FRITZ-REUTER-BRUNNEN

Künstler-Nachfahre entsetzt über Neubrandenburg

Neubrandenburg debattiert aktuell hitzig über die Freilegung eines Wandbilds im Rathaus aus DDR-Zeiten. Doch auch der Unmut vieler Bürger über die Gestaltung des neuen Bahnhofstors ist noch nicht verraucht. Nun gibt es ein neues Protest-Schreiben.
Die umstrittenen Stelen repräsentieren einen Teil der Stadtmauer, der vor 150 Jahren abgebrochen wurde. Für sie muss
Die umstrittenen Stelen repräsentieren einen Teil der Stadtmauer, der vor 150 Jahren abgebrochen wurde. Für sie musste der Reuter-Brunnen (im Hintergrund)versetzt werden. Die Neugestaltung zeiht seit Wochen Kritik auf sich. Mirko Hertrich
Bürgermeister Silvio Witt im Dezember bei der Einweihung des neugestalteten Areals.
Bürgermeister Silvio Witt im Dezember bei der Einweihung des neugestalteten Areals. Mirko Hertrich
Neubrandenburg.

Der Nachfahre des Künstlers ist über die Platzierung des von seinem Großonkel geschaffenen Fritz-Reuter-Brunnens an der Neubrandenburger Stadtmauer alles andere als glücklich. „Ich war negativ überrascht“, sagte Hellwart Jaeger, dessen Großonkel Wilhelm Hans Jaeger den 1923 eingeweihten Brunnen geschaffen hat, der im Volksmund mittlerweile als Mudder-Schulten-Brunnen bekannt ist. Das Kunstwerk zeigt eine Szene des dichterischen Werks von Fritz Reuter.

Neugestaltung am Bahnhof erntet viel Kritik

Mit der Neugestaltung des Bahnhofstors wurde der Brunnen im vergangenen Jahr umgesetzt und steht schräg gegenüber vom Fritz-Reuter-Denkmal zwischen Franziskanerkloster sowie den meterhohen Stahlstelen, an denen sich in der Vier-Tore-Stadt besonders die Geister scheiden. Mit der Neugestaltung des Bahnhofstors wurde der Brunnen nun in Richtung Franziskanerkloster versetzt.

Jaeger hat sich nach eigenen Worten kritisch zum ersten Planungsentwurf an das Stadtplanungsamt gewandt, „da dann die unmittelbare örtliche Nachbarschaft des Brunnens das bereits aufgestellte Kunstwerk „Die Trauernde“ in seinen Sichtschatten stellen würde und es auch keine inhaltliche sowie künstlerische Verbindung gebe wie bei dem Reuterdenkmal und dem Reuterbrunnen“. Weiterhin sieht er diese Verbindung durch den neuen Standort des Brunnens direkt hinter den großen Stahlstelen beeinträchtigt, welche die Form der historischen Stadtmauer auf moderne Art repräsentieren sollen.

Öffentlichkeit nicht ausreichend beteiligt?

Sein Hinweis zur zu großen Nähe des Brunnens und der Skulptur habe noch Berücksichtigung gefunden, sagte Hellwart Jaeger. Allerdings habe sich damit die Sichtverbindung zwischen Reuterdenkmal und dem Brunnen verschlechtert. Er hatte nach eigenen Worten auch vorgeschlagen, anstelle der „großen und teuren Stahlstelen“ die vorhandene Stadtmauer aus Feld- und Backsteinen in geringer Höhe bis zu den Fahrrad- und Gehwegen weiterzuführen. „Leider haben sich meine Befürchtungen zu Gestaltung des Bahnhofstores nach der Realisierung noch verstärkt“, bedauert er. Seines Erachtens hätte die Kritik vieler Bürger vermieden werden können, wenn die eingereichten Entwürfe vor dem Zuschlag veröffentlicht und somit zur Diskussion gestellt worden wären.

 

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Kommentare (6)

Beim Karl-Marx-Denkmal konnten die Nachfahren des Künstlers noch das Schlimmste (die liegende Version) verhindern, hier anscheinend nicht. Schade.

da durften Menschen ohne Kunstverstand bestimmen, was Kunst und was entartet ist.
Kunst ist vor allem etwas was Menschen auf einer emotionalen Ebene anspricht, auf die Emotion an sich (Freude, Glück, Trauer, Furcht) kommt es dabei weniger an. In diesem Sinne sind sowohl der Versuch einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem bärtigen Alten als auch die Ergänzung der Stadtmauer Kunst im besten Sinne, auch wenn Sie sie vielleicht nicht verstehen.

Schon lange.

Die zur Kunst erhobene Panzersperre am Nordeingang der Neubrandenburger Innenstadt läßt erahnen, dass kommende feindliche Panzer von Norden in die Stadt einrücken werden.

Und ich finde es absolut daneben, dass die Mauer zum Bahnhof geöffnet bleibt!
Als Ur- Ur-… -Großneffe eines bedeutenden Neubrandenburger Maurers, der bei der sicheren Einhausung der Stadt im Mittelalter seine fachlich äußerst wichtige Arbeit abgeleistet hat stört es mich total, dass im Zuge der Neugestaltung nicht wieder der alte und ursprüngliche Zustand hergestellt wurde. Hier ist eine einmalige historische Chance vertan worden! Wer, bitteschön, fährt in Zukunft noch mit der Bahn? Oder mit dem Auto? Die Zukunft liegt eindeutig im Beamen. Wir sollten Beamboxen aufstellen, in denen man de- bzw. wieder neumaterialisiert werden kann.
Sonst gibt es immer wieder Ärger mit den Nachfahren!
BASTA,
der kompetenteste EU-Rentner

auf jeden Fall sollten wir noch einen Vorfahren finden, der als Fischer das Moor von vor 1248 wieder herstellen würde.