschule sponsert Setzlinge

Kurz nach acht Uhr morgens waren schon die ersten 500 der jungen Bäume gepflanzt, die von einer Baumschule gesponsert wurden. Vom Ahorn erhoffen sich die Förster, dass diese Baumart besser mit den Folgen des Klimawandels klarkommt als die Fichten. Routiniert schwang unter anderem Karl (Name von der Redaktion geändert) den Spaten. Er hatte diese Party und noch weitere illegale Raves veranstaltet.

In jedem Fall wollen seine Mitstreiter und er dafür gerade stehen, was sie kaputt gemacht haben. „Bei unseren Partys achten wir eigentlich immer darauf, alles sauber zu hinterlassen“, sagt der junge Mann. So konnte er einige der Gäste dazu animieren, an der Aufforst-Aktion teilzunehmen.

Lesen Sie auch: Mit diesen wertvollen Bäumen wollen Förster Kasse machen

Jugendliche wünschen sich mehr legale Angebote

Den illegalen Partys habe er mittlerweile abgeschworen und überlege, sich in der Veranstaltungsbranche selbstständig zu machen, sagt er. Die jungen Teilnehmer der Pflanzaktion wünschen sich von und in der Stadt in jedem Fall mehr legale Angebote zum Feiern für ihre Altersgruppe. Für Partygänger Richard ist es auch nicht nachvollziehbar, dass die Partyszene wegen Corona „komplett lahmgelegt“ wurde. Das Ausweichen mit der Party in den Wald sei „aus der Not geboren“, führt der junge Mann an. Das Entgegenkommen des Försters mit der Pflanzaktion rechne er diesem hoch an.

Für Torsten Loop ist das gemeinsame Bäume pflanzen mit den jungen Partygängern eine Aktion, auf die er aufbauen möchte – etwa mit Bürgern oder Vereinen. Eine Spaziergängerin fühlte sich am Wochenende gleich zum Mitmachen animiert. Sie legt spontan ihre Nordic-Walking-Stöcke beiseite und griff sich einen Setzling. Als dieser eingesetzt und festgetreten war, befand Förster Loop: „Jetzt ist es auch Ihr Wald.“ Diesen Effekt erhofft er sich auch bei den jungen Partygängern.

zur Homepage