„BAUER SUCHT KUNDEN”

Landwirte tragen Proteste in Neubrandenburger Innenstadt

In der vergangenen Woche legten erboste Bauern mit ihren Maschinen kurzerhand den Friedrich-Engels-Ring lahm. Diesmal suchten sie auf dem Boulevard friedfertig den Dialog, um für ihre Anliegen zu werben.
Als Blickfang hatten die Bauern von „Land schafft Verbindung” zwei große Schlepper mit auf den Boulevard geb
Als Blickfang hatten die Bauern von „Land schafft Verbindung” zwei große Schlepper mit auf den Boulevard gebracht, wo sie mit den Bürgern den Dialog suchten über ihrer Arbeit, aber Sorgen und Nöte. Mirko Hertrich
Als Blickfang hatten die Bauern von „Land schafft Verbindung” zwei große Schlepper mit auf den Boulevard geb
Als Blickfang hatten die Bauern von „Land schafft Verbindung” zwei große Schlepper mit auf den Boulevard gebracht, wo sie mit den Bürgern den Dialog suchten über ihrer Arbeit, aber Sorgen und Nöte. Mirko Hertrich
Neubrandenburg.

Im Zuge des Aktionstags „Bauer sucht Kunden” haben Landwirte am Freitag in der Neubrandenburger Innenstadt für mehr Wertschätzung ihrer Arbeit und Produkte demonstriert. Rund ein halbes Dutzend Agrarier bezogen mit zwei großen Schleppern Position auf dem Boulevard in der Vier-Tore-Stadt und verteilten Flyer, um den Bürgern ihre Anliegen näherzubringen. Der Aktionstag des ehrenamtlichen Bündnisses „Land schafft Verbindung” wurde nach dessen Angaben in mehreren Städten in MV durchgeführt. In Neubrandenburg hatte die Stadt die Fläche den Bauern kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Christa-Maria Wendig, Landwirtin aus Rehberg und im Organisationsteam des Bündnisses „Land schafft Verbindung”, sagte zur Intention, „wir möchten die Verbraucher über unsere Arbeit aufklären, mit der wir Lebensmittel nach höchsten Qualitätsstandards produzieren.” Entsprechend hatten die Bauern auch regionale Produkte mitgebracht, die sie an ihrem Infostand feilboten wie Milch, Käse, Rapsöl sowie Brot und Fleisch. Mit dem Aktionstag soll bei den Kunden auch dafür geworben werden, möglichst regional einzukaufen, wie Christa-Maria Wendig hervorhob. Es gebe im Land hervorragende saisonale Produkte, da müsse man nicht Erdbeeren kaufen, die aus dem Mittelmeerraum importiert worden seien.

Wichtig ist den Landwirten an dem Infostand nach eigener Darstellung auch, über Pläne für neue gesetzliche Regelungen aufzuklären, „die uns bei Verabschiedung in unserer Existenz bedrohen”. Vor allem das kommende Agrargesetz ist den Bauern nicht geheuer, „weil wir nicht wissen, was kommt”, erläutert die Frau vom Organisationsteam. Die geplante Düngeverordnung bereitet den Bauern ebenfalls Kopfzerbrechen. „Wir bringen nicht mehr aus als notwendig, dafür ist der Stickstoff viel zu teuer.” Die Landwirte fürchten, dass sie – anders als von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei Agrargipfel in Berlin zugesagt – mit ihren Sorgen zu wenig Gehör finden werden. Gerade mit Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) sei ein Dialog so gut wie unmöglich, findet die Rehberger Landwirtin. Und nicht zuletzt geht es „Land schafft Verbindung” auch darum, Nachwuchs zu finden, denn auch in der Agrarbranche herrscht Fachkräftemangel.

Und so suchen die Bauern auf dem Boulevard das direkte Gespräch mit den Bürgern. Ein Neubrandenburger Ehepaar, angelockt von den angebotenen Käsestückchen, findet, dass den Landwirten zu wenig Wertschätzung entgegengebracht wird. „Das war schon vor hundert Jahren so”, winkt ein älterer Herr ab, der nach eigenen Worten selbst lange im Agrarbereich tätig war. „Wir fühlen mit und würden uns freuen, wenn die Bauern mehr Unterstützung bekämen”, pflichtet seine Frau bei. Christa-Maria Wendig ist erfreut, dass der Dialog Früchte trägt. „Schon auf der Anfahrt mit den zwei Schleppern an der Tankstelle war die Resonanz sehr gut.”

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Kommentare (1)

"Vor allem das kommende Agrargesetz ist den Bauern nicht geheuer, „weil wir nicht wissen, was kommt” "

sehe ich das richtig, der ganze Aufwand, für etwas was noch gar nicht feststeht?