Eine Stadt und ihr Denkmal

Karl Marx soll flachgelegt werden

Das Denkmal von Karl Marx darf nach 17 Jahren Schattendasein wieder an die frische Luft. Aber geht es nach dem Willen der Stadtverwaltung, soll Schluss sein mit der aufrechten Haltung des Philosophen. Die Idee haut einige glatt um.

Nichts mehr mit dem Blick frei geradeaus über die Köpfe der Neubrandenburger hinweg. Das Neubrandenburger Karl-Marx-Denkmal soll zwar zum 200. Geburtstag des Mannes am 8. Mai wieder in die Freiheit entlassen und seinen neuen Platz an der Nordseite der Bibliothek finden, aber aufgestellt wird die 2,20 Meter große Statue trotzdem nicht. Marx, so die revolutionäre Idee, hat früher lange genug aufrecht gestanden. Nunmehr soll der bronzene Koloss in die Waagerechte – als liegende Figur. „Durch einen Sichtbeton-Sockel und eine filigrane Schulterstütze erhält das Denkmal eine Anmutung, die von liegend über schwebend bis fallend alle Interpretationen zulässt“, heißt es in dem Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung.

Ziel der erneuten Aufstellung sei es, den Betrachter der Figur mit deren Geschichte zu konfrontieren und eine kritische Auseinandersetzung mit dem Wirken Marx’ in Bezug auf Historie und Gegenwart zu befördern. Der Aufwand für die Gründung und Wieder-„aufstellung“ des Denkmals wird auf 25  000 Euro geschätzt. Private Spender hätten sich, so die Auskunft aus dem Rathaus, schon bereit erklärt, die Kosten zu übernehmen.

Nach Sanierung sollte Denkmal aufgestellt werden

Oberbürgermeister Silvio Witt hat den Ratsfrauen und Ratsherren im Hauptausschuss des städtischen Parlaments am Donnerstag den Vorschlag verkündet. Und die reagierten zunächst – zurückhaltend. Nicolas Mantseris (Grüne) und Beate Schult (Linke) sagten, es wäre gut, wenn über den Vorschlag breit debattiert werde. Ob der nun eher gut oder eher schlecht sei – darüber wollten beide noch kein Urteil fällen. Ratsherr Hans-Jürgen Schwanke (CDU) warf dafür den beiden „Feigheit vor dem Feind“ vor und nannte die geplante Aktion „Umpacken“. Jan Kuhnert (Linke) offenbarte sich als Gegner der Idee vom liegenden Marx. Dann, so der Stadtvertreter, fehle doch nur noch die Sonnenbank. Die Diskussion über den Philosophen in der Horizontale soll in der nächsten Wochen mit den Stadtvertretern im Kulturausschuss fortgesetzt werden.

Seit knapp 17 Jahren fristet das tonnenschwere Denkmal ein Dornröschen-Schicksal, liegt aufgebahrt auf einem Rollwagen in einem Schuppen der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft. Zuvor erfreute sich der Bronze-Marx stets großer Aufmerksamkeit, ob von 1969 bis 1995 auf dem gleichnamigen Karl-Marx-Platz, dem heutigen Marktplatz, oder die nächsten sechs Jahre vor der Bibliothek, bis er 2001 aus Sicherheitsgründen abmontiert wurde. Seinerzeit fasste die damalige Stadtvertretung den Beschluss, das Denkmal nach dem Ende der Sanierungen am und im Haus der Kultur und Bildung wieder in HKB-Nähe aufzustellen.

Thomas Beigang

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