NACH SPIEL-ABBRUCH

Im Bericht kein Wort von Rassismus bei Fußball-Derby

Nach der heftigen Diskussion um das Neubrandenburger Fußball-Derby zwischen dem Syrer-Team von Motor Süd NB III und dem SV Blau-Weiß II stellte der Fußballverband nun klar, dass es keine rassistischen Ausfälle gegeben habe. Der Spiel-Abbruch hatte offenbar andere Gründe.
Roland Gutsch Roland Gutsch
KFV-Vorsitzender Peter Kiefer (l.): „In dem Spielbericht ist weder von Rassismus noch von Gewalt die Rede.“ Der Chef vom KFV-Spielausschuss Reinhard Wagenknecht (r.): „Nun ist das Sportgericht gefordert.“
KFV-Vorsitzender Peter Kiefer (l.): „In dem Spielbericht ist weder von Rassismus noch von Gewalt die Rede.“ Der Chef vom KFV-Spielausschuss Reinhard Wagenknecht (r.): „Nun ist das Sportgericht gefordert.“ Privat
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Neubrandenburg.

Eine Woche haben beide Mannschaften Zeit, um Stellung zum Bericht des Unparteiischen beim Sportgericht des Kreisfußballverbandes (KFV) Mecklenburgische Seenplatte zu beziehen. Fakt ist schon jetzt: Rassistische Ausfälle werden im Fall des Abbruchs der Kreisliga-Partie zwischen dem Syrer-Team vom SV Motor Süd Neubrandenburg III und dem SV Blau-Weiß Neubrandenburg II nicht verhandelt. „Weil es keine gegeben hat“, stellte der KFV-Vorsitzende Peter Kiefer am Mittwoch klar. „In dem Spielbericht ist weder von Rassismus noch von Gewalt die Rede.“

Zwei Tage zuvor hatte allerdings Reinhard Wagenknecht, Chef vom KFV-Spielausschuss, davon gesprochen, dass zu den Abbruch-Gründen „rassistische Ausfälle von Blau-Weiß gegen Motor Süd“ gezählt haben könnten. Wagenknecht sagte am Montag: „Wenn das wahr ist, sorge ich dafür, dass Blau-Weiß II nicht mehr am Spielbetrieb teilnimmt.“

„Nun ist das Sportgericht gefordert.“

Mittlerweile stellt sich die Situation anders dar. „Im Spielberichtsbogen war auf der ersten Seite zwar tatsächlich ,Gewalt/Diskriminierung‘ als Abbruch-Ursache angeklickt worden. Inzwischen liegt mir der Schiedsrichter-Bericht zu der Thematik vor, und in dem steht von Rassismus kein Wort. Es hat also in dieser Richtung nichts stattgefunden, das ist mir jetzt klar“, sagte Reinhard Wagenknecht am Mittwoch. „Nun ist das Sportgericht gefordert.“ Wagenknecht gehört zu jenen Fußball-Funktionären, die den SV Motor Süd Neubrandenburg bei dem Projekt unterstützten, die ausschließlich aus syrischen Einwanderern bestehende Mannschaft in den Seenplatte-Spielbetrieb zu bringen.

Eine Nordkurier-Veröffentlichung am Wochenbeginn zu dem Spiel-Abbruch löste eine heftige und kontroverse Debatte aus. Die Blau-Weißen verwahrten sich dagegen, mit rassistischen Äußerungen in Zusammenhang gesetzt zu werden. Vereinschef Andreas Tiedemann: „Wir sind keine Rassisten. In diese Ecke lassen wir uns nicht stellen.“

Trainer stürmte aufs Spielfeld

Der 15-jährige Referee – kurzfristig für einen erfahrenen Schiri-Kollegen, der sich unwohl fühlte, in bewusster Kreisliga-Partie eingesprungen – bestätigte dem Nordkurier, dass er die von Emotionen geprägte Begegnung auf dem Kunstrasenplatz am Weidenweg in Neubrandenburg in der 70. Minute wegen Rudelbildung und Schubsereien vorzeitig beendet hatte. Knackpunkt scheint eine Auseinandersetzung zwischen einem Motor-Süd-Angreifer, der drei der vier Treffer seiner Mannschaft erzielt hatte, und dem Blau-Weiß-Keeper gewesen zu sein. Danach brachen offenbar alle Dämme. Der Motor-Süd-Trainer und einige weitere Männer stürmten aufs Spielfeld, an verschiedenen Stellen bildeten sich Rudel, die Szenerie wurde unübersichtlich.

Schiedsrichter Brandt setzte das Stoppzeichen – Abpfiff. Keine leichte Situation für den Teenager. KFV-Vorsitzender Kiefer: „Er wird nun mit dem Erlebten nicht alleine gelassen. Natürlich kümmern wir uns um ihn.“ So sei er zu einer Maßnahme der Schiedsrichter-Fördergruppe des Kreisfußballverbandes am kommenden Wochenende eingeladen.

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Kommentare (3)

Sind alle Spieler und Betreuer pubertär, dass sie eigene Spieler aus den Rudeln nicht wegholen können und stattdessen die Gegner anmaulen und schubsen? Machen das Frauen im Fußball auch?

diesen politischen Irrsinn - es ist nur noch mehr Öl ins Feuer gießen - da nationale Interessen bei jedem einzelnen Spieler im Vordergrund stehen - siehe zeitweilige WM Abläufe - Rituale - usw

Wem nützt diese Posse?