Kommentar

Komplett offener Weberglockenmarkt – was soll das?

Aller Voraussicht nach wird am Mittwoch der Weberglockenmarkt starten. Ohne ernsthafte Beschränkungen. Das ist unverantwortliches (Nicht-)Handeln, findet unser Kommentator.
Am Mittwoch soll der Neubrandenburger Weberglockenmarkt öffnen – ohne Zugangsbeschränkungen.
Am Mittwoch soll der Neubrandenburger Weberglockenmarkt öffnen – ohne Zugangsbeschränkungen. Simon Voigt
Neubrandenburg

Während alle über die nächsten Beschränkungen reden, winkt beim Neubrandenburger Weberglockenmarkt die große Freiheit. Das einzige „2G” bedeutet hier soviel wie Glühwein und Gemütlichkeit. Bei „3G” kommt noch die gute Laune dazu. Letztere dürften vor allem bei jenen aufkommen, die eine Corona-Impfung oder einen Negativtest so unliebsam behandeln wie geschenkte Socken und Krawatten unter dem Weihnachtsbaum. Nur ohne das höfliche Lächeln.

Anzeige wegen fahrlässiger Tötung?

Alle anderen dürfen sich verwundert die Augen reiben, dass in Neubrandenburg das nächste gallische Weihnachtsdorf besteht, in dem trotz höchstmöglicher Corona-Warnstufe Abstand das einzige Gebot ist – in einer Zeit, in der selbst Geimpfte ihre Mitmenschen noch anstecken können. Zurecht, wenn womöglich auch etwas übertrieben, meldeten sich bereits entgeisterte Leser beim Nordkurier. „Wollen die denn die ganze Stadt ausrotten?”, fragte einer, der schon über eine Anzeige wegen fahrlässiger Tötung nachdenkt. Und: „Wie können wir den Markt stoppen?” Ohne sich am Mittwoch an das Riesenrad ketten zu müssen.

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Wir können nicht bis Dezember warten

Das es soweit kommen konnte, hat einen simplen Grund. Zugangsbeschränkungen wären kaum bis gar nicht zu kontrollieren, es bliebe also nur die komplette Absage. Weder das Gesundheitsamt des Landkreises noch die Veranstalter wollen dafür die Verantwortung übernehmen, sondern zeigen mit dem Finger lieber stur nach Schwerin. Halten sie sich doch strikt an Recht und Gesetz, was dieser Tage zuvorderst die Corona-Landesverordnung ist. Sie lässt die Offenheit zu. Und sie gilt irrwitziger Weise bis Mitte Dezember, ohne sich wirklich über Weihnachtsmärkte Gedanken zu machen.

Wir können nicht bis Mitte Dezember warten. Wenn Kommunen und Veranstalter sich derart eng am Land orientieren, muss dieses früher, so schnell wie möglich flexibel auf die aktuelle Corona-Situation reagieren. Schon an diesem Dienstag tagt das Schweriner Landeskabinett und verkündet möglicherweise schärfere Maßnahmen - auch die Weihnachtsmärkte betreffend. Die Neubrandenburger Freiheit könnte damit von kurzer Dauer sein.

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Werden uns die Weihnachtstage vermiest?

Das könnte schmerzlich werden, besonders für die Händler. Doch die Alternative ist, dass der Neubrandenburger Weihnachtsmarkt und andere bis Mitte Dezember laufen und dann womöglich vorzeitig beendet werden. Dem Virus reichen die drei Wochen selbstredend, um sich weiter auszubreiten. Dann könnten womöglich noch härtere Beschränkungen die Weihnachtsfeiertage wieder komplett vermiesen. Stichwort: Lockdown.

 

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