NEUES LEBEN

Junge Leute sanieren alten Bahnhof Altentreptow

Der Treptower Kleinbahnhof bekommt ein neues Leben. Ein Paar aus Neubrandenburg hat das Gebäude gekauft.
Maik Stöckmann und Wibke Martin freuen sich auf ihr Abenteuer, den Kleinbahnhof in ihr Zuhause zu verwandeln. Ihr zuk&uum
Maik Stöckmann und Wibke Martin freuen sich auf ihr Abenteuer, den Kleinbahnhof in ihr Zuhause zu verwandeln. Ihr zukünftiges Heim hat bereits die Hausnummer 17 erhalten. Martina Schwenk
Der Bauzaun steht schon. Im kommenden Jahr soll das Projekt Kernsanierung des Kleinbahnhofs beginnen.
Der Bauzaun steht schon. Im kommenden Jahr soll das Projekt Kernsanierung des Kleinbahnhofs beginnen. Martina Schwenk
Ein erstes Fundstück: So waren also die Postgebühren im Jahr 1932.
Ein erstes Fundstück: So waren also die Postgebühren im Jahr 1932. Martina Schwenk
Altentreptow ·

Es tut sich was am Kleinbahnhof. Das Haus neben dem Altentreptower Bahnhof wechselt den Besitzer. Ein Paar aus Neubrandenburg hat das Gebäude zu seinem zukünftigen Heim erkoren. Der Kaufvertrag ist unterschieben, was bleibt, sind noch Formalien. Vor den neuen Hausherren liegt jede Menge Arbeit. Eine Aufgabe, auf die sie sich freuen und die ihre Ideen noch weiter in die Zukunft schweifen lässt. E

Komplette Kernsanierung nötig

„Das ist unser Abenteuer“, sagen Wibke Martin und Maik Stöckmann mit stolzem Blick auf das leer stehende Haus, in das sie in Zukunft einziehen wollen. Wobei das noch eine Weile dauern wird. Mit etwa drei Jahren rechnet das Paar nach eigener Einschätzung, bis sie ihre derzeitige Wohnung in Neubrandenburg endgültig hinter sich lassen können. Denn eine komplette Kernsanierung ist beim Kleinbahnhof vonnöten.

Wände dämmen, Garten umgraben, Giebelverkleidung, Boden, Wände durchbrechen, Eingangstüren und vieles mehr – die Liste der Arbeiten ist lang. Die Treppe in das obere Stockwerk etwa muss erneuert werden, sagt Maik Stöckmann. Zum einen, weil sich mit den Jahren der Holzwurm am Material gütlich getan hat. Zum anderen, weil sie nur von außen nach oben führt. „Wir haben viele Eingänge“, schmunzelt Wibke Martin. Etwa einen zum Garten, einen anderen, der Richtung Bahnhof zeigt und früher wohl zum Kartenverkauf geführt hat, oder eben jenen zur maroden Treppe.

Verlassenes Grundstück als Mülldeponie genutzt

Im Obergeschoss war offenbar einst die Dienstwohnung, sagen die beiden, unten dagegen ging es geschäftig zu, neben dem Bahnhofsbetrieb gab es eine Poststelle. Die neuen Besitzer wollen das ganze Gebäude zum Wohnhaus machen. Denkmalschutz liegt nicht darauf, dafür ist vieles andere zu bedenken. „Da es so lange leer gestanden hat, muss es später den Standard eines Neubaus erfüllen“, erklärt Maik Stöckmann. Ebenfalls zu beachten: Das Haus ist derzeit noch von allen Anschlüssen wie Wasser und Strom abgeschnitten.

Ein Bauzaun ist schon aufgestellt, allerdings auch aus einem anderen Grund. Manch einer hatte das verlassene Grundstück als Mülldeponie genutzt. „Wir haben schon einiges an illegal entsorgtem Müll entfernt“, sagt Maik Stöckmann. Aber warum eigentlich einen leer stehenden Bahnhof kaufen? Das Paar hatte nach etwas Eigenem gesucht, nah an der Vier-Tore-Stadt.

