Am Rande des Klinikumgeländes in Neubrandenburg haben Mitarbeiter Dutzende Kerzen entzündet. Durch die Aktion wollen
Am Rande des Klinikumgeländes in Neubrandenburg haben Mitarbeiter Dutzende Kerzen entzündet. Durch die Aktion wollen sie darauf aufmerksam machen, dass mit Einführung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht viele Kollegen ihren Dienst bald nicht mehr tun könnten. Mirko Hertrich
Kerzen und offener Brief

Klinikum-Mitarbeiter in Neubrandenburg warnen vor Impfpflicht

Über 150 Kerzen brannten am Montagmorgen vor dem Neubrandenburger Klinikum. Zudem ging ein Brief mit mehr als 400 Unterschriften raus an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, in dem sich Mitarbeiter gegen eine Impfpflicht wenden
Neubrandenburg

Mit Aktionen haben Mitarbeiter des Neubrandenburger Klinikums zu Wochenbeginn vor den personellen Folgen der Impfpflicht im Gesundheitswesen gewarnt. Bei einer Bushaltestelle am Klinikgelände stellten sie brennende oder elektrisch leuchtende Kerzen ab vor einem Transparent mit der Aufschrift: „Jedes Licht steht für einen Mitarbeiter des Klinikums, der ab dem 16.3. nicht mehr arbeiten dürfte.“ Zudem wurde ein offener Brief zu dem Thema an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) verschickt, den nach den Worten der Initiatoren 412 Klinikmitarbeiter unterschrieben haben. Die sogenannte einrichtungsbezogene Impfpflicht sieht vor, dass Beschäftigte etwa in Arztpraxen, Kliniken oder Pflegeheimen bis zum 15. März ihrem Arbeitgeber einen Nachweis vorlegen müssen über eine abgeschlossene Impfung, einen Genesenennachweis oder ein ärztliches Attest, dass sie nicht geimpft werden können.

Die Leitung des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums prüft derzeit nach Angaben einer Sprecherin noch, auf wie viele Mitarbeiter das zutreffen könnte. Sie dürften im schlimmsten Fall nicht mehr weiterarbeiten in dem Haus der Maximalversorgung mit rund 2500 Mitarbeitern mit Standorten in Neubrandenburg, Altentreptow, Neustrelitz und Malchin.

„Mitarbeitern freie Entscheidung lassen“

Jacob Herrmann, Mitinitiator der privaten Kerzenaktion-Aktion, geht davon aus, dass 10 bis 20 Prozent der Mitarbeiter des Klinikums davon betroffen sein könnten. Der Pfleger plädiert dafür, dass den Mitarbeitern die freie Entscheidung gelassen werden solle, ob sie sich impfen lassen wollten oder nicht. Seiner Ansicht nach fehlt für die Wirksamkeit der aktuellen Impfstoffe eine „evidenzbasierte Grundlage“, welche diesen „massiven Eingriff“ in das Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit rechtfertige. Mitarbeiter im Gesundheitsdienst könnten trotz Impfung Patienten infizieren, was seinen Worten nach zahlreiche Studien belegten.

Warnung vor „großer Versorgungslücke“

Das Infektionsrisiko durch Geimpfte ist ein oft vorgebrachtes Argument von Skeptikern. Laut aktuellen Angaben vom Robert-Koch-Institut ist die Virusausscheidung bei Personen, die trotz Impfung eine SARS-CoV-2 Infektion haben, kürzer als bei ungeimpften Personen mit Infektion. In welchem Maß die Impfung die Übertragung des Virus reduziere, könne derzeit nicht genau quantifiziert werden, hieß es.

Jacob Herrmann befürchtet, dass durch die einrichtungsbezogene Impfpflicht ab Mitte März das ohnehin schon sehr unter Personalmangel leidende Gesundheitssystem noch stärker geschwächt werden könnte, was nicht nur die Mitarbeiter betreffen würde, sondern auch die Patienten und deren Angehörige. Viele verbleibende Mitarbeiter hätten schon angekündigt, sich für den Fall einer solchen Mehrbelastung krankschreiben zu lassen, warnte der Pfleger.

„Wir haben als Kanonenfutter gearbeitet”

Teilnehmerinnen an der Aktion lehnten die einrichtungsbezogene Impfpflicht vehement ab. „Wir haben in der Pandemie als Kanonenfutter gearbeitet und werden jetzt bestraft“, beschwerte sich eine von ihnen, nachdem sie eine Kerze vor der Bushaltestelle an der Salvador-Allende-Straße abgestellt hatte. Eine weitere Teilnehmerin in Schwesterntracht monierte: „Vor zwei Jahren wurde noch für uns geklatscht und jetzt kriegen wir so einen Schlag ins Gesicht.“

Auch in dem offenen Brief an Ministerpräsidentin Schwesig warnen Initiatorin Katrin Hintze und die Unterzeichner, bei denen es sich laut Schreiben um Ungeimpfte, Geimpfte und Genesene handelt, dass die Durchsetzung der Impfpflicht in Gesundheitseinrichtungen eine „große Versorgungslücke“ hervorrufen werde. Sie pochten mit Bitte um Antwort auf Entscheidungsfreiheit beim Impfen und fordern eine „offene und realistische Information für die Bevölkerung, um eine weitere Spaltung zu vermeiden“.

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