GESETZESÄNDERUNG

Kritik an Ausnahmen beim Umpolungs-Verbot

Sexuelle Orientierung ist keine Krankheit. Der Bundestag hat deshalb die sogenannte Konversionstherapie per Gesetz verboten. Doch die Ausnahmen werden auch in Neubrandenburg kritisiert.
Am Sonntag erstrahlt das Neubrandenburger HKB in Regenbogenfarben.
Am Sonntag erstrahlt das Neubrandenburger HKB in Regenbogenfarben. ZVG/Stadt Neubrandenburg
Neubrandenburg.

Es sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Dennoch stoßen die „großen Ausnahmen“ im kürzlich vom Bundestag beschlossenen „Gesetz zum Schutz vor Konversionsbehandlungen“ auf Kritik und sorgen für gemischte Gefühle beim Neubrandenburger Verein queerNB und der Beratungsstelle rosalila.

Konversionsbehandlungen zielen darauf ab, die sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität einer Person zu verändern oder zu unterdrücken. Das Gesetz untersagt eine solche Behandlung an Personen unter 18 Jahren zwar generell und stellt dies auch unter Strafe. Trotzdem dürfen Eltern auch weiterhin ihre homo-, bi- oder transsexuellen Kinder zu heilen versuchen, wenn sie dabei „nicht ihre Fürsorge- oder Erziehungspflicht gröblich verletzen“, so das Gesetz. Die Behandlung von Volljährigen soll weiterhin erlaubt bleiben, es sei denn, es liegt ein sogenannter Willensmangel vor – etwa durch Täuschung, Irrtum oder Zwang.

Verband fordert generelle Strafbarkeit

Das wird unter anderem vom Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) kritisiert. „Für eine effektive Ächtung fordert der LSVD die Einführung einer Schutzaltersgrenze von mindestens 26 Jahren sowie eine generelle Strafbarkeit auch von Erziehungsberechtigten bei der Mitwirkung an diesen Umpolungsmaßnahmen. Denn mit einer Einwilligung wird die Fürsorge- und Erziehungspflicht nicht nur in Ausnahmefällen, sondern immer gröblich verletzt“, erklärt Gabriela Lünsmann, Mitglied im Bundesvorstand des LSVD.

In einer Pressemitteilung der Grünen im Bundestag heißt es, dass der „vorgelegte Gesetzentwurf eine große Enttäuschung“ ist. Denn der Schutzbedarf von Menschen zwischen dem 18. und 26. Lebensjahr sei mit dem Minderjähriger vergleichbar. Das zeigen gerade die Coming-Out-Verläufe und familiäre Abhängigkeiten von jungen Erwachsenen, heißt es. Doch der Änderungsantrag, die Altersspanne auf 26 Jahre zu erweitern, wurde im Bundestag abgelehnt. Es sei zu befürchten, dass aufgrund erheblicher Mängel im Gesetz ein effektiver und konsequenter Schutz für Lesben, Schwule, bisexuelle und transgeschlechtliche Menschen nicht erreicht werden kann.

HKB-Turm erstrahlt als Regenbogen

Der Sozialpädagoge André Sandmann vom Bildungsträger rosalila bezeichnet das Gesetz als „einen längst überfälligen Schritt.“ Zugleich fordert er, „dass dies auch von den Behörden vor Ort durchgesetzt werden muss. Mir sind in den 30 Jahren meiner Arbeit auch in der Region Neubrandenburg immer wieder Befürworter von Konversionsbehandlungen begegnet.“

Marcel Spittel vom Verein queerNB sagt: „Homo-, Bi- und Transsexualität sind keine Krankheiten. Die Pseudo-Therapien und Heilungsversprechen sind irreführend und gefährden im schlimmsten Fall die betroffenen Personen. Das Gesetz ist daher nur ein erster Schritt in die richtige Richtung. Dass kein vollständiges Verbot beschlossen wurde, zeigt, wie tief Homo-, Bi- und Transphobie nach wie vor in unserer Gesellschaft verwurzelt sind.“

Um darauf aufmerksam zu machen, lässt queerNB gemeinsam mit Neubrandenburg am Sonntag zum Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDaHoBiT) den HKB-Turm als Regenbogen erstrahlen.

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Kommentare (3)

Mich interessiert lieber das Liebesleben der Ameisen.

Ich weis nicht was daran normal sein soll wenn auf einer Wiese die Bullen alle auf Bullen springen. Ich würde meinem Kind sagen, da ist etwas nicht in Ordnung. Zu behaupten, dass das völlig normal ist kann ich nicht folgen.

dass sie sich nicht für die Meinung des Karpfen interessieren.