Die Burganlage ist seit März wieder vollumfänglich geöffnet. Und macht dennoch Sorgen.
Die Burganlage ist seit März wieder vollumfänglich geöffnet. Und macht dennoch Sorgen. Tim Prahle
Beim Krummen Haus ringen Stadt und Land noch um eine Lösung.
Beim Krummen Haus ringen Stadt und Land noch um eine Lösung. Tim Prahle
Erst im Januar waren wieder einmal Teile des krummen Hauses abgebrochen.
Erst im Januar waren wieder einmal Teile des krummen Hauses abgebrochen. Tim Prahle
Tourismus

Krummes Haus in Burg Stargard in Schieflage

Die Stadt Burg Stargard wirkt mit der namensgebenden Burg finanziell weiterhin überfordert und hat mit den Schäden am Krummen Haus nun ein akutes Problem.
Burg Stargard

Pünktlich zum März ist auch die Stargarder Höhenburg wieder geöffnet. Museum, Burgturm sowie der Wurz- und Kräutergarten können nun täglich wieder von 10 bis 17 Uhr betreten werden, an Feiertagen und Wochenenden finden wieder Führungen statt. Eine dahin gehende Ankündigung der Stadt auf der eigenen Internetseite lässt wenig Zweifel an dem Stolz, den die Kommune für ihre Burg verspürt.

Doch über die aktuellen Sorgen kann das nicht hinwegtäuschen. Vor mehr als fünf Wochen brachen wieder einmal Teile des Krummen Hauses ab – und offenbarten eine jahrelang anhaltende Patt-Situation, die rund um die Burg herrscht. Denn längst sollte das Krumme Haus wieder aufgebaut und genutzt werden. Doch nach vielen Planungen will die Stadt nicht noch mehr Geld investieren, ohne feste Förderzusagen zu bekommen. „Die Denkmalschützer beim Land wollen immer gerne mitreden, haben aber selbst kein Geld“, sagt Bürgermeister Tilo Lorenz (CDU) verärgert.

Aktuelle Architekten vom Landesamt empfohlen

Der jüngste Stich, den die Verwaltung bekam: eine subtile Kritik vom Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege Michael Bednorz in einem Beitrag des NDR. Dieser sagte, dass man zunächst mal „einen geeigneten Architekten“ finden sollte, wenn man über das Krumme Haus spricht. Lorenz kann das nicht nachvollziehen. „Das aktuelle Büro ist uns vom Landesamt doch empfohlen worden“, betont er. Und es mache gute Arbeit. Nachdem die Stadt lange von einem zehn Millionen teuren Wiederaufbau des Hauses träumte, habe es flugs eine grobe Kostenschätzung für eine „Minimal-Variante“ abgegeben, wie Lorenz sie nennt. Etwa zwei Millionen müssten demnach investiert werden, um das Gebäude zumindest nachhaltig zu sichern. Auch das wird ohne Fördermittel nicht gehen.

„Wir können uns hier nicht alleine weiter abstrampeln“, macht der Verwaltungschef deutlich. Wenn das Land der Burg eine solch herausragende Bedeutung attestiert, brauche es vernünftige Unterstützung. Tatsächlich ist das Landesamt für Denkmalpflege hin und weg von dem mehr als 750 Jahre alten und damit ältesten weltlichen Bauwerk Mecklenburg-Vorpommerns. Die Anlage zähle zu den bedeutendsten Denkmälern des Landes, teilt das übergeordnete Kulturministerium auf Nordkurier-Anfrage mit. „So eine Anlage ist besonders selten und zeigt herausragend die Typologie von Burgen in Deutschland“, führt es aus. Sie sei von nationaler Bedeutung.

Einigkeit: Übernahme ist keine Option

Nach Angaben des Schweriner Ministeriums habe das Landesamt zudem mehr als 613 000 Euro bereits zur Burg dazu gegeben – in den Jahren 1995 bis 2006. Gemessen an dem, was die Stadt jährlich aus dem eigenen Haushalt in die Burg buttert, sei das kaum der Rede wert, sagt wiederum Lorenz. Die offenkundige finanzielle Überforderung der Kommune brachte längst eine alte Forderung wieder ans Licht: Die Burg an das Land übergeben, das so gerne viel Geld in die Sanierung von Schlössern und anderen Objekten steckt.

Doch hier sind sich die Landesdenkmalschützer und der Stargarder Bürgermeister einig. „Eine Übernahme stellt keine Option dar“, macht das Ministerium deutlich. Die Stadt habe erkannt, dass die Burg großes Potenzial als Anziehungspunkt für Besucherinnen und Besucher hat. Das werde bereits daraus deutlich, dass die Stadt in den vergangenen Jahren mehrfach Fördermittel bei unterschiedlichen Fördermittelgebern beantragt hat, heißt es weiter.

Dazu gehört nun auch der Antrag für die Ruinensicherung am Krummen Haus. Entschieden wurde über ihn noch nicht. Aber: „Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege steht Nutzungs- und Erhaltungskonzepten für die die Burg Stargard offen gegenüber und nimmt die fachliche Beratung der Stadt gern wieder auf“, teilt das Ministerium mit. Eine Nutzung als Museum wäre schön, mit einem Schwerpunkt auf das Mittelalter, „wobei der Bogen überregional gespannt werden sollte, weil Burg Stargard Teil der europäischen Backsteinroute ist“, heißt es weiter. Die Stadt hat den Denkmalschützern laut Lorenz für März und April zwei Terminvorschläge für ein Treffen gemacht. Das Krumme Haus bleibt vorerst weiträumig gesichert. Aber die Burg als ganzes ist zumindest wieder offen.

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