In Demmin ist die Inzidenz aktuell am höchsten.
In Demmin ist die Inzidenz aktuell am höchsten. Stefan Sauer
Die Inzidenzwerte für die Ämter und Städte der Seenplatte
Die Inzidenzwerte für die Ämter und Städte der Seenplatte NK Grafik
Coronavirus in MV

Seenplatte verrät erstmals Zahl der Corona-Fälle in Städten und Ämtern

Nach langem Mauern hat der Landkreis Seenplatte doch die Corona-Zahlen der einzelnen Regionen und Städte herausgegeben. Nur in zwei Ämtern ist die Inzidenz unter 100.
Neubrandenburg

Der Corona-Krisenstab der Mecklenburgischen Seenplatte hat am Dienstag endlich eine Übersicht über die Covid-19-Fälle einzelner Regionen im Landkreis bekannt gemacht. „Wir hoffen sehr, dass die Veröffentlichung dieser Zahlen dazu beiträgt, dass sich nun jeder in unserem Landkreis ein Bild von der aktuellen Situation machen und sich darauf einstellen kann”, so der Zweite Stellvertretende Landrat Thomas Müller (CDU).

Nach monatelanger Geheimniskrämerei und Druck von außen haben sich die Verwaltungsmitarbeiter rund um Landrat Heiko Kärger (CDU) also nun doch dazu durchgerungen, die Inzidenzen und Wochen-Infektionszahlen der Ämter herauszugeben. Die Übersicht bestätigt Besorgniserregendes: Denn wie von der Verwaltung bereits mehrfach angedeutet sind die Zahlen nicht nur in einzelnen Hotspots hoch.

Nicht nur in Demmin wurden zuletzt besonders viele Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner gezählt (444,91). So beträgt die Inzidenz in der Feldberger Seenlandschaft beispielsweise gerade 431,13. In den Ämtern Friedland, Demminer Land und Treptower Tollensewinkel sind die Inzidenz-Werte höher als 300.

Einzig in den Ämtern Neustrelitz-Land und Penzliner Land wurde zuletzt ein Wert unter 100 gezählt. Allerdings handelt es sich bei diesen Werten bekanntlich um Hochrechnungen. Die meisten Erkrankungen in den vergangenen sieben Tagen wurden mit 178 Fällen in Neubrandenburg gezählt. 47 Infektionen waren es in Demmin, 41 in Neustrelitz und 36 in Waren.

Ist die bisherige Strategie des Schweigens also gescheitert? Immerhin werden im Nachbarkreis Vorpommern-Greifswald schon lange die Zahlen der Ämter veröffentlicht und aktuell weitaus geringere Inzidenzen gelistet. Der Krisenstab liefert zumindest eine eigene Begründung für den überraschenden Schritt.

So sieht der Zweite Stellvertretende Landrat Thomas Müller zum jetzigen Zeitpunkt weniger Konfliktpotenzial durch eine Bekanntgabe: „Die veränderte Infektionslage im Landkreis ist ausschlaggebend dafür, dass nunmehr die Zahlen veröffentlicht werden können”, sagt der Leiter des Verwaltungsstabs. „Denn die Gefahr der Stigmatisierung einzelner Personen oder Einrichtungen ist nun nicht mehr so groß wie noch vor kurzem, als sich aus Einzelfällen Rückschlüsse auf die jeweils Betroffenen ziehen ließen. Nach wie vor steht jedoch der Datenschutz für den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte ganz oben”, so Müller.

Kreis rechnet nicht mit schneller Verbesserung der Lage

Er hält es jedoch weiterhin für problematisch, dass sich aus den theoretischen Inzidenzwerten leicht falsche Rückschlüsse ziehen lassen. Denn die 100.000 Einwohner würden in keinem Amtsbereich erreicht werden. In bevölkerungsarmen Regionen würden schon wenige Fälle die Zahl nach oben katapultieren. Außerdem würden die Zahlen nicht über die Schwere der Krankheitssymptome preisgeben.

Die weitere Entwicklung betrachtet der Leiter des Verwaltungsstabs derweil mit Sorge: „Auch in den nächsten Tagen rechnen wir damit, dass sich die Infektionszahlen in unserem Landkreis auf hohem Niveau bewegen werden. Denn der Virus ist diffus im Landkreis verteilt. Das ist auch der ausschlaggebende Grund dafür, dass die neuerlichen Maßnahmen zur Kontaktvermeidung getroffen werden mussten, so wie es die sogenannte Ampel-Regelung des Landes Mecklenburg-Vorpommern verlangt”, teilte Müller mit.

Zuletzt hatten unter anderem zahlreiche Nordkurier-Leser gegen das Mauern in der Kreisverwaltung bei der Herausgabe von Zahlen protestiert. Eris Nehring aus Neubrandenburg machte zum Beispiel deutlich, dass der Landkreis dem mündigen Bürger durchaus mehr Vertrauen schenken könne. „Mit der Gleichmacherei argumentieren die politisch Verantwortlichen ohnehin gern, und so wird eben der ganze Kreis in Sippenhaft genommen”, so Frank Rosenthal aus Neustrelitz.

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