RWN-GELÄNDE

Kommt Edeka ins alte Panzer-Reparaturwerk?

Pläne für eine Markthalle mit einem namhaften Hauptmieter und regionalen Produkten lassen die Einzelhandelsbranche in Neubrandenburg aufhorchen. Wäre der Innenstadt-Handel gefährdet?
Einkaufen im Industrieambiente: Wo früher Panzer repariert wurden, könnten Plänen zufolge in Zukunft regionale
Einkaufen im Industrieambiente: Wo früher Panzer repariert wurden, könnten Plänen zufolge in Zukunft regionale Lebensmittel angeboten werden. RWN Projekt GmbH & Co. KG
Neubrandenburg.

30 Jahre nach der Wende dümpelt das in schönster Seelage gelegene ehemalige Reparaturwerk Neubrandenburg (RWN) weiter vor sich hin. Zwar sind zahlreiche Gewerbe eingemietet, doch namhafte Neubrandenburger Investoren wollen dem Ex-Rüstungsbetrieb, in dem zu DDR-Zeiten Panzer für die Staaten des Warschauer Pakts repariert wurden, neues Leben einhauchen. Sie planen ein urbanes Quartier, dessen Herzstück ein großer Bauernmarkt in einer ehemaligen Panzerhalle sein soll – als Plattform für regionale Erzeuger.

Konkurrenz durch Markthalle?

Schon vor der heute geplanten Vorstellung im Stadtentwicklungsausschuss schlug das Konzept hohe Wellen. Denn nicht nur die umliegenden Supermärkte in der Südstadt bangen, dass angesichts der Konkurrenz durch die Markthalle mit 6.000 Quadratmetern Fläche und 400 Plätzen die Kundschaft wegbleibt, auch die Innenstadt fürchtet, dass eine solche Halle den Publikumsverkehr umleitet.

Nach einer ersten Vorstellung in Ausschüssen der Stadt Ende Mai haben die Neubrandenburger Investoren um Bernd Herrmann und Thorsten Viebke das Konzept nachgebessert und Anfang dieser Woche vor Vertretern der Werbegemeinschaft Innenstadt, der IHK Neubrandenburg sowie der Handelskammer und dem Marktplatz Center noch einmal vorgestellt.

Von den ursprünglichen Plänen, neben einem Vollsortimenter auf 2.800 Quadratmetern auf 1.400 Quadratmetern einen Discounter mit aufzunehmen, sind die Investoren, die das denkmalgeschützte Areal 2014 übernommen haben, mittlerweile abgerückt. „Wir wollten einen solchen Markt eigentlich nie haben, das war damals eine Entwicklungsstufe“, sagte Bernd Herrmann.

Mit Edeka und Rewe im Gespräch

Dafür ließ er durchblicken, dass mit Edeka und Rewe schon zwei große Vollsortimenter als potenzielle Mieter im Gespräch seien. Er betonte zugleich, dass es bei dem „Stadt-Land-Foodcourt“ rein um Lebensmittel gehe. Dieser soll aus mobilen sowie fest installierten Ständen bestehen, auf denen die seinen Worten nach 250 lokalen Vermarkter der Region ihre Produkte anbieten könnten.

Mit Bäckerketten-Inhaber Bernd Kowaleski präsentierten die Investoren einen möglichen Mieter. Er könnte sich auf 500 Quadratmetern eine Schaurösterei als „gläserne Lebensmittelmanufaktur“ vorstellen. „Bei günstigen Mietpreisen“, wie er wiederholt betonte. In der Innenstadt ist es seiner Darstellung nach aufgrund der hohen Mieten nicht möglich, ein solches Projekt rentabel zu betreiben.

Zu der Runde hatten die Investoren geladen, nachdem sie von der Werbegemeinschaft Innenstadt erfahren hatten, dass sich die „Platzhirsche“ schon bei der Stadt gegen das Projekt positioniert haben. Denn einerseits sieht das Einzelhandelskonzept an dem Standort keinen Lebensmittelhandel vor, zum anderen müsste das Baurecht geändert werden.

Nein zu den Plänen auch von der IHK

Tino Beig vom Handelsverband Nord in Neubrandenburg machte aus seiner Ablehnung keinen Hehl. „Wir verlieren dadurch die Nahversorgung und die Innenstadt.“ Er gab zu bedenken, dass die Halle unter anderen den Wochenmarkt und den Grünmarkt gefährden würde, welche den Einzelhändlern in der Innenstadt zusätzliche Kunden brächten. Auch der Center-Manager im Marktplatz-Center, Ralph Teuber, warnte davor, die erfolgreiche Entwicklung der Neubrandenburger Innenstadt zu gefährden. Ein Nein zu den Plänen kam auch von der IHK.

Bernd Herrmann erwiderte, dass sich das Konzept der Markthalle mit hochwertigen Lebensmitteln vor allem an überregionale Kunden wende und auch Touristen anlocken solle. Er gehe davon aus, dass die älteren Menschen in der Südstadt weiter etwa im Kaufhof Süd einkaufen gehen.

Michael Schröder sagte, persönlich finde er das Projekt interessant. Für ihn als Citymanager sei es allerdings der falsche Standort. Er würde sich eine solche Markthalle mit regionalen Produkten in der Innenstadt wünschen. Neu waren für ihn Pläne, wonach neben der denkmalgeschützten Panzerhalle auf dem RWN-Gelände ein urbanes Wohngebiet mit 500 Einwohnern geplant ist, mit dem Projektleiter Torsten Viebke nach eigenen Worten junge Leute zurück nach Neubrandenburg locken will. Michael Schröder lud als Annäherungsvorschlag die Investoren ein, ihre gesamten Pläne beim nächsten Stammtisch der Werbegemeinschaft Ende Oktober vorzustellen.

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Kommentare (2)

"Auch der Center-Manager im Marktplatz-Center, Ralph Teuber, warnte davor, die erfolgreiche Entwicklung der Neubrandenburger Innenstadt zu gefährden. Ein Nein zu den Plänen kam auch von der IHK."
Was ist der Herr Teuber für ne Nase. Die Neubrandenburger Innenstadt hat sich durch Inzucht selbst zerstört. Und dazu hat der Herr Teuber und sein Center einen wesentlichen Anteil beigetragen. Und die die das genehmigen natürlich auch.

Ich finde es einfach lächerlich, wie sich die Innenstadt bei diesem Projekt überhaupt angesprochen fühlt. Und der Handelsverband Nord und die IHK sich dagegen positionieren. Diese generelle Abwehrhaltung stört mich sehr. Eine faire Auseinandersetzung mit diesem Konzept, Möglichkeiten einer Zusammenarbeit (Innenstadt/Markthalle RWN) sollte dabei doch mehr im Fokus stehen, als das engegenkommene Gespräch der Investoren mit absoluter Ablehnung zu begegnen. Die Stadt Neubrandenburg mit so einem Projekt (als Teilkonzept für das gesamte RWN-Areal) nach vorne bringen und nicht immer alles im Sinne der Innenstadt aufgeben oder opfern. Und bei einem konstruktiven Austausch und offenen Umgang, können im Endeffekt alle Seiten davon profitieren, auch die Innenstadt.