Organisatorin Andrea Stahlberg fand selbst in Polen kein Mehl für Kuchen mehr.
Organisatorin Andrea Stahlberg fand selbst in Polen kein Mehl für Kuchen mehr. Tim Prahle
Kuchen für Ostermarkt

Kaum noch Mehl im Nordosten - Burg Stargarderin fuhr hunderte Kilometer

Erstmals seit 2017 wurde am Marie-Hager-Haus wieder Ostern gefeiert. Doch vor dem Fest musste eine Organisatorin Mehl für die vielen Kuchen besorgen – ein Kraftakt.
Burg Stargard

Andrea Stahlberg vom Marie-Hager-Kunstverein in Burg Stargard ist kürzlich gut 180 Kilometer mit dem Auto gefahren, um an Mehl zu kommen, das im Zuge der Ukrainekrise rar geworden ist. Sogar in Polen versuchte sie ihr Glück – erfolglos, wie sie dem Nordkurier erzählte. Im Zuge des Ostermarktes in Burg Stargard, der erstmals seit 2017 wieder stattfand, kamen allein am Sonnabend 300 Menschen zu Besuch. Im Vorfeld boten viele Burg Stargarder an, Kuchen zu backen. Doch das Wochenende rückte näher und es gab einfach kein Mehl. Also fuhr die ehrenamtliche Organisatorin Stahlberg vergangenen Mittwoch los, um Mehl zu besorgen.

Mehl stand wie Aktionsware da

Ehe Stahlberg mit vier Tüten Mehl nach Burg Stargard zurückkehrte, hatte sie hunderte Kilometer zurückgelegt. „Unsere erste Hoffnung setzten wir auf zwei Märkte in Polen, kurz hinter dem Grenzübergang Linken. Doch dort und auch in einem Lebensmittelladen gab es nichts mehr. Nächster Stopp wäre ein Großmarkt in Stettin gewesen. Doch auch dort gab es kein Mehl mehr, wie uns Menschen sagten, die uns entgegenkamen”, so Stahlberg.

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Zurück in Deutschland, fuhr sie sämtliche Läden entlang der B104 ab. Doch erst in Pasewalk wurde sie fündig. Das Kaufland hatte noch eine Palette Mehl stehen. Kunden durften maximal vier Packungen kaufen. Das tat auch Stahlberg. "„Die Palette war nicht mal eingeräumt, die stand gleich am Eingang. Als wäre es Aktionsware”, so Stahlberg.

Coronapandemie machte Veranstaltung unmöglich

Insgesamt rund 500 Besucher kamen zu dem Ostermarkt an Burg Stargards Kulturzentrum, der erstmals seit 2017 mit einigen regionalen Händlern wieder stattfand. Erst die Sanierung und dann die Coronapandemie hatten die Veranstaltung lange unmöglich gemacht.

So war das Fest an dem warmen Osterwochenende für einige die Möglichkeit, erstmals überhaupt das Marie-Hager-Haus zu besichtigen, in dem derzeit die Ausstellung zum 150. Geburtstag der Mecklenburger Malerin an den Wänden hängt. „Ich finde es wirklich super”, sagte etwa Christin Mahler. Die Neubrandenburgerin wohnt mittlerweile in Lübeck, kehrte über die Ostertage zur Familie zurück. Die Schwiegermutter aus Burg Stargard hatte ihr von dem Fest berichtet, das Haus sei für die Kleinstadt durchaus vorzeigbar, meinte die 40-Jährige. „Ein wirklich schöner Osterausflug”, sagte sie.

Endlich ein Treffpunkt

Der Marie-Hager-Kunstverein um Andrea Stahlberg hatte das zweitägige Fest allein organisiert, erhielt dafür auch Lob aus dem Rathaus. „Eine tolle Veranstaltung, genau so solle das Haus genutzt werden, sagte Bürgermeister Tilo Lorenz (CDU). Nach den Coronajahren solle das einst für eine knappe Million Euro sanierte Wohnhaus der Malerin nun endlich zu einem Treffpunkt werden. „Dafür müssen wir es in Burg Stargard selbst noch bekannter machen”, sagte Lorenz.

Stadt und Verein kümmern sich aktuell gemeinsam um das Kulturzentrum, doch vor allem die Ehrenamtlichen sorgen derzeit für Besucher, während die Stadt lange mit Personalproblem zu kämpfen hatte. „Wir werden uns da aber künftig sicher nicht mehr rausnehmen, sondern ebenfalls Veranstaltungen forcieren, sagte der Bürgermeister.

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