629.000 EURO

Land hat Fördergeld an insolvente Firma versprochen

Dem Neubrandenburger Unternehmen SMW wurden gerade erst vom Wirtschaftsministerium mehrere 100000 Euro Fördergeld zugesagt. Doch am gleichen Tag, als der Minister dies verkündete, meldete das Unternehmen Insolvenz an.
SMW ist ein wichtiger Zulieferer für Eisen-und Straßenbahnhersteller und fertigt unter anderem Drehgestelle, Zugvor
SMW ist ein wichtiger Zulieferer für Eisen-und Straßenbahnhersteller und fertigt unter anderem Drehgestelle, Zugvorrichtungen, Kupplungen sowie Puffer für Lokomotiven und Waggons. Jörg Franze
Neubrandenburg.

Das Neubrandenburger Unternehmen Spezialmaschinen- und Werkzeugbau (SMW) hat Insolvenz angemeldet. Das bestätigte SMW-Geschäfsführer Michael Walter auf Nordkurier-Anfrage. Das Amtsgericht Neubrandenburg hat bereits ein vorläufiges Insolvenzverfahren für den Betrieb mit etwa 200 Beschäftigten eröffnet und den Neubrandenburger Rechtsanwalt Ralph-Jörn Kurschus als vorläufigen Verwalter eingesetzt. Die Unternehmensleitung bleibt jedoch weiter im Amt und versucht gemeinsam mit Kurschus, den Betrieb aufrecht zu erhalten.

 

Geschäftsführer Walter begründete den Insolvenzantrag mit drohender Zahlungsunfähigkeit. Eine Kette von Ereignissen, darunter kurzfristige Maschinen- und Personalausfälle, eine deshalb notwendige Produktion außerhalb des Unternehmens sowie geänderte Vertragsbeziehungen von Banken und anderen Finanzdienstleistern hätten dazu beigetragen.

629 000 Euro aus Schwerin zugesagt

Pikant dabei ist allerdings, dass das Schweriner Wirtschaftsministerium gerade erst vor wenigen Tagen eine Investitionsförderung für SMW bekanntgegeben hatte. Mit 629 000 Euro aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ sollen von der Firma geplante Gesamtinvestitionen von rund 3,7 Millionen unterstützt werden. „Mit den Investitionen werden 193 Arbeitsplätze gesichert und sieben neue Jobs geschaffen”, lobte MV-Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) per Pressemitteilung am gleichen Tag, an dem SMW beim Gericht den Insolvenzantrag stellte.

„Es sind bisher keine Fördermittel ausbezahlt worden”, erklärt Ministeriumssprecher Gunnar Bauer aber auf die Frage, ob nun Landesgelder möglicherweise mit der Pleite eines Unternehmens verloren gehen. Die Neubrandenburger Firma habe bereits im Dezember 2017 die Förderung beantragt, im November 2019 seien aber erst alle Unterlagen vollständig gewesen. Die Auszahlung erfolge nur auf der Grundlage bezahlter Rechnungen.

Bei der Prüfung auch auf die Hausbank verlassen

Jeder einzelne Förderantrag einer Firma werde vom Landesförderinstitut (LFI) nach standardisierten Vorgaben geprüft, dabei gehe es unter anderem um die Förderfähigkeit, die Einhaltung von Fristen und die Gesamtschlüssigkeit eines solchen Investitionsvorhabens. „Zur Wirtschaftslage eines Unternehmens stellt das LFI in der Regel auf das Ergebnis der Prüfung der Hausbank ab, die ... eine Einschätzung zur wirtschaftlichen Situation des Unternehmens inklusive einer Rückzahlungsprognose vornimmt”, erläutert er, warum das Ministerium von der SMW-Insolvenz überrascht worden sei.

Rechtsanwalt Kurschus und Geschäftsführer Walter zeigen sich derweil optimistisch, das Unternehmen wieder in ruhiges Fahrwasser führen und die Arbeitsplätze erhalten zu können. Es sei vorgesehen, die geplanten Investitionen auch umzusetzen. Und dafür rechnet SMW weiter mit dem vom Land zugesagten Fördergeld.

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