ÜBERNAHME

Konzern aus Japan kauft Neubrandenburger Firma

Neubrandenburger Firmen sind weltweit erfolgreich. Nun hat ein globaler Gesundheitkonzern einen erfolgreichen Hersteller von Dialyse-Konzentrat übernommen.
Seit 2008 stand Irmtraud Steinert als Geschäftsführerin an der Spitze des Unternehmens MTN Neubrandenburg, mit der R
Seit 2008 stand Irmtraud Steinert als Geschäftsführerin an der Spitze des Unternehmens MTN Neubrandenburg, mit der Regelung ihrer Nachfolge will sie die Zukunft des Unternehmens sichern. Mirko Hertrich
Neubrandenburg.

Medizintechnisches Know-how aus Neubrandenburg stößt auf Interesse bis nach Fernost. Die Nipro Gruppe aus Japan ist über ihre Tochtergesellschaft Nipro Medical Europe NV beim Unternehmen MTN Neubrandenburg GmbH eingestiegen, einem global agierenden Hersteller von Dialyse-Konzentrat mit Sitz im Ortsteil Weitin. Geschäftsführerin Irmtraud Steinert informierte die rund 70 Mitarbeiter in einem Schreiben darüber, dass der Vertrag über den Verkauf der Gesellschaftsanteile der MTN Neubrandenburg an die Nirpo Medical Europe MV Ende Mai unterzeichnet worden sei.

Irmtraud Steinert zeigte sich im Gespräch mit dem Nordkurier zufrieden, dass die Regelung der Unternehmensnachfolge gelungen und die Zukunft des Unternehmens gesichert sei. „Die Genehmigung durch die Regulierungsbehörden steht zwar noch aus, mit dem Vollzug des Vertrags wird aber innerhalb der nächsten drei Monate gerechnet“, sagte die Managerin dem Nordkurier.

Sie unterstrich, dass der Verkauf der Geschäftsanteile auf die bestehenden Arbeitsverträge der Mitarbeiter der MTN Neubrandenburg GmbH keine Auswirkungen haben wird. Der Betriebsrat bleibe ebenfalls im Amt und die bestehenden Betriebsvereinbarungen würden unverändert weiter gelten. Auch Personalabbau oder sonstige Personalmaßnahmen seien infolge des Verkaufs nicht geplant.

Unternehmen ist mittlerweile weltweit tätig

Seit Jahrzehnten arbeitet Irmtraud Steinert in dem Unternehmen. Die Firma ist aus dem VEB Pharma Neubrandenburg hervorgegangen und wurde 1991 vom schwedischen Gambro-Konzern übernommen. 2008 hat die Neubrandenburgerin die Firma durch einen sogenannten Management-Buyout selbst übernommen. „Damals hat man uns eine Zukunft von fünf Jahren vorhergesagt“, sagt sie.

Doch entgegen den Prognosen ist das Unternehmen gewachsen und hat mittlerweile Kunden weltweit von Großbritannien über Libyen, die Ukraine und Israel bis hin nach Hongkong, aber auch in der Vier-Tore-Stadt. „Unsere Kunden schätzen unter anderen, dass wir flexibel auf ihre Wünsche reagieren“, sagt die Geschäftsführerin. Die jährliche Produktion reicht für die Behandlung von rund 70 000 Dialyse-Patienten.„Bei der Übernahme durch Nirpo Medical Europe spielte auch unser guter Ruf eine große Rolle“, erläuterte Irmtraud Steinert. Vor ihrem 60. Geburtstag in diesem Jahr wollte sie die Firmennachfolge geregelt wissen. Dabei war ihr die globale Ausrichtung wichtig. Über eine Anwaltskanzlei ließ sie zunächst anonym bei 20 potenziellen Firmen anfragen, wobei sie großen Wert darauf legte, dass die strategische Ausrichtung auch zu ihren Vorstellungen passt, um die Zukunft des Neubrandenburger Standorts zu sichern.

"Übernahme als Chance sehen”

Letztlich fiel die Wahl auf Nipro Medical Europe NV. „Die Verhandlungen in Corona-Zeiten waren nicht einfach, aber jetzt sind wir glücklich und zufrieden, dass es geklappt hat“, sagt die gelernte Apothekerin, die zur Feier des erfolgreichen Vertragsabschlusses Blumengrüße erhielt. Sie begreift die Übernahme als Chance und Herausforderung für die Mitarbeiter und geht fest davon aus, dass diese sich auch beim neuen Eigentümer gut einbringen können, der so von den Erfahrungen und Kompetenzen der Neubrandenburger profitieren könne und wolle. „Es ist eine Win-Win-Situation.“

Dem Unternehmen bleibt Irmtraud Steinert nach Rechtsgültigkeit des Vertrags noch zwei Jahre als Geschäftsführerin erhalten, um den Integrationsprozess zu gestalten. Danach will sie nach den aufreibenden Jahren an der Firmenspitze kürzer treten und sich ihrem Mann und dem Rest der Familie widmen und reisen. „Oder einfach mal mit einem Glas Wein im Garten in der Sonne sitzen“, sagt sie mit einem Lächeln.

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