SICHERHEITSKONZEPT

Jugendliche stören Hochzeitsfeiern in Neubrandenburg

So manche Hochzeitszeremonie in Neubrandenburg musste unterbrochen werden. Die Stadt will jetzt dagegen vorgehen.
Das Friedländer Tor und mit ihm die Wallanlage hat sich offenbar zum Treffpunkt von Kindern und Jugendlichen gemausert. D
Das Friedländer Tor und mit ihm die Wallanlage hat sich offenbar zum Treffpunkt von Kindern und Jugendlichen gemausert. Die haben das Areal mitunter so in Beschlag genommen, dass Trauungen unterbrochen werden mussten, heißt es. Paulina Jasmer
Neubrandenburg.

Durch Bass-Boxen donnert die Musik. Jugendliche nutzen die Treppen zum Standesamt als BMX-Parcours. Auch die Wallanlage selbst wird zur Halfpipe. Lärm, Schmutz und auch Sachbeschädigungen haben in der vergangenen Monaten das Umfeld des Friedländer Tores bestimmt. Davon berichtete Oberbürgermeister Silvio Witt während des Pressegesprächs im Vorfeld des Hauptausschusses, der am Donnerstag tagen wird.

Der Verwaltungschef führt bizarre Situationen an: Denn aufgrund lärmender und fahrender junger Leute hätten gar Hochzeiten unterbrochen werden müssen. Daher verwundert dann wohl auch nicht die Vorlage, die die Stadtverwaltung zu diesem Punkt einreicht – und damit auch auf das kommunale Sicherheitskonzept verweist, das im Übrigen ebenfalls abschließend in der Ausschussrunde behandelt werden soll.

Neubrandenburg plant eine Art „Streetworker“

Zum „Schutz der Arbeitsfähigkeit des Standesamtes und der dort gelagerten Dokumente und Daten, Erhalt der denkmalgeschützten Wallanlage und Unterstützung der Interessen der Kinder- und Jugendgruppen vor Ort“ zieht die Stadt eine „präventive Projektarbeit“ in Betracht. „Früher nannte man das Streetworker“, so Silvio Witt. Über das Programm „Partnerschaft für Demokratie“ sollen hierfür Mittel eingeworben werden, sodass es keine direkten Auswirkungen auf den städtischen Haushalt habe.

Die Neubrandenburger Stadtverwaltung plant außerdem, drei neue Mitarbeiter fürs Ordnungsamt einzustellen. Ab dem Jahr 2021 sollen sie die Präsenz des Ordnungsamtes im gesamten Stadtgebiet verstärken. Auch dies sei als Quintessenz aus der Erarbeitung des Sicherheitskonzeptes hervorgegangen, so Silvio Witt. Die „gegenwärtigen“ Kontrollen würden sich „nur“ auf die Innenstadt und das Katharinenviertel/Südstadt beschränken. In den anderen Wohngebieten seien sie „nach personellen und organisatorischen Möglichkeiten nur bis maximal einmal die Woche fußläufig umsetzbar.

Fußstreife in jedem Stadtgebiet?

Bei mehr Personal könnte mindestens ein- bis zweimal die Woche eine Fußstreife in jedem Stadtgebiet unterwegs sein. Schwerpunkte der Kontrollen seien dann beispielsweise die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung oder auch Hundeangelegenheiten. Diese drei zusätzlichen Mitarbeiter würden pro Jahr 187.500 Euro kosten. Die Summe beinhaltet zunächst alle Eventualitäten. Enthalten sind also auch mögliche Kosten für Ausrüstung und Material. Noch sind die Stellen nicht ausgeschrieben. Im späteren Verfahren werden die neuen Mitarbeiter dann nach persönlicher Eignung tariflich eingruppiert.

Für das Jahr 2022 hat die Stadt nach Angaben von Silvio Witt geplant, die kommunalen Geschwindigkeitskontrollen auszuweiten. Momentan könnten an 120 Tagen im Jahr Messungen durchgeführt werden. Bei zwei zusätzlichen Mitarbeitern könnte dies auf 310 Tage erhöht werden. Nicht nur das: Es seien außerdem zusätzliche Tage, wie sonn- und feiertags möglich. Hier rechnet die Stadt mit Personalmehrausgaben in Höhe von 125.000 Euro.

