Klinikum Neubrandenburg

Können tausende Unterschriften die Frühchen-Station retten?

Um ihre Station zu retten, sammelten die Klinik-Mitarbeiter eifrig Unterschriften. Tausende kamen zusammen. Doch kann das mehr sein als nur ein Achtungszeichen?
Fünf Wochen lang sammelten die Mitarbeiter des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums Unterschriften zum Erhalt ihrer Frühche
Fünf Wochen lang sammelten die Mitarbeiter des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums Unterschriften zum Erhalt ihrer Frühchen-Station. Tim Prahle
Wie viele andere sammelte auch der Neubrandenburger Maik Ohlenforst und übergab  Sven Armbrust von der Klinik für Ki
Wie viele andere sammelte auch der Neubrandenburger Maik Ohlenforst und übergab Sven Armbrust von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin mehr als 1000 Unterschriften Tim Prahle
Mitarbeiter wie der Pfleger Steven Kossel sammelten alleine etwa 1000 Unterschriften. Foto: Klinikum
Mitarbeiter wie der Pfleger Steven Kossel sammelten alleine etwa 1000 Unterschriften. Foto: Klinikum Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum/Anke Brauns
Neubrandenburg

Mindestens 11 000 Unterschriften in gerade mal fünf Wochen sind für den Erhalt der Frühchen-Station zusammengekommen. „Die Mitarbeitervertretung und die Krankenhausleitung sind sehr dankbar für die große Unterstützung aus der Bevölkerung und hoffen, dass dies dazu beiträgt, die sehr kleinen Frühgeborenen aus unserem ländlichen Raum auch künftig im Sinne der Familien wohnortnah mit hoher Qualität in unserem Haus versorgen zu können“, teilt das Klinikum auf Anfrage mit.

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Wegen einer Gesetzesänderung des Gemeinsamen Bundesausschusses ist das sogenannte Level-1-Perinatalzentrum in Neubrandenburg gefährdet. Ab 2024 dürfen solche Angebote nur noch in jenen Kliniken angeboten werden, wo mindestens 25 Frühchen mit einem Gewicht von maximal 1250 Gramm versorgt werden müssen. Das Neubrandenburger Bonhoeffer-Klinikum fiele da durch. Eltern müssten dann ins etwa 160 Kilometer weit entfernte Rostock, nach Schwerin oder Berlin ausweichen. Gegen diese Pläne wollen die Neubrandenburger ein Zeichen setzen – und erhielten breite Unterstützung. Parteien, Verbände, Autohäuser und Privatpersonen nahmen Listen mit und sammelten eifrig im eigenen Bekanntenkreis. Etwa Maik Ohlenforst, der am Freitag 1003 Unterschriften dem Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Dr. Sven Armbrust, überreichte. „Hoffen wir mal, dass was Gutes dabei rauskommt“, sagte der Vorsitzende des sich derzeit in Gründung befindenden Vereins „Kinderschutz Neubrandenburg.

1000 Unterschriften auf Herbstmarkt gesammelt

Mit den derzeit 11.000 Unterschriften sei noch lange nicht das Ende erreicht. Jetzt beginne erst das Auszählen, viele hätten die Listen noch gar nicht zurückgegeben. Die wahre Zahl dürfte entsprechend deutlich höher ausfallen.

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Für den großen Zuspruch sorgten nicht zuletzt die Mitarbeiter selbst. Steven Kossel, Pfleger auf der Frühchen-Station, sammelte jüngst auf dem Herbstmarkt in Carlshöhe ebenfalls 1000 Unterschriften. So ließe sich zumindest etwas Hoffnung schüren, sagt der 30-Jährige. „Man versucht halt irgendwie der Politik etwas auf die Füße zu treten“. Alle Unterschriften zusammen sollen „mit einem gemeinsamen Brief des Hauses an die Landesregierung geschickt werden mit der dringenden Bitte, sich beim Bund für eine verlässliche Ausnahmeregelung stark zu machen“, teilt das Klinikum mit.

Hoffen auf neue Landesregierung

Grundsätzlich gibt es eine Ausnahmeregelung bereits. Das Land kann das Klinikum theoretisch von den Mindestmengen ausnehmen – braucht dafür aber das Einverständnis der Kranken- und Ersatzkassen. Von dort erfuhr der Nordkurier in mehreren Gesprächen, dass die Mindestmengen zur Qualitätssicherung grundsätzlich als gute Sache angesehen werden.

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„Das stimmt ja auch“, betont Sven Armbrust vom Klinikum. Doch auch kleinere Einheiten könnten qualitativ hochwertig sein. Die Kliniken in MV müssten sich da keineswegs im Vergleich mit dem Bundesdurchschnitt verstecken, betont der Chefarzt. „Doch nun wird eine funktionierende Struktur zerstört.“

So bleibe aktuell nur die Hoffnung, dass die Unterschriften etwas bewirken. Und eine neue, möglicherweise rot-rote Landesregierung sich des Themas ebenfalls annimmt. Denn gerade die Linke hatte noch am Vortag des Wahltages ebenfalls Unterschriften für den Erhalt der Frühchen-Station gesammelt.

 

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Kommentare (7)

zu wenige Frühchen! Was hülfe wäre nur Kinder zu machen.

verändern gar nichts

Es geht lediglich darum, der Politik zu signalisieren, dass den Menschen hier in der Region eine wohnortnahe und qualitativ gute Versorgung der Kleinsten wichtig ist... dafür engagieren sich die Mitarbeiter der Klinik.

Ich kenne leider nicht die Zahlen, welche mit zu schließenden Frühgeburtenstationen zusammenhängen, aber hier zählt wieder Mal nicht der Mensch, ich kenne das Gefühl, wenn das eigene Kind erst "aufgepäppelt" werden muss und ich möchte nicht wissen, welche Wut ich im Bauch hätte, wenn ich dann ca. 160 km fahren müsste um nach meinem Kind zu sehen.
Abgesehen von dem Schwachsinn dass zig Leute in Deutschland in Zeiten des Klimawandels in diesem Zusammenhang hunderte von Kilometern zusätzlich mit dem PKW unterwegs sein müssen.
Schönen Gruß an die geistigen Mittäter an diesem Unsinn.

nur noch in die großen Städte verlagert. Erst wird in den Dörfern alles platt gemacht. Dann folgen die Klein - und Mittelstädte. Alles dreht sich in dem so beschworenen reichen Deutschland nur ums Geld und der Mensch interessiert nur noch wenn es um seine Wählerstimme geht. So wie im vor Kommentar geschrieben, werden die Leute auf der Suche nach medizinische Behandlung quer durchs Land gejagt und dann redet die Politik von CO2 sparen und die Umwelt schonen alles nicht nachvollziehbar.

BRD ist nicht Deutschland ...
Alle Menschen irren in diesem Land ...

Souveränität geht anders ...
Mit der Geschichte beschäftigen denn wird einem einiges klar ...
Alles andere sind Wirrköpfe und können einem nur leid tuen ...