Pro oder contra
Kollektiver Ungehorsam gegen weitere Windräder?

Die weitere Zerspargelung der Lebensräume im Amtsbereich Treptower Tollensewinkel will die Arbeitsgruppe "Windkraft" nicht hinnehmen.
Die weitere Zerspargelung der Lebensräume im Amtsbereich Treptower Tollensewinkel will die Arbeitsgruppe "Windkraft" nicht hinnehmen.
dpa

Welche Möglichkeiten haben Gemeinden, gegen die Ausweisung von Windeignungsräumen in ihren Territorien vorzugehen? Ein Penzliner Windkraftgegner schenkte Gnevkowern  und Gästen reinen Wein ein.

Wenn es um den Bau weiterer Windräder geht, wird der Begriff Demokratie zur Phrase, haben Bürger nichts zu sagen – davon sind nicht nur Bewohner der Gemeinde Gnevkow überzeugt. Etliche kamen am Donnerstag zur Inforunde, in der es um den Entwurf des Regionalen Planungsverbandes Mecklenburgische Seenplatte und künftige Windeignungsräume ging. Danach soll Gnevkow zwei Standorte erhalten. „Nicht mal für ’ne Million Euro“, sagte Bürgermeister Karl Heller (WGLR) und kündigt Widerstand an. Die Grenze des Zumutbaren sei im Amt Treptower Tollensewinkel, in dem sich fast 100 Windräder drehen, längst erreicht, sagt er.

Nur, wie organisiert man nachhaltigen Protest? Das wollten Gnevkower und Gäste von Norbert Schumacher wissen. Er kämpft seit Jahren in der Bürgerinitiative für ein „Lebenswertes Penzlin“ gegen die weitere Verspargelung der Kulturlandschaft in der Mecklenburgischen Seenplatte. Doch Schumacher verwies auf einen komplizierten Kampf. „Was Sie brauchen sind zwei Dinge: Einen ganz, ganz langen Atem und kollektiven Widerstand“, riet er. Wenn jeder allein versuche, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, erreiche er gar nichts. Die Lobby der Windmüller sei einfach zu stark. Das Komplizierte der Windkraftmaterie:  Gegner müssten gegenüber Behörden nachweisen, dass Kriterien zur Ausweisung von Eignungsräumen falsch seien. Dafür brauche man aber Gutachter, die kosten Geld und das hätten Kommunen heute nicht mehr. Deshalb wäre es von Nutzen, „wenn sich nicht nur die betroffenen Gemeinden zusammenschließen, sondern alle im Amt und eine Dachorganisation gründen“, riet der Penzliner. Nur kollektiver Ungehorsam würde Eindruck machen.

Altentreptows Bürgermeister Volker Bartl sieht im Zusammenhalt aller Gemeinden eine mögliche Chance vor einer weiteren Zupflasterung mit Stromspargeln. Die eigens für Windkraft gebildete Arbeitsgruppe sollte nach Wegen suchen dem zu begegnen. Für ihn sei Heimat, in der man gern lebe, wichtig. Zur nächsten Beratung der Arbeitsgruppe sollten alle Bürgermeister eingeladen werden, rät Pripslebens Bürgermeister Kai-Uwe Zirzow und erntet Zustimmung.