ALTENTREPTOW

Künstlerin will Keramikmauer in Altentreptow retten

1991 baute der Künstler Roland Möller eine Kunstmauer zwischen Käsewerk und Wohngebiet an der Friedenstraße. Da das Werk nun abgerissen wird, muss auch ein großer Teil der Mauer fallen. Das missfällt auch dem Künstlerbund des Landes.
Christina Weinreich Christina Weinreich
Rund 50 Meter lang ist diese Mauer zwischen einstigem Käsewerk und Wohngebiet. Sie wurde 1991 vom Künstler Roland Möller und seiner Tochter Miriam geschaffen.
Rund 50 Meter lang ist diese Mauer zwischen einstigem Käsewerk und Wohngebiet. Sie wurde 1991 vom Künstler Roland Möller und seiner Tochter Miriam geschaffen.
Kämpft um die Rettung des Werkes ihres 2008 verstorbenen Mannes: Brigitte Möller vom Böckel.
Kämpft um die Rettung des Werkes ihres 2008 verstorbenen Mannes: Brigitte Möller vom Böckel.
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Altentreptow.

Noch steht die gesamte Keramikmauer zwischen dem einstigen Käsewerk und dem Neubaugebiet an der Friedenstraße in Altentreptow. An einigen Stellen zwar schon arg lädiert, aber sie ist noch da. So lange dieser Zustand so ist, will die Künstlerin Brigitte Möller vom Böckel kämpfen. Um zu retten, was noch zu retten ist. Das rund 50 Meter lange Kunstwerk, das ihr 2008 verstorbener Mann Roland Möller gemeinsam mit Tochter Miriam gebaut hat, soll im Zuge des Abrisses des einstigen Käsewerkes größtenteils mit entsorgt werden. Etwa zehn bis zwölf Meter hat die Stadt erworben.

Warum nur ein kleines Stück und nicht das gesamte Kunstwerk erhalten werden kann, ist für Brigitte Möller vom Böckel nicht nachvollziehbar. „Der Bau war 1991 ein Auftragswerk von Molkerei und Stadt. Mein Mann hat sie für die Stadt gemacht. Warum darf sie nicht komplett bleiben? Das ist Kunst im öffentlichen Raum. Die kann man nicht einfach entsorgen.“ Natürlich müsse sie restauriert werden. Ihr Sohn, er ist Töpfermeister, würde dies übernehmen. Sie habe sich bereits an den Bürgermeister der Stadt Volker Bartl gewandt, um ihn vom Festhalten am Kunstwerk zu überzeugen. Es sei ihr wohl nicht gut gelungen, sagt sie.

Für Bürgermeister ist das Thema durch

Der Künstlerbund Mecklenburg-Vorpommern steht an der Seite von Brigitte Möller vom Böckel und hat sich mit einem Schreiben an den Bürgermeister gewandt. „Das Kunstwerk stellt eine kulturelle Landmarke mit einer fast dreißigjährigen Geschichte im Stadtbild dar und verdient somit besonderen Schutz“, heißt es darin. Der Keramiker, Maler und Grafiker habe nicht nur ein etabliertes Werk hinterlassen, Möller habe sich zu Lebzeiten auch lokal sehr verdient gemacht. Der Künstlerbund bittet den Rathauschef, die Anfrage zum Erhalt der Mauer aufgrund der Dringlichkeit bereits während der nächsten Sitzung der Stadtvertretung am 21. Mai als Tagesordnungspunkt zu behandeln. Die Planung von Neubauten sowie der Erhalt von schützenswertem Kulturgut müssten Hand in Hand gehen.

„Wir haben im Vorfeld schon sehr viel über dieses Thema gesprochen. Ich möchte es nicht mehr auf die Tagesordnung setzen“, sagte der Bürgermeister. Es gebe mit dem Investor einen städtebaulichen Vertrag, in dem vereinbart wurde, dass zu retten ist, was gerettet werden kann. Die Keramikmauer stehe nicht auf städtischem Boden, sondern sei vom Investor gekauft worden. Ihrem kompletten Erhalt stehe zudem ein technisches Problem entgegen: Im vorderen Bereich stehe sie auf einer Böschung, die der Investor jetzt begradigen wolle. Unter dem Fundament der Mauer verlaufen zudem Abwasserkanäle, die im Böschungsbereich erneuert werden müssten. „Das alles abzufangen kostet zwischen 50 000 und 80 000 Euro. Das Geld hat die Stadt einfach nicht“, sagt Bartl. Während der Einwohnerversammlung zum Abriss des Käsewerkes habe er erlebt, dass Altentreptower die Mauer keinesfalls als Kunstwerk von städtischer Bedeutung verstünden.

Der Eigentümer der Fläche und Bauherr Toni Herget war zunächst für eine Nordkurier-Anfrage nicht zu erreichen. Doch will Brigitte Möller vom Böckel auch noch mit ihm das Gespräch suchen.

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