Sie haben bereits weitreichende Ideen

„Wir wollten was mit Infrastruktur, aber kleiner als Neubrandenburg“, sagt Wibke Martin. Aufs Dorf allerdings zog es sie nicht. Als sie den Treptower Kleinbahnhof entdeckten, war es sofort um sie geschehen, berichtet das Paar. Genau dieses Haus musste es sein, die Stadt an der Tollense hatte es ihnen ebenfalls angetan. Die Geräuschkulisse durch den Schienenverkehr fürchten sie indes nicht. Da die Züge direkt gegenüber am Bahnhof halten, halte sich der Lärmpegel sehr in Grenzen.

Was noch für die Entscheidung sprach: Die Noch-Neubrandenburger lockt die Geschichte. Für Maik Stöckmann gehört Historie zudem zum Beruf. Seit September hat er eine Professur an der Hochschule Neubrandenburg inne, im Fachbereich Landschaftsplanung und Landschaftsinformatik. Sein Schwerpunkt: historische Kulturlandschaften. „Es ist eine Gegend mit Potenzial für ländlichen Tourismus“, sagt der Akademiker mit Blick auf die Stadt, die er zu seiner Heimat machen will.

Die Hausnummer 17 hat das Paar für das Wohnhaus bereits bekommen, die habe das Haus früher schon gehabt. Mit zu dem Gebäude gehört auch der ehemalige Busschuppen des Kleinbahnhofs. Derzeit ist noch eine Werkstatt drin, die aber in absehbarer Zeit ausziehen wird, sagt Maik Stöckmann. Für die zukünftige Gestaltung des Schuppens haben die neuen Besitzer bereits eine, wie sie sagen, wilde Idee, in die wieder die Liebe zur Historie einfließt: Perspektivisch könnte sich das Paar dort ein kleines Museum zum Kleinbahnhof vorstellen.

Die Öfen funktionieren nicht mehr

Ein entscheidender Punkt sei da natürlich, was an Ausstellungsstücken zu finden sei. „Wir sind sehr interessiert, mehr über die Geschichte zu erfahren“, sagt Wibke Martin. Das Paar sucht Kontakt zu Menschen, die im Kleinbahnhof vielleicht gewohnt oder gearbeitet oder solche Menschen gekannt haben und ihre Geschichten erzählen können. Und vielleicht auch Bilder haben. Theoretisch würde sich das gut im Museum machen, meint das Paar. Ein kleines Mysterium etwa liegt vor der Eingangstür: ein Grenzstein. Warum der wohl dort seinen Platz fand? Aber auch ab von den ersten Museumsplänen will das Paar mehr über die Vergangenheit seines künftigen Heims wissen.

Alte Kachelöfen zum Teil noch vorhanden

Dessen Sanierung steht ohnehin an erster Stelle. So originalgetreu wie möglich soll das Wohnhaus von außen werden, sagt Maik Stöckmann. Zwei zu DDR-Zeiten hinzugefügte Anhängsel – ein kleiner Anbau und ein Sanitärbereich – sollen weg, „damit die originale Form wieder sichtbar wird.“ Im leer geräumten Innenraum zeugen etwa Mauerlinien bei den Fenstern, wo einst die Handwerker die alten Fensterrahmen durch kleinere ersetzten. Die alten Kachelöfen sind teils noch da, einige aber beschädigt und können nicht mehr genutzt werden. Ein Glück für die neuen Besitzer: Es ist alles trocken und das Dach noch in Ordnung.

„Es ist wie ein Dornröschenschloss“, schwärmt Wibke Martin mit Blick auf ihr neues Haus. Wobei sie bestimmt oft über die Baustelle fluchen werde. „Und mich dann zum Beispiel über sowas freuen werde“, fügt sie an und zeigt stolz auf ein Stück Papier an der Wand. Darauf festgehalten ist die Auflistung der neuen Postgebühren, geltend ab dem 15. Januar 1932. Ein Fundstück, das auf jeden Fall erhalten bleiben soll und vielleicht in ein paar Jahren im Busschuppen seinen Platz bekommt.

Auf ihr bevorstehendes Abenteuer freuen sich Wibke Martin und Maik Stöckmann in jedem Fall. „Wir haben einen Bahnhof“, sagen sie stolz.

 

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Kommentare (1)

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