Neueröffnung
Laden von Thor Steinar macht in Neubrandenburg auf

Von außen deutete in der Stargarder Straße in der Neubrandenburger City drauf hin, dass im Alten Hotel ein Thor-Steinar-Laden eröffnet. Foto: Mirko Hertrich
Von außen deutete in der Stargarder Straße in der Neubrandenburger City wenig darauf hin, dass im Alten Hotel ein Thor-Steinar-Laden eröffnet wird.
Mirko Hertrich

Gegen Läden der bei Rechten beliebten Modemarke Thor Steinar regt sich oft Protest. In Neubrandenburg hat jetzt in guter Innenstadtlage ein solches Geschäft eröffnet – mit ziemlich viel Heimlichtuerei.

Das umstrittene Modelabel Thor Steinar hat am Donnerstag ohne große Ankündigung einen neuen Laden in Neubrandenburg eröffnet. Die Marke, die wegen ihrer Verwendung von nordisch-völkischen Symbolen bei Neonazis beliebt ist, hatte erst am Mittwochabend in sozialen Medien kurzfristig angekündigt, dass schon am Donnerstag ein Bekleidungsladen in der Viertorestadt aufgemacht werden soll. Den genauen Standort ließen die Verantwortlichen zunächst im Dunkeln und versprachen weitere Informationen.

Am Donnerstag teilte das Unternehmen dann gegen 9.30 Uhr mit, dass das Geschäft gegenüber vom Kaufhof in der Stargarder Straße eröffnet wird – also zentral in der Neubrandenburger Innenstadt. Von außen war von der Einrichtung des neuen Ladens nichts zu sehen, es gab auch keinen Hinweis auf den Betreiber. Die Eingangstür war verhängt, das Schaufenster großflächig überklebt. Auf der Fläche war nur ein großes Werbefoto mit dem Schriftzug „c Company” zu sehen. Das c gehört offenbar zu dem Wort „Nordic”, Nordic Company hatte schon in einem Geschäft in Hamburg die Marke vertrieben.

Proteste und gewaltsame Übergriffe

Als dann kurz nach 10 Uhr der Laden öffnete, waren keine Kunden da. Lediglich die Polizei hatte mit einem Wagen Posten bezogen, um zu schauen, ob alles ruhig bleibt. „Wir haben auch erst heute morgen von der Eröffnung erfahren”, sagte ein Beamter. In dem umstrittenen Bekleidungsgeschäft zeigte man sich sehr zugeknöpft und öffentlichkeitsscheu. „Wir reden nicht mit der Presse”, sagte eine Mitarbeiterin. Auch war es nicht erwünscht, dass sich Reporter im Laden kurz umschauen.

Bei der Eröffnung des Ladens am Vormittag waren keine Demonstranten zugegen. Das Bündnis „Neubrandenburg Nazifrei” – ebenfalls von dem unangekündigten Geschäft überrascht – hatte zum Protest aufgerufen und deutliche Kritik geäußert: „Wir werden so eine Art von braunen Szenetreff in der Stadt, der für diese als Anziehungspunkt dient und vor allem auch Kohle in diese Kreise fließen lässt, nicht dulden!”, schreibt das Bündnis auf seiner Facebookseite und weiter: „Wir rufen die Stadt und auch jede*n Neubrandenburger*in dazu auf, sich hier zu beteiligen und die Kundschaft mit klar rechtsradikalem Bezug aus der Stadt zu halten und keinen offenen Treffpunkt zu bieten!”.

Objekt wird videoüberwacht

Der Vorsitzende der Linken Mecklenburgische Seenplatte, Tobias Hecht, sagte, die Eröffnung des Ladens  für Kleidung und andere Erkennungsmerkmale der rechten Szene wenige Tage kurz vor dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erscheine "als Provokation, als Gedankenlosigkeit, als Effekthascherei". Er unterstütze die Proteste in Neubrandenburg "gegen diese Ladeneröffnung, gegen diese Bekleidungs-Marke, gegen die Relativierung von Faschismus, Nationalismus und gegen die damit einhergehende Verharmlosung von Völkermord und Barbarei". Hecht forderte jeden Bürger auf, sich über die Nazi-Szene sowie deren Erkennungsmerkmale zu informieren.

Gegen Läden des Labels Thor Steinar hatte es in der Vergangenheit immer wieder Proteste und teils auch gewaltsame Übergriffe gegeben – so unter anderem in Berlin, Hamburg und Rostock. Offenbar hat solche Befürchtungen auch der Neubrandenburger Betreiber. An der Eingangstüre des neuen Ladens in Neubrandenburg prangt als einziges ein großes Hinweisschild, dass das Objekt unter Videoüberwachung steht.

Marke im Landtag und in Stadien verboten

Die Marke Thor Steinar wird der rechtsextremen Szene zugeordnet und gilt als "szenetypisches Erkennungs- sowie Abgrenzungsmerkmal". So sieht es etwa der Verfassungsschutz Brandenburg. Im Landtag Mecklenburg-Vorpommern sowie in diversen Fußballstadien ist das Tragen von von Thor-Steinar-Kleidung ausdrücklich verboten. Die SPD-Jugendorganisation Jusos in Mecklenburg-Vorpommern hatte die Satirefigur „Storch Heinar” ins Leben gerufen, welche die bei Rechten beliebte Modemarke ins Lächerliche zieht.

Auf seiner Internetseite führt das Unternehmen MediaTex GmbH mit Sitz in Mittenwalde, das hinter Thor Steinar steht, zehn Läden in Deutschland, darunter einen in Schwerin. Mittlerweile versucht sich die Marke stärker im Freizeitbereich zu etablieren. In der Vergangenheit mussten immer Geschäfte wieder geschlossen werden, weil Mediatex den Vermietern das Sortiment verheimlicht hatte. Der Nordkurier hat eine entsprechende Anfrage beim Verwalter des Objekts in der Neubrandenburger City gestellt.

 

Kommentare (5)

Der Nordkurier hat eine entsprechende Anfrage beim Verwalter des Objekts in der Neubrandenburger City gestellt. Soviel zu unabhängig.... Lachhaft

Schön, dass Dein Artikel nicht wegzensiert wurde.

Aber sowas gibt es ja nur in anderen Ländern, eine Zensur!

Wenn man nicht will das diese Klamotten mit dem Label in Deutschland vertrieben und getragen werden, warum verbietet man es nicht einfach ? Sonst wird doch immer alles gleich verboten. Paragraph 86a StGB, Symbole mit Verfassungsfeindlichen Charakter. Und so lange das nicht so ist, muß man sich halt damit abfinden,das immer wieder versucht wird damit zu handeln. Oder ist es gewollt das wieder Straßenschlachten zwischen linken und rechten Chaoten und sonstwem stattfinden, ähnlich G20. Mein vorhergehender Kommentar in dem ich diesbezügliches vorhersagte, wurde postum gelöscht.

Hallo Scharfmacher, der Laden steht noch - wieder zu weit ausm Fenster gelehnt und eigene Fantasien ausgelebt? Bei manchen hier brennt wohl nur das Stroh im Kopf, aber leider ist da keine Lampe am Leuchten, die ein wenig Intelligenz ausstrahlt ... traurig, aber hey, was willste machen, gibt ja RTL und Hartz IV - kann ja nich jeder von Soros supportet werden :P