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Kommentare (9)

In Greifswald wurden diese Gelder gestrichen. Nicht nötig. Wo ist denn die Alternative sich aufzuhalten - möglichst betreut damit kein Unfug passiert?!
Ein langfristiges Konzept sollte her. Dann klappt’s auch mit ungestörten Trauungen. Das Geld fürs Ordnungsamt bzw. die Stunden sollte man vielleicht nochmal überdenken. Dann gibts doch evtl nur eine Verlagerung des Treffpunkts?

So sehe ich es auch.
Die Skate-/BMX-Halle als Alternative wurde wegen nicht erfüllten Brandschutzauflagen geschlossen.
Lieber sollte in solche Projekte investiert werden, als drei neue Hilfssherrifs zu rekrutieren. Ich möchte aber auch anmerken, dass an besagter Stelle auf dem Wall bestimmt schon seid 10 Jahren, mal mehr mal weniger, gefahren wird.

Am Augustabad wird man täglich fast umgefahren und die Autos parken auf den Wiesen. Die Polizei fährt vorbei und macht die Augen zu..
Lieber Bürgermeister, könnte man da nicht auch vielleicht eine „präventive Projektarbeit“ in Betracht ziehen und vielleicht auch mal einen Mitarbeiter vom Ordnungsamt vorbeischicken? Währe echt toll, danke.

Dann mit dem Dudu Spaziergang fertig ist und noch Puste da ist bestimmt. Blitzer sollen ja auch langfristig helfen. Hat zwar nicht wirklich was mit der Problematik im Artikel zu tun, aber gibt es nicht auch eine Bürgersprechstunde? Ist ja nicht gesichert, das ihre Frage in den Kommentaren gelesen und geklärt werden kann.

oder auch Jugendsozialarbeit sollte auf jeden Fall ausgebaut werden.
Eines der großen Versäumnisse, insbesondere von CDU ist das diese Stellen gerade auch im ländlichen Raum so massiv gestrichen wurden. Insbesondere in den Ostdeutschen Länder. Und das schon seit Jahrzehnten mittlerweile.
Leider führt das dazu, das der Wert von guter Jugendarbeit total unterschätzt wird. Das führt dann zu so komischen Äußerungen, wie von Gina Korn.
Die deutschen Erdölreserven und Erzvorkommen sind begrenzt.
Wir können nur durch Bildung und Innovation punkten.
Dazu gehören eben nicht nur gut ausgestattete Schulen (und nicht so ein dusseliger Digitalpakt der nur wieder Konsum anheizt) sondern auch vernünftige Freizeittreffs. Diese müssen dann natürlich auch integrativ sein. Hier kann man viele Probleme rechtzeitig erkennen und gegensteuern.
Und man verschiebt die ganze Diskussion nicht um Jahre, wobei es dann nur noch um mehr Ordnungsamt, mehr Polizei und mehr Strafen geht.
Das kostet zwar alles Geld ist aber letztendlich eine wichtige Investition, die sich später auszahlt.
Fazit: Richtiger Ansatz vom OB, aber bitte weiterspinnen und Konzept erstellen.

Wenn Sie es bezahlen, super. Ich halte es für Verschwendung und mehr als Sinnlos. Hatten wir zu DDR Zeiten auch nicht und da gab es sowas nicht. Wir brauchen auch nicht mehr Polizei, wir brauchen Richter die unsere Gesetze anwenden und im Namen des Volkes verurteilen und nicht die Verbrecher alle Laufen lassen. Nicht zu vergessen einen anderen Oberstaatsanwalt.

es das zu DDR Zeiten nicht gab. Ich kann mich da noch gut an eine Folge von "Spuk im Hochhaus" erinnern - Jugendliche mit Kofferradios, frech und laut. Und die wird es immer geben. Wenn die Sache aus dem Ruder läuft, ist es sinnvoll, jemanden zu haben, der als Kontaktperson Zugang zur Gruppe hat und Einfluss nehmen kann. Was soll daran schlecht sein? Klar kostet das was, aber an Geld für Jugendarbeit wurde in dieser Stadt schon zu oft und zu viel gespart.

Man kann die Jugend ja aufheben bißchen verstehen. Wo sollen sie denn hin. Für Kids gibts Spielplätze aber wo können sich junge Erwachsene treffen. Der Gedanke mit dem Streetworker ist gut sollte aber ausgebaut werden. Zusammen ein Ort aufbauen wo sich Jugendliche treffen können in eigener Regie aber mit Unterstützung von Stadt.

und wenn das Geld nicht an falscher Stelle ausgegeben würde währe das längst normal. Ich stimme Ihnen da voll zu , nur ist ein Streetworker die falsche Person.