PROTEST

Kleingärten in Neubrandenburg sollen Häusern weichen

Neubrandenburgs Stadtverwaltung schielt auf neues Bauland. Daher soll die älteste Kleingartenanlage der Stadt aufgelöst werden. Dagegen wehren sich die Gärtner mit deutlichen Worten an Oberbürgermeister Silvio Witt.
Thomas Beigang Thomas Beigang
Die allermeisten Kleingärtner aus dem Verein in Broda versammelten sich am Wochenende, um gegen den drohenden Abriss ihrer Lauben zu protestieren.
Die allermeisten Kleingärtner aus dem Verein in Broda versammelten sich am Wochenende, um gegen den drohenden Abriss ihrer Lauben zu protestieren. Thomas Beigang
Die Furcht der Kleingärtner in Worte gekleidet.
Die Furcht der Kleingärtner in Worte gekleidet. Thomas Beigang
Neubrandenburg.

Ende Januar liegen die meisten Kleingartenanlagen auch in Neubrandenburg verlassen da. In Broda ist jetzt alles anders. Auf dem Parkplatz des hiesigen Gartenvereins haben sich viele Dutzend Frauen und Männer versammelt. Die Kleingärtner sind am Sonnabend einem Aufruf ihres Vorstands zum Protest gefolgt. Der klingt dramatisch: „Finger weg von unserer Anlage. Kein Abriss – unsere Sparte muss erhalten bleiben“.

Die Sorgen der Kleingärtner sind berechtigt. Denn in der Neubrandenburger Stadtverwaltung wächst, wegen der hohen Nachfrage, der Appetit auf Bauland. Zu den Arealen, auf denen sich die Verantwortlichen im Rathaus künftigen Wohnungsbau gut vorstellen können, zählt Broda-Neukrug.

Zum allergrößten Teil gehört der Grund und Boden der Stadt. Der aber ist über einen Generalpachtvertrag den Kleingärtnern an die Hand gegeben – allerdings hieß es schon vor Jahren im Kleingartenkonzept der Stadt, dies müsse nicht für immer und ewig so bleiben. Nur – richtig ernst genommen hat das niemand. Denn schon seit 1886 wird hier auf kleinen Parzellen gewirtschaftet, mit großem Abstand zählt die Kleingartenanlage als die älteste in Neubrandenburg.

Von 131 Gärten steht keiner leer

Geht es nach dem Wunsch der Stadtverwaltung, sollen die Ratsfrauen und Ratsherren während der Stadtvertretersitzung am 8. Februar einen sogenannten Aufstellungsbeschluss fassen – die Voraussetzung für einen Bebauungsplan. Stimmen die Stadtvertreter dem Vorschlag zu, könnte hier ab 2020 gebaut werden.

Genau das erklärte Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt den aufgebrachten Kleingärtnern am Sonnabend auf deren Territorium. Viel Erfolg indes ist seinen Erklärungen nicht vergönnt – die Kleingärtner wollen und können ihn nicht verstehen.

Zu denen zählt, klar, auch der Vereinsvorsitzende Falko Rother. „Warum soll gerade bei uns gebaut werden? 131 Gärten existieren hier – und kein einziger steht leer. Sollen die doch woanders bauen“. Immerhin – von den rund 7500 Kleingärtenparzellen in Neubrandenburg liegen 1600 verlassen da. Aber zumeist in Gegenden, wohin es Bauwillige kaum zieht.

Das sieht in Broda-Neukrug anders aus, nur wenige Minuten von der Innenstadt auf der einen Seite und ein paar Hundert Meter vom schönen Tollensesee auf der anderen Seite entfernt. Das wissen die Pächter auch ganz genau. Schließlich bleiben in der Anlage seit vielen Jahren viele Gärten immer in „Familienbesitz“, werden von einer Generation an die folgende übergeben.

Regionalverband steht Gärtnern bei

Oberbürgermeister Witt bekommt harte Vorwürfe zu hören. Kleine Leute, so heißt es, würden beiseite geschoben, denn die könnten sich hier keine Häuser zu astronomischen Baupreisen leisten. Für „Geldsäcke“ hingegen schaffe die Stadt alle Voraussetzungen.

Thomas Schröder und Uwe Richter vom Regionalverband der Gartenfreunde stehen „ihren“ Kleingärtnern bei. Die beiden Männer, auch Stadtvertreter, wollen sich anstrengen, andere Kollegen aus dem städtischen Parlament auf ihre Seite zu ziehen, um das Vorhaben aus dem Rathaus abzuschmettern.

Die Kleingärtner wollen ihren Protest am 8. Februar, wenn die Stadtvertreter über sie beraten, fortsetzen.

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Kommentare (7)

die Stadt entscheidet wo gebaut werden kann auf eigenem Grund und Boden und nicht ein Vereinsvorsitzender einer Gartenkolonie!!! Alleine das Pachten eines Gartens bedeutet keine Besitzstandswahrung. "Sollen die doch woanders ihren Garten haben" fällt mir da spontan ein.

Sind Sie echt so abgehoben? Ich könnte auch sagen: Sollen die doch woanders bauen. Der westdeutsche Egoismus und Kapitaldenken ist scheinbar durch den Generationenwechsel angekommen. Wird Zeit das mal wieder ein Finanzcrash kommt und die ganzen Spekulanten und Möchtegernimmobilienbesitzer auf den Boden kommen. Wer heute alles baut, das glaubt man kaum. Hauptsache dickes Auto, riesen Haus und dann die Raten nicht zahlen können. Aber Hauptsache auf dicke Hose machen... Lächerlich... Die Menschen werden mit billigem Baugeld in die Schuldenfalle gelockt. Mal sehen wie sich das äußert wenn die ganzen Günstig-Finanzierungen auslaufen.

Irgendwie scheinst du vom baum gefallen zu sein und schaden genommen....

Es gibt genügend Altbau und Sanierungsflächen in Neubrandenburg. Das fängt schon mit dem Rathaus aus Kommunistenzeit an und hört mit maroden Neubauten auf. Guckt euch die Straßen in Neubrandenburg an, was da noch gebaut werden muss. Sollen sie dort ihr Engagement und Geld investieren, statt wieder funktionierenden Lebensraum der Menschen zu zerstören. Ist eben typisch NWO Politik und der Witt nennt sich noch als unabhängig. Der ist genauso Lobby wie die anderen Systemparteien auch.

Wie beispielsweise auch in Neustrelitz und anderen Städten versucht nun auch Neubrandenburg Geld mit ihren Flächen zu machen. Dabei schielt man ganz offenkundig auf die "schwachen" Vereine. Es ist in einigen Städten zu beobachten, das gebaut wird was das Zeug hält. Dabei ist man sich auch nicht zu schade das Vereinsleben zu zerstören. Gerade hier sind viele Menschen organisiert für die ihre 300 qm Gartenland meist der einzige "Luxus" ist. Aber Geld regiert die Welt. Neureiche und junge Familien werden mit günstigem Baugeld in die Schuldenfalle gelotst, die Stadt macht kurzfristig Geld und der kleine Mann guckt in die Röhre. Wird Zeit das die Immobilienblase platzt. Das ist nicht mehr gesund. Und der westdeutsche Egoismus ist bereits voll angekommen wenn man die Argumentation des OBI-Hoernchens so liest. Mal sehen wie lange die Geldsäcke oder die es mit Krediten finanzieren brauchen bis sie merken das man Geld nicht fi...en kann.

... wenn die Stadtvertreter beschliessen, eine gut funktionierende, stabile und volle Gartenkolonie platt zu machen und stattdessen das Land mit Baugrundstücken und Straßen versiegeln zu wollen. Diese Gartenkolonie ist Teil der urbanen, qualitativen Lebenskultur für einige hundert Städter. Zudem scheint der Boden sehr fruchtbar zu sein. Daraus Bauland und Asphaltstraßen zu machen bzw. überhaupt darüber zu sinnieren ist schon grauenvoll.

Eine so lange währende verpachtung kann man nicht von heute uf morgen aufheben, da gilt auch der bestandsschutz unabhängig vom sozialen Umfeld des gesamten erholungsgebietes. Ein unabhängiger Bürgermeister ist der OB schon lange nicht mehr. Die Finanzlobby hat ihn einverleibt mit Haut und Haar, sicher hat er auch etwas davon, nur eskommt nicht ans Tageslicht. Wer das Umfeld der Bürger entwertet siehe Marktplatzbebauung und jetzt wieder die Enteignung der Gartenbesitzer. sollte mal darüber nachdenken das nach der Wahl bereits vor der Wahl ist. Jedenfalls gibt es genug Bauland für die finanzlustige Szene wie gegenüber von Broda auf dem Acker, unterhalb des totgelegten Flugplatzes Trollenhagen, oder hinter dem Datzeberg im Tal der Ahnungslosen